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Livio Suppo: Warum Ducati erst zögerte, Casey Stoner zu verpflichten

Der frühere MotoGP-Teammanager Livio Suppo analysiert, wie Ducati 2007 der Titel-Triumph gelang und was heute anders ist - Vergleich Marc Marquez vs. Casey Stoner

Livio Suppo: Warum Ducati erst zögerte, Casey Stoner zu verpflichten

Auch wenn Livio Suppo der MotoGP Ende 2017 den Rücken kehrte, wirkt das Erbe des einstigen Ducati- und Honda-Teammanagers bis heute fort. Casey Stoners WM-Titel (2007 mit Ducati, 2011 mit Honda) und Marc Marquez' Aufstieg in die Königsklasse 2013 zählen zu den Meilensteinen seiner Karriere.

Während das MotoGP-Projekt von Ducati bereits in seinem Debütjahr mit dem ersten Sieg Früchte trug und im fünften Jahr den Titel feiern konnte, sieht Suppo die Bedingungen für eine solche Erfolgskurve heute erschwert.

"Heutzutage ist das technische Niveau ausgeglichener. Das bedeutet, dass es einfacher ist, ein gutes Level zu erreichen. Aber es ist schwieriger, etwas zu erfinden, das einen Wettbewerbsvorteil generiert", hält er im Gespräch mit 'Motorsport.com' fest. Der Vorteil von Ducati war damals vor allem die Power.

Suppo: Früher mehr Freiheiten in der MotoGP

Suppo erinnert sich: "Die Ducati debütierte in ihren Anfangsjahren mit einem Motorrad, das viel mehr Leistung hatte als die anderen." Mittlerweile bildet sie zwar immer noch die Speerspitze beim Topspeed, der Vorsprung aber ist geschrumpft. Und auch sonst sind die Rahmenbedingungen heute andere.

"Es gibt eine Reihe von technischen Einschränkungen, die das Starterfeld einerseits gleichmäßiger machen, was ein Vorteil für die Meisterschaft ist. Andererseits aber limitieren sie die Möglichkeit, riskante Entscheidungen zu treffen, wie zum Beispiel die für Bridgestone, die uns den Vorteil verschafft hat."

Weil man damals glaubte, Honda-Konkurrent Valentino Rossi nicht mit dem gleichen technischen Material schlagen zu können, regte Suppo vor der Saison 2005 den Wechsel von Michelin zu Bridgestone an, der sich letztlich auszahlte.

Ducati wollte Stoner nicht zu früh verpflichten

Mit der Verpflichtung von Stoner gelang schließlich auch fahrerseitig der ganz große Coup. "Die Verhandlungen, Casey zu Ducati zu holen, fanden 2006 in Estoril statt", blickt Suppo zurück und räumt ein, dass er den Australier eigentlich schon ein Jahr zuvor engagieren wollte, dann aber einen Rückzieher machte.

"Ich habe 2005 in Brünn mit seinem Vater gesprochen, aber damals schien es, dass die besten Fahrer für die MotoGP diejenigen waren, die etwas mehr als nur Erfahrung hatten, in einem bestimmten Alter: Gibernau, Barros, Capirossi. Mit Ausnahme von Valentino, der jünger war, waren sie bereits um die 30 Jahre alt."

Aus Angst, Stoner zu jung in die MotoGP zu holen, entschied man sich bei Ducati stattdessen für Sete Gibernau. Mit ihm war jedoch nach einem Jahr schon wieder Schluss: "Die Sache ging aus mehreren Gründen schief: Verletzungen und Pech."

Stoner vs. Marquez? "Sicher großartige Rennen"

Stoner debütierte derweil bei LCR-Honda und zeigte laut Suppo "großes Talent". "Das hat uns überzeugt. Wir waren ein offizielles Team, das mit Capirossi lange Zeit an der Spitze der Meisterschaft gestanden hatte, und wir boten ein konkurrenzfähiges Motorrad an, das einen jungen Mann wie ihn anzog."

Schon in der ersten gemeinsamen Saison gelang der Titelgewinn. Vier Jahre später wechselte Stoner ins Honda-Werksteam und wurde dort auf Anhieb zum zweiten Mal Weltmeister. 2013 trat er im Alter von nur 27 Jahren schließlich zurück.

Livio Suppo, Marc Marquez

Bei Honda sorgte Suppo mit Marc Marquez für die Ankunft eines neuen Champions

Foto: Motorsport Images

Bei Honda abgelöst wurde er durch niemand Geringeren als Marc Marquez, der den WM-Titel seither nur einmal verpasste. Ob er auch so viel gewonnen hätte, wenn Stoner weitergefahren wäre? "Das kann man nicht sagen, das weiß niemand", sagt Suppo. "Casey war sicherlich ein großartiges Talent."

"Wenn sie in der MotoGP zusammengekommen wären, hätten die Fans sicherlich großartige Rennen gesehen. Zu sagen, dass dies die Anzahl der von Marc gewonnenen Titel verringert hätte, ist schwierig. Er ist ein weiteres Phänomen und schlug wirklich starke Fahrer wie Dani (Pedrosa), Jorge (Lorenzo) und Valentino."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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