Reaktion
MotoGP Misano
Marc Marquez als WM-Spitzenreiter: "Ich muss meinen Kurs beibehalten"
Nach Übernahme der Tabellenführung erklärt Marc Marquez, wie er in Misano vorgegangen ist, wer ihn überrascht hat und wie er über seine Titelchance denkt
Mario Fritzsche
Veröffentlicht: 13.09.2026, 16:16
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Marc Marquez hat zum vierten Mal 2026 die Idealpunktzahl 37 geschafft
Foto: Gold Gold
Marc Marquez ist zurück an der Spitze der Gesamtwertung der MotoGP-WM. Mit seinem fünften Saisonsieg, der ihm am Sonntag im Grand Prix von San Marino in Misano gelungen ist, hat der Titelverteidiger nun erstmals auch in der laufenden Saison 2026 die WM-Führung übernommen.
Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Marquez verletzungsbedingt eineinhalb Rennwochenenden auslassen musste (in Le Mans den Grand Prix und in Barcelona das gesamte Wochenende). Und auch an den Rennwochenenden, die er komplett bestritten hat, war er in dieser Saison längst nicht immer bei 100 Prozent Fitness. Nach den zahlreichen Operationen im Bereich seiner rechten Schulter sind Marquez' neue 100 Prozent ohnehin niedriger angesiedelt als in vergangenen Jahren.
Mit seinem Instagram-Foto vor wenigen Tagen hat Marc Marquez für Aufsehen gesorgt. Am Misano-Wochenende nun hat er die beste Antwort einmal mehr auf der Strecke gegeben. Sieg im Sprint am Samstag und Sieg im Grand Prix am Sonntag bedeuten für ihn zum vierten Mal in dieser Saison die Idealpunktzahl von 37 Zählern. Zuvor hat er genau das schon im Balaton Park, auf dem Sachsenring und im MotorLand Aragon geschafft.
Inwiefern Misano für Marc Marquez "ein anderes Rennen" war
Alle vier vom Ergebnis her lupenreinen Rennwochenenden hat Marc Marquez nach seiner jüngsten Operation (10. Mai) und der Pause von eineinhalb Rennwochenenden hingelegt. Die Konsequenz: Seine zwischenzeitlich 102 Punkte Rückstand auf die WM-Spitze hat er nun komplett aufgeholt. In der aktuellen MotoGP-Gesamtwertung 2026 liegt der Titelverteidiger punktgleich mit Jorge Martin ganz vorn, ist aber dank der höheren Anzahl Saisonsiege der offizielle WM-Spitzenreiter.
Seinen Sieg im Grand Prix von San Marino am Sonntag, den hat Marquez nicht mit vollem Risiko eingefahren, wie er zugibt. Nachdem Polesetter Marco Bezzecchi direkt in der ersten Runde in Kurve 13 in Führung liegend gestürzt ist, führte Marquez zwar den Großteil der 27-Runden-Distanz an. Von der siebten bis zur elften Runde aber lag nicht er selber ganz vorn, sondern Jorge Martin.
"Der Angriff von Jorge war eine Überraschung. Damit hatte ich nicht gerechnet", bekennt Marquez nach seinem Sieg in Anspielung auf das Überholmanöver des vormals alleinigen WM-Spitzenreiters. Das Manöver von Martin trug sich in Kurve 4 der siebten Runde zu. Fünf Runden später holte sich Marquez in Kurve 6 die Führung von Martin zurück und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab.
"Das Rennen lief diesmal anders", sagt Marquez und erklärt: "In puncto Timing und Anstrengung habe ich es perfekt gemanagt. Sicher, der Fehler von Marco [Bezzecchi] war eine große Hilfe. Denn ich glaube, er wäre richtig schnell gewesen. Er ist mir ja schon in der ersten Runde davongefahren. Ich habe heute mein Maximum gegeben, indem ich versucht habe, eine konstante Pace zu fahren und nur dann zu attackieren, wenn ich musste."

Mit Jorge Martin hatte Marquez nicht gerechnet, aber der hatte eigene Probleme
Foto: Andreas Solaro / AFP via Getty Images
Während Jorge Martin in der zweiten Hälfte des Rennens von Armpump-Problemen geplagt wurde und letztlich als Fünfter ins Ziel kam, war es Alex Marquez, der Marc Marquez als Zweiter ins Ziel folgte. Auch dem Gresini-Piloten ist aufgefallen, dass sein älterer Bruder an der Spitze diesmal ein anderes Rennen fuhr als gewohnt.
"Ich glaube, Marc ist heute nicht auf die beste Art und Weise gefahren. Nach dem Sturz von Bezzecchi hat er sicherlich an die WM gedacht und war in einem Moment wohl ein bisschen zu entspannt", sagt Alex Marquez und spielt damit auf Martins Überholmanöver an.
"Später", so Alex Marquez weiter, "fuhr Marc nicht mehr mit vollem Risiko. Ich glaube, er fuhr mit 99 Prozent und rief die 100 Prozent nur kurz ab, um eine Lücke herauszufahren. Ich glaube, er hat heute ein bisschen gespielt. Und siehe da, jetzt führt er die WM an".
Wie Marc Marquez über den WM-Kampf 2026 denkt
Aber wie präsent ist die Möglichkeit, seinen WM-Titel von 2025 in diesem Jahr tatsächlich erfolgreich zu verteidigen nun im Kopf von Marc Marquez selber? "Jetzt haben wir eine Chance", sagt der Ducati-Werkspilot nach seinem Misano-Sieg. "Es war ein extrem gutes Wochenende und ich muss sagen, jetzt fühle ich mich frei und entspannt. Ich habe es schon öfters gesagt: Wenn ich um diesen WM-Titel mitfahren will, muss ich vor allem mental sehr stark sein."

Marc Marquez' neue 100 Prozent sind nicht seine 100 Prozent von früher
Foto: Andreas Solaro / AFP via Getty Images
Diese Gedanken präzisiert Marc Marquez auf Nachfrage noch, indem er erklärt: "Ich muss einfach stark sein und davon überzeugt sein, dass ich das, was ich tue, gut mache. Das heißt nicht, dass bei allem, was ich tue, alles gut läuft."
"Heute zum Beispiel war es schwierig, im Warm-up zunächst in der Box zu bleiben und erst fünf Minuten vor Schluss rauszufahren. Aber ich muss meinen Kurs beibehalten und weiterhin das tun, von dem ich glaube, dass es für mich am besten funktioniert, um im Sprint und im Hauptrennen die bestmögliche Leistung zu bringen."
Marc Marquez: "Ich trainiere mein Gehirn nicht, aber ..."
Und in diesem Zusammenhang spielt Marc Marquez noch einmal auf das Foto seines arg in Mitleidenschaft gezogenen rechten Arms an, das er in der Zeit zwischen seinem perfekten Aragon-Wochenende und seinem nun abermals perfekten Misano-Wochenende bei Instagram gepostet hat.
"Der Aragon-Sieg hat mir Schwung gegeben. Was in der Woche danach passiert ist, hat mir die Zuversicht gegeben, mental in der richtigen Spur zu sein. Jetzt fühle ich mich befreit. Ich werde meine 100 Prozent geben mit dem, was ich habe. Das werde ich jedes Wochenende tun, oder zumindest versuchen. Natürlich können Fehler passieren. Wir sind alle nur Menschen. Aber ich bin jetzt überzeugt von mir selber."

Marc Marquez ist stets bemüht, das Beste aus einer Situation zu machen
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Auf Nachfrage, ob er sein Gehirn dafür speziell trainieren würde, antwortet Marc Marquez voller Überzeugung: "Nein, nein. Ich trainiere mein Gehirn nicht, aber ich versuche, die Situationen zu kontrollieren. Wenn man eine Lampe hat, muss man sie eben dort hinstellen, wo man sie haben will. Versteht ihr? Wenn man will, dass das Licht auf die richtige Seite scheint, stellt man die Lampe eben auf die richtige Seite."
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