Marc Marquez enthüllt seinen nervösesten Karrieremoment
Marc Marquez hatte vor seinem ersten Ducati-Test mehr Zweifel als je zuvor - Wer ihm dabei entscheidenden Rückhalt gab und warum er heute entspannter ist
Mit dem Wechsel auf Ducati begann für Marc Marquez eine zweite Karriere
Foto: Getty Getty
Neun Weltmeistertitel, unzählige Siege und trotzdem Selbstzweifel wie ein Rookie: Marc Marquez hat im spanischen Podcast Tengo un Plan ungewöhnlich offen über die emotional schwierigste Phase seiner Karriere gesprochen.
Im Mittelpunkt: sein Wechsel von Honda zu Gresini-Ducati und der Moment, in dem selbst der mehrfache Weltmeister nicht wusste, ob er überhaupt noch schnell sein kann.
Auf die Frage nach dem nervösesten Moment seiner Karriere muss Marquez nicht lange überlegen. "Einer der nervösesten Tage meiner Karriere war der erste Tag, an dem ich die Ducati getestet habe. In Valencia", erzählt der Spanier rückblickend.
Nach elf Jahren bei Honda stand für ihn damals weit mehr auf dem Spiel als nur ein Markenwechsel. Der heutige Ducati-Werksfahrer erklärt, dass sich seine Wahrnehmung von Druck im Laufe der Jahre komplett verändert habe.
Marquez: Perspektive hat sich geändert
Als Teenager oder junger MotoGP-Pilot habe er die Dimension seiner Karriere noch gar nicht richtig verstanden: "Mit 20 oder 15 Jahren war mir gar nicht bewusst, wo ich eigentlich bin. Mit 33 weißt du genau, wo du stehst. Du hast mehr Verantwortung und viel mehr Menschen schauen auf dich", erklärt Marquez.
Gerade deshalb habe er den Druck intensiver gespürt als früher, selbst wenn er inzwischen besser damit umgehen könne. Besonders die Frage, ob er nach den zuletzt schwierigen Honda-Jahren und den wiederholten Verletzungen überhaupt noch konkurrenzfähig sein würde, habe den 33-Jährigen damals beschäftigt.

In Valencia stieg Marc Marquez Ende 2023 zum ersten Mal auf die Gresini-Ducati
Foto: Motorsport Images
Vor dem ersten Ducati-Test suchte Marquez deshalb immer wieder Rückversicherung bei seinem engsten Umfeld. "Ich habe meine Leute gefragt: Glaubt ihr wirklich, dass ich eine Ducati fahren kann?" Selbst seinen Bruder Alex habe er damit konfrontiert.
Die Antworten seien stets ähnlich ausgefallen: "Bist du verrückt oder was? Das ist ein Motorrad - zwei Räder, ein Motor. Du kannst Motorrad fahren, das hast du nicht verlernt."
Trotzdem blieb die Unsicherheit. Vor allem, weil Marquez nicht wusste, ob die Ducati zu seinem aggressiven Fahrstil passen würde. "Meine große Frage war: Kann ich mit diesem Motorrad schnell sein?" Diese Ungewissheit habe enormen inneren Druck erzeugt.
Dabei ging es ihm weniger um öffentliche Erwartungen als um den Beweis gegenüber sich selbst. Denn für Marquez war der Wechsel zu Gresini möglicherweise letzte große Chance. "Ich wusste, dass mir in meiner Karriere nicht mehr viele Patronen bleiben", sagt er. "Und das war eine dieser wichtigen Patronen."
Wechsel zahlt sich aus: Weltmeister 2025
Bekanntlich nutzte er diese Chance eindrucksvoll: Nach dem Neustart bei Gresini fand Marquez wieder zu alter Stärke zurück, gewann Rennen und empfahl sich schließlich für den Aufstieg ins Ducati-Werksteam, mit dem er 2025 Weltmeister wurde.
Besonders bemerkenswert: Marquez verzichtete bei Gresini offenbar komplett auf ein Gehalt. Im Podcast bestätigt er offen, dass Geld damals keine Rolle spielte. "Ich habe dem Team gesagt, dass ich dieses Motorrad unbedingt will. Sie meinten: 'Wir können nichts bezahlen.' Und ich sagte: "Das ist kein Problem.'"
Gleichzeitig betont er, dass sein Fall eine Ausnahme gewesen sei. Denn grundsätzlich müssten MotoGP-Piloten ihren Wert kennen und entsprechend bezahlt werden.
"Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr ich das wollte, aber kein gutes Beispiel für die Meisterschaft", mahnt der neunfach Weltmeister. "Die Fahrer riskieren dort draußen ihr Leben. Deshalb müssen sie entsprechend wertgeschätzt werden."
Aus diesem Grund wird auch über Mindestgehälter für Fahrer diskutiert. Marquez jedenfalls bekräftigt: "Wir fahren mit 350 km/h und riskieren unser Leben. Es ist wie in jedem anderen Beruf: Mehr Risiko bedeutet normalerweise auch mehr Bezahlung."
Er selbst wirkt nach Jahren voller Schmerzen, Zweifel und sportlicher Herausforderungen deutlich entspannter. "Dieses Jahr spüre ich viel weniger Druck", sagt er. Vielleicht auch deshalb, weil er sich die wichtigste Frage seiner Karriere inzwischen beantwortet hat: Ja, er kann eine Ducati fahren, und zwar verdammt schnell.
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