Marc Marquez gesteht: "Ich wollte nicht mehr ins Fahrerlager gehen"
Ducati-Star Marc Marquez verrät, warum er das Fahrerlager zeitweise nicht mehr betreten wollte und heute anders über seine Weltmeistertitel denkt
Marc Marquez will die MotoGP nicht ausgebrannt verlassen
Foto: Getty Getty
Marc Marquez hat in den vergangenen Jahren immer wieder Einblicke in die wohl schwierigste Zeit seiner Karriere gegeben. Doch so drastisch wie in einem jüngsten Interview mit DAZN hat der amtierende MotoGP-Weltmeister seine Gefühlslage inmitten wiederkehrender Verletzungen wohl noch nie beschrieben.
So habe ihn die jahrelange Verletzungsodyssee zeitweise so stark belastet, dass er das MotoGP-Fahrerlager nicht mehr betreten wollte: "Es gab Zeiten, in denen ich nicht ins Fahrerlager gehen wollte, weil ich es mit Schmerz verbunden habe."
Über Jahre kämpfte Marquez mit den Verletzungen an seiner rechten Körperseite, ausgelöst durch einen Sturz in Jerez 2020, bei dem er sich den Oberarm brach. Immer wieder musste er sich OPs unterziehen und lebte lange mit der Unsicherheit, ob sein rechter Arm ihn auf dem Motorrad plötzlich im Stich lassen würde.
Was Marc Marquez bis heute bereut
Erst vor sechs Wochen folgte der bislang letzte Eingriff, bereits die siebte Operation am rechten Arm innerhalb von sechs Jahren. Dabei wurde eine Schädigung des Radialnervs behandelt, die zu Gefühlsverlust und einer gestörten Verbindung im Arm geführt hatte.
Ausgelöst worden war das Problem durch eine Schraube aus einer früheren OP, die den Nerv gereizt hatte. Seit dem Eingriff habe er diese Unsicherheit endlich hinter sich.
Den Ursprung der gesamten Leidensgeschichte sieht Marquez in einer Entscheidung, die er bis heute bereut. Nach seinem Oberarmbruch wollte er unbedingt so schnell wie möglich zurückkehren und versuchte vier Tage nach der OP wieder Rennen zu fahren.
Rückblickend bezeichnet er dies als die einzige Entscheidung seiner Karriere, die er ändern würde. Es folgten fünf weitere Operationen und unzählige Stunden voller Schmerzen.
Zehnter Weltmeistertitel nicht um jeden Preis
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben auch seine Einstellung zum Erfolg verändert. Ein zehnter Weltmeistertitel, mit dem er Valentino Rossi in der ewigen Bestenliste überholen würde, sei längst nicht mehr sein alleiniger Antrieb, betont er.
"Ich wäre unglaublich stolz auf einen zehnten Titel, aber ob ich mit neun oder zehn Weltmeisterschaften aufhöre, wird mein Leben nicht verändern. Ich will meine Karriere genießen und nicht am Ende ausgebrannt aus der MotoGP gehen."
Wie sehr ihn das Thema bis heute beschäftigt, zeigt auch seine Reaktion auf die kürzlich veröffentlichte Netflix-Dokumentation über Tennislegende Rafael Nadal. Der Spanier möchte den Film zwar sehen, wartet aber noch ab. "Ich bin mental noch nicht bereit, die Dokumentation über Nadal zu sehen", gesteht Marquez.
"Es geht um Leiden und um das Ende seiner Karriere. Ich möchte sie wirklich sehen, aber im Moment bin ich noch nicht so weit." Zu sehr präsent ist der eigene Leidensweg.
Dabei hatte Marquez auch nach seinem jüngsten WM-Titel im vergangenen Jahr weiteres Verletzungspech. Nur wenige Tage nach seinem Triumph in Motegi musste er den anschließenden Grand Prix in Indonesien auslassen, nachdem er beim Start in einen Unfall mit Marco Bezzecchi verwickelt worden war.
Sportlich richtet sich der Blick inzwischen wieder nach vorne. Nach seiner jüngsten Verlängerung mit Ducati wird erwartet, dass Marquez mindestens bis Ende 2028 für den Hersteller aus Borgo Panigale in der MotoGP an den Start gehen wird.
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