Marc Marquez siegt im Sprint, gesteht aber: "Kein normaler Sachsenring-Sieg"
Im Sprint am Sachsenring setzt sich Marc Marquez gegen seinen Bruder Alex durch - Er gesteht danach, kurz über einen Verzicht auf den Sieg nachgedacht zu haben
Marc Marquez ist nun alleiniger Rekordsieger bei Sprintrennen
Foto: AFP
Nach dem Freitagstraining stapelte Marc Marquez noch tief und wies die Favoritenrolle auf dem Sachsenring von sich. Aber am Samstag eroberte er mit einem neuen Rundenrekord die Poleposition und holte sich im Sprint seinen 19. Sieg. Damit ist er in der Statistik der Samstagsrennen nun vor Jorge Martin der alleinige Rekordhalter.
Über die gesamten 15 Runden hielt Marc Marquez seinen Bruder Alex sowie Fabio Di Giannantonio in Schach. Speziell sein Bruder war nahe dran, konnte aber schließlich keine Attacke starten.
Deshalb sagt Marc Marquez: "Für mich war es kein normaler Sieg auf dem Sachsenring. Deshalb schätze ich diesen Sieg sehr, denn ich habe hart dafür gearbeitet, und habe bis zum Schluss gelitten."
"Es gibt zwei oder drei Punkte, an denen ich oben auf dem Motorrad sitze und nicht das machen kann, was ich gerne würde." Er betont aber, dass die drei Rechtskurven des Sachsenrings nicht das entscheidende Problem darstellen.
"Nein, nein, nein, in den Rechtskurven verliere ich genau das richtige Maß. Es stimmt, dass ich im Gefälle Zeit verliere, aber das ist ein Punkt, an dem ich schon Zeit verloren habe, als es mir gut ging. Also ist das keine Ausrede."
Alex Marquez war die gesamten 15 Runden dahinter und hat genau gesehen, wo sein älterer Bruder verloren hat: "Einer seiner schwächsten Punkte ist Kurve 11, rechte Seite, schnell, mit Beschleunigung. Dort verliert er ein bisschen."
"Ich habe dort ein wenig aufgeholt, aber in den letzten beiden Kurven macht er den Unterschied aus. Er hat mir eine Lücke gegeben, und dann war ich in Kurve 1 zu weit weg, um in Schlagdistanz zu sein. Es war wie ein Gummiband."
"Die einzigen Stellen, an denen man klar überholen kann", sagt Alex Marquez und zählt auf, "sind Kurve 12, 13 und 1. Es stimmt, dass Marc nicht so gut unterwegs war. Ich habe es versucht."
"Meine Idee war, ihn beim Start anzugreifen, aber mit den neuen Regeln, die wir jetzt haben, mit mehr Abstand zwischen den Startreihen, ist es ziemlich schwierig, eine Position zu gewinnen", bewertet der Gresini-Fahrer die neuen Vorschriften.
"Wenn der andere keinen großen Fehler macht, ist es fast unmöglich, überhaupt auf gleicher Höhe anzukommen. Aber ansonsten ist es ein Ergebnis, das ich nach dem Sturz in Barcelona gebraucht habe. Es ist ein weiterer Schritt in meiner Erholung."
Marc Marquez: "Ohne Barcelona-Unfall würde Alex die WM anführen"
Für Alex Marquez war Platz zwei das erste Top-3-Ergebnis seit seinem schweren Unfall Mitte Mai. Aber er hätte sogar gewinnen können, denn nach dem Sprint gab Marc Marquez zu, dass er darüber nachdachte, sich mit Platz zwei zu begnügen.
"Es gab einen Moment, in dem ich dachte: Nun gut, wenn mir der zweite und Alex der erste Platz gehört, ist das auch nicht so schlecht. Ich dachte, es bleibt in der Familie."
Auf die Frage, ob ihm der Sieg oder der zweite Platz seines Bruders mehr bedeutet, antwortet Marc Marquez: "Beides, und noch mehr, weil ich mich traue zu sagen, dass, wenn Alex diesen Unfall nicht gehabt hätte, er heute die WM anführen würde."

Erstmals seit Spielberg 2025 gab es einen Sprint-Doppelsieg der Marquez-Brüder
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"Er gewann in Barcelona, in Holland sah man das Rennen, das er gefahren ist, wie er es gemacht hat, in Mugello lief es bei ihm sehr gut, also, heute würde er die WM anführen."
Der Sachsenring-Sprint könnte der erste Indikator sein, dass sich beide Marquez-Brüder nach Verletzungen wieder zurück an die Spitze arbeiten. Auch Marc Marquez sieht ein Gesamtbild und vergleicht mit dem erfolgreichen vergangenen Jahr.
"Man sieht das Niveau, von einem Jahr zum anderen haben wir nichts verändert, weder im Training noch in der Einstellung, und im vergangenen Jahr wurden wir bei jedem Rennen Erster oder Zweiter."
"In diesem Jahr sind wir nicht auf die beste Weise gestartet, aber wir bleiben bei unserer Methode, und die Methode dreht am Ende die Situation um und funktioniert", ist der neunmalige Motorrad-Weltmeister überzeugt.
Marc Marquez hat Di Giannantonio auf der Rechnung
Vor allem Marc Marquez ist wieder im WM-Rennen dabei. Nach dem Sprintsieg ist er zwar weiterhin WM-Fünfter, aber nur noch 32 Punkte hinter WM-Leader Martin. Mit einem Sieg im Grand Prix könnte er den Rückstand weiter reduzieren.
"Ja, ich liege 32 Punkte hinter Martin, aber es gibt nicht nur Martin und Bezzecchi, es gibt auch einen Di Giannantonio, der sehr konstant ist und auch einer der Kandidaten für die Meisterschaft ist", sieht Marc Marquez den VR46-Fahrer als ernsten Gegner.
Im Sprint konnte Fabio Di Giannantonio in der ersten Runde die Aprilia von Ai Ogura überholen, aber dann steckte er hinter den beiden Marquez-Brüdern fest und konnte nie eine Attacke auf Alex Marquez vor ihm starten.

Fabio Di Giannantonio konnte trotz besserer Pace nicht überholen
Foto: Getty Images Europe
"Ja, wir wissen, dass diese Strecke wirklich, wirklich schwierig zum Überholen ist", sagt der Italiener. "Sobald man direkt hinter einem anderen Fahrer fährt, steigt die Temperatur im Vorderreifen."
"Und da man alle Kurven in Schräglage fährt, ist es dann wirklich schwierig, die Pace zu halten und dann zu versuchen zu überholen. Man kann es tun, aber es ist ziemlich riskant. Es war einfach zu riskant, Alex zu überholen."
Da er nicht vorbeikam, ließ Di Giannantonio im Rennverlauf bewusst eine kleine Lücke, um die Reifen nicht zu überhitzen und keinen Sturz zu riskieren. Überholen ist mit den aktuellen MotoGP-Motorrädern auf dem Sachsenring fast unmöglich.
Der Italiener glaubt, dass er schneller hätte fahren können: "Ich denke, ich hatte die bessere Pace, um schneller zu fahren. Es stimmt aber auch zu 100 Prozent, dass auch Marc nicht mit 100 Prozent gepusht hat."
"Ich denke, Marc hatte noch etwas mehr Pace, aber er hat kontrolliert, doch das ist normal. Ich war da und habe versucht, mit ihnen mitzuhalten, aber wenn man dahinter ist, wird es wirklich zum Albtraum, einfach die Pace zu halten."
Beim doppelt so langen Grand Prix hat Di Giannantonio eine weitere Chance. Dann wird sich zeigen, ob einerseits Alex Marquez körperlich schon fit genug ist und andererseits, ob Marc Marquez seine Schwächen noch ausmerzen kann.
Denn Marc Marquez sagt trotz Sprintsieg klar: "Alex war sehr schnell, Di Giannantonio auch. Für die 30 Runden morgen, wenn ich um den Sieg kämpfen möchte, sage ich es jetzt schon: Wir müssen ein wenig ändern."
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