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Marc Marquez weiß: Das eigene Maximum sinkt mit jeder Verletzung

Wie fühlt es sich an, nach Verletzungen wieder ans Limit zu gehen? Marc Marquez gibt Einblicke und erklärt, warum er seine "100 Prozent" neu definieren muss

Marc Marquez weiß: Das eigene Maximum sinkt mit jeder Verletzung

Marc Marquez hat schon einige schwere Verletzungen hinter sich

Foto: Getty Getty

Im Motorsport wird oft über Geschwindigkeit, Technik und Talent gesprochen, doch selten so offen über die psychologische Dimension wie von Marc Marquez. Der Spanier hat in den vergangenen Jahren eine beispiellose Verletzungsserie durchlebt und dabei körperliche wie auch mentale Grenzen neu definiert.

Im spanischen Podcast "Imagin and Tengo un Plan" berichtet er von einem Gespräch mit Fußballlegende Carlos Puyol, das ihm nachhaltig im Kopf geblieben ist. Puyol habe ihm das Prinzip der "100 Prozent" nach Verletzungen erklärt.

Als junger Athlet gehe man immer ans Limit, doch mit jeder Verletzung sinke dieses Maximum dauerhaft. Marquez stimmt dieser Einschätzung klar zu: "Was Carlos sagt, ist vollkommen richtig." Gleichzeitig macht der 33-Jährige deutlich, wie schwer sich diese 100 Prozent im Motorsport überhaupt greifen lassen.

Auf der Suche nach den neuen 100 Prozent

Insbesondere nach einer Verletzung ist das eigene Leistungsmaximum für Marquez kaum messbar. "Eine der Fragen, die mir die Presse stellt, ist: Wirst du wieder bei 100 Prozent sein? Und meine Antwort ist: Ich weiß gar nicht, was meine 100 Prozent sind", sagt er. Jede Verletzung hinterlasse Spuren, mal mehr, mal weniger.

"Vielleicht sinkt es um drei Prozent, um zehn oder um zwanzig Prozent, aber es sinkt", räumt Marquez ein. Erst Monate später lasse sich einschätzen, wo man wirklich stehe.

Diese Unsicherheit ist jedoch nur ein Teil der Herausforderung. Viel schwieriger sei der mentale Umgang mit bestimmten Streckenabschnitten oder ganzen Rennstrecken. Dabei beeinflussen Erinnerungen - positive wie negative - das Fahrgefühl.

Auch Erinnerungen spielen eine Rolle

Orte großer Erfolge seien von "guter Energie" geprägt, während andere Strecken eine spürbare innere Blockade auslösen können. Ein besonders prägnantes Beispiel ist für Marquez selbst die berühmte Kurve 3 in Jerez, Teil des Circuito de Jerez.

Dort erlitt der amtierende Weltmeister 2020 seinen folgenschweren Sturz, der eine lange Leidenszeit einleitete. Dennoch beschreibt er seine Beziehung zu dieser Stelle überraschend nüchtern: weder klar positiv noch eindeutig negativ. "Ich habe dort sehr gute Erinnerungen und nur eine schlechte", erklärt er.

Trotzdem zeigt sich im Detail, wie tief solche Erlebnisse wirken. Im ersten Training falle es ihm immer noch schwer, diese Passage mit vollem Vertrauen zu durchfahren.

"Am Anfang kostet es mich, dort mit Selbstvertrauen durchzugehen", gibt Marquez zu. Doch mit zunehmender Fahrzeit kehre der gewohnte Fokus zurück: "Dann kommst du wieder in den Konzentrationsmodus, und alles andere verschwindet."

Gerade dieser Prozess unterscheidet große Champions von guten Fahrern: die Fähigkeit, Angst nicht zu verdrängen, sondern sie aktiv zu überwinden. Marquez weiß, dass schon ein Hauch von Zögern entscheidend sein kann. "Wenn du Angst hast, verlierst du dort eine halbe Sekunde", weiß der Ducati-Fahrer.

Seine Aussagen zeigen eindrucksvoll, dass Spitzenleistung im Motorsport weit über physische Fitness hinausgeht. Es ist ein ständiges Austarieren zwischen Körper, Kopf und Erinnerung. Und am Ende steht vielleicht die Erkenntnis, dass "100 Prozent" kein fixer Wert sind, sondern eher ein bewegliches Ziel.

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