Marc Marquez zeigt kaputte Schulter: Das steckt hinter dem Instagram-Foto
Marc Marquez postet ein Foto seiner ramponierten Schulter - Hinter der Aktion steckt eine klare Strategie, wie Insider berichten
Das Foto auf Instagram war ein bewusster Strategiewechsel von Marc Marquez
Foto: Gold Gold
Marc Marquez hat wiederholt betont, dass er nicht mehr über seinen rechten Arm sprechen will. Doch die Veröffentlichung eines Fotos auf Instagram, das seine ramponierte rechte Schulter zeigt, war ein klar beabsichtigter Strategiewechsel.
Wenn sich alle, die regelmäßig mit Marc Marquez zusammenarbeiten, in einem Punkt einig sind, dann darin, dass keine seiner Handlungen dem Zufall überlassen ist. Das gilt für jeden Bereich seines Lebens.
Ganz besonders gilt das für sein öffentliches Image, auf das er großen Wert legt: 2022 gründeten Alex und Marc Marquez mit Jaime Martinez Recasens die Managementfirma Vertical.
Vertical bietet umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Image-, Kommunikations- und Sponsoring-Management sowie Rechts-, Finanz- und Anlageberatung.
Vor diesem Hintergrund liegt der Schluss nahe, dass das Bild, das der Spanier vergangene Woche auf seinem Instagram-Profil veröffentlichte, keiner spontanen Laune entsprang.
Hinter diesem Foto steckte eine klare Absicht, denn schon die Veröffentlichung an sich ließ sich als Widerspruch zu dem auslegen, was Marc Marquez das ganze Jahr über gesagt hatte.
"Ich möchte versuchen, nicht über meinen Arm zu sprechen, denn er ist, wie er ist, und ich muss mit ihm fahren", hatte er bei mehreren Gelegenheiten wiederholt, denn die Medien sprachen ihn ständig aufs Neue auf dieses Thema an.
Der Instagram-Beitrag lief dieser vermeintlichen Absicht, das Thema hinter sich zu lassen, genau entgegen. Und das lässt auf einen bewussten Strategiewechsel schließen.
Silverstone sorgte für Strategiewechsel
Die neue Strategie nahm zwei Wochen zuvor in Silverstone Gestalt an. Denn das Layout der Strecke deckte die körperliche Schwäche von Marc Marquez schonungslos auf.
Der Ducati-Fahrer hatte sich den Großteil der Sommerpause darauf vorbereitet, beim Grand Prix von Großbritannien mit einem möglichst gut erholten Arm anzutreten, nach einer Pause von mehr als drei Wochen.
In der Praxis gestaltete sich das jedoch viel schwieriger als erwartet. Den Sprint am Samstag beendete Marc Marquez fast 14 Sekunden hinter Sieger Jorge Martin (Aprilia) auf dem neunten Platz.
Danach sagte er: "Im Sprint fährt man normalerweise von Anfang bis Ende auf Anschlag, wie im Qualifying. Aus irgendeinem Grund konnte ich das dieses Mal nicht."
Den Grand Prix in Silverstone beendete er als Siebter. Als er anschließend direkt gefragt wurde, ob dieses Ergebnis durch die Einschränkung seines rechten Arms zu erklären sei, wich er bei der Antwort aus.
"Der Grund bin ich selbst. Es ist, wie es ist, und ich muss damit klarkommen. Es ist eine Frage der Ausdauer." Zu diesem Zeitpunkt wollte Marc Marquez seinen Arm nicht als Hauptgrund für seine schwache Leistung benennen.
Der neunmalige Motorrad-Weltmeister hat noch nie eine Ausrede für ein schlechtes Ergebnis vorgebracht. Erst das Inside-Video, das Ducati nach jedem Grand Prix auf YouTube veröffentlicht, brachte die Details zutage.
Erst dann wurde der breiten Öffentlichkeit klar, wie stark eingeschränkt er tatsächlich in Silverstone gefahren war. "Ich war kurz davor zu stürzen, weil ich keine Kontrolle über meinen rechten Arm hatte", sagte Marquez damals den Ingenieuren in der Box.
Warum war er keine Stunde zuvor nicht ebenso deutlich gewesen, als Journalisten ihn direkt danach fragten? "Weil Marc keine Ausreden sucht, schon gar nicht in der Öffentlichkeit", sagt eine Stimme aus dem Umfeld des Ducati-Fahrers.
In Silverstone begann Marquez, seine neue Realität zu akzeptieren, so wie sie ist und bleiben wird. Seine Absicht war stets, jeden Vorwand im Zusammenhang mit seiner körperlichen Verfassung aus der Gleichung zu streichen.
Marc Marquez will transparent sein
Allerdings musste er an jenem Sonntag feststellen, dass der Einfluss dieser Schulter auf seine Leistung künftig so bedeutsam sein wird, dass er sich nicht mehr ignorieren lässt.
"Marc hat akzeptiert, dass man ihn weiterhin nach seinem Arm fragen wird, und er möchte transparent sein. Er möchte, dass die Leute sehen, was er selbst jeden Tag im Spiegel sieht, und sich ein Bild davon machen, wie es tatsächlich um ihn steht."
"Es ist keine Ausrede, es ist seine Realität", präzisiert diese Stimme aus seinem nahen Umfeld. Deswegen veröffentlichte Marc Marquez dieses Foto bei Instagram, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie seine rechte Schulter aussieht.
Auch sein Vertrauensarzt Dr. Samuel Antuna meldete sich in der Öffentlichkeit zu Wort und erklärte im Interview mit El Periodico schonungslos, wie der reale Zustand der rechten Schulter ist.
"Marcs rechter Arm ist in der Kraft stark eingeschränkt, vor allem im Bereich des Bizeps. Ich glaube, der Ausdruck, Marc fahre derzeit mit anderthalb Armen, trifft den aktuellen Zustand seines rechten Arms ziemlich gut."

Sieg in Aragon: Auf Strecken mit mehr Linkskurven ist er weiterhin stark
Foto: Stephen Blackberry/NurPhoto via Getty Images
Der Arzt verwies auf jenen Schock, den Marc Marquez in Großbritannien erlebte, als er feststellte, dass der Verbesserungsspielraum kleiner und langsamer ist, als er selbst prognostiziert hatte.
"Es entwickelt sich weiter, es gibt Verbesserungsspielraum, denn die letzte Operation liegt erst drei Monate zurück, und der Bizeps wird sich weiter verbessern. Aber man erholt sich mit 33 nicht genauso schnell und genauso gut wie mit 22."
"Marc wird es etwas schwerer fallen, sich zu verbessern, aber er ist an Schwierigkeiten gewöhnt. Ihm hat nie jemand etwas geschenkt", sagte sein Vertrauensarzt Dr. Antuna.
Marc Marquez hat bereits klargestellt, dass er sich vollkommen auf diesen zehnten WM-Titel konzentriert, der sein achter in der MotoGP wäre. Sollte es aber nicht klappen, dann wäre es für ihn kein Drama.
"Ich bin bereits mit mir selbst im Reinen, nachdem ich im vergangenen Jahr erneut Weltmeister geworden bin. Ein WM-Titel mehr wird mein Leben nicht verändern", hat er bei mehreren Gelegenheiten gesagt.
Zurück zum Foto seines Arms: Diese Bereitschaft zur Transparenz, von der weiter oben die Rede war, gilt nicht nur für die Fans, sondern auch für seine Rivalen. Jetzt wissen sie, in welcher Verfassung sich Marc Marquez befindet, der vier der letzten sechs Rennen gewonnen hat, darunter drei Doppelsiege, und dabei dem WM-Führenden 66 Punkte abgenommen hat.
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