Marc VDS in der MotoGP: Wie man das Team positioniert

Marc VDS ist seit drei Jahren mit einem eigenen Team in der MotoGP und feierte bereits einen Sieg. Wie man den Rennstall Königsklasse positionieren wil. Ist es das Juniorteam von Honda?

Seit der Saison 2010 engagiert sich Marc VDS mit einem eigenen Team in der Motorrad-Weltmeisterschaft. In der Moto2 zählt der Rennstall zu den absoluten Spitzenteams. Tito Rabat (2014) und Franco Morbidelli (2017) wurden Weltmeister. Seit 2015 ist Marc VDS auch in der MotoGP vertreten. In der ersten Saison war Scott Redding der einzige Fahrer mit einer Honda RC213V. Der Brite eroberte beim Chaos-Rennen in Misano auch den ersten Podestplatz.

Seit 2016 setzt Marc VDS zwei Motorräder ein. Jack Miller hatte einen Fördervertrag von Honda und war der eine Fahrer. Dazu holte man Rabat aus der mittleren Klasse. Miller konnte in den vergangenen beiden Jahren mit dem sensationellen Sieg in Assen (2016) ein Highlight setzen. Ansonsten waren die Ergebnisse beider Fahrer durchwachsen. Erst in der abgelaufenen Saison konnte Miller regelmäßig in die Top 10 fahren.

Da der Fördervertrag von Honda nicht verlängert wurde, wechselt der Australier für 2018 zu Pramac-Ducati. Rabat musste ebenfalls gehen und fand einen Platz bei Avintia-Ducati. Marc VDS musste sich neu aufstellen. Einerseits blieb man der Linie der Nachwuchsförderung treu und setzt auf Moto2-Weltmeister Franco Morbidelli. Als Teamkollege wurde für viele Beobachter überraschend Tom Lüthi engagiert.

Marc VDS will am liebsten gewinnen

Es stellt sich die Frage, wie Marc VDS das Team in der MotoGP platzieren will? Als enges Satellitenteam wie LCR, als Nachwuchsteam von Honda, oder als komplett eigenständige Mannschaft? "Das ist eine gute Frage", antwortet Teammanager Michael Bartholemy, als ihm 'Motorsport.com' diese Frage stellt. "Ich denke, es gibt verschiedene Aspekte für eine Antwort. Mit Sicherheit würden wir am liebsten zwei, drei Rennen gewinnen, so wie es Crutchlow gemacht hat."

"Aber man muss auch die finanziellen Möglichkeiten haben, sich einen Crutchlow leisten zu können. Und die haben wir nicht. Also muss man sich fragen, ob es nicht besser wäre, dass man seine eigenen Fahrer in der Moto2 aufbaut. Das funktioniert schon mal", verweist Bartholemy auf erfolgreiche Moto2-Fahrer aus eigenen Reihen wie Redding, Rabat, Kallio, Morbidelli oder Alex Marquez. "Manchmal funktioniert es nicht, denn jetzt mussten wir mit Tom zum Beispiel einen einkaufen."

Alex Marquez wollte Marc VDS noch ein weiteres Moto2-Jahr ermöglichen. 2018 soll der Spanier um den WM-Titel kämpfen. "Die normale Situation sollte sein, dass wir unsere Moto2-Fahrer, die um Siege und den Titel kämpfen, raufholen", erklärt Bartholemy die prinzipielle Strategie. "Dann hat man zwar nicht Leute mit der Erfahrung eines Crutchlow, aber sie sind vom Preis her etwas billiger und du hast sie selbst aufgebaut."

Job erledigt, wenn Fahrer in ein Werksteam kommt

Die Nachwuchsförderung kann früh beginnen, denn über die Zusammenarbeit mit Estrella Galicia und Emilio Alzamora gibt es von der spanischen Moto3 bis über alle drei WM-Klassen eine klare Struktur für junge Fahrer. "Und nach zwei, drei Jahren MotoGP haben sie vielleicht die Möglichkeit, in einem Werksteam zu fahren", denkt Bartholemy an weitere Möglichkeiten für talentierte Fahrer. "Dann haben wir unsere Leistung erbracht. Wenn wir die Jungs so gut hinbekommen, dass sie irgendwann einmal Werksfahrer sein könnten, dann denke ich, wir haben unseren Job gemacht."

Sollte theoretisch Morbidelli in naher Zukunft zu Repsol-Honda wechseln, dann wäre Marc VDS das Juniorteam von Honda. "Na sicher. Ich denke, die Sache ist so und man muss damit leben", meint Bartholemy. "Man muss damit im Kopf fertig werden, was für viele Leute vielleicht nicht so einfach ist. Aber das ist die Situation eines Satellitenteams, das von einem Werk unterstützt wird. Damit muss man leben."

"Wir hatten die Sache mit Jack. Honda hat bei uns viel Geld investiert, um den Jack aufzubauen. Im Endeffekt denke ich, die Entscheidung, ihn laufen zu lassen, war nicht gut. Aber Honda hat die Zeche gezahlt und darf entscheiden. Damit müssen wir leben. Wenn du an eine neue Saison herangehst, dann muss dir klar sein, dass wenn die Jungs gut sind, dann sind sie irgendwann weg."

Dass Marc VDS zu einem anderen Hersteller wechselt, ist nicht ausgeschlossen, momentan aber nicht spruchreif: "Heute ist Honda die beste Option", hält Bartholemy fest. "Für 2018 hatten wir ein Angebot von einem anderen Hersteller. Aber dieser Hersteller kam nicht so stark infrage wie Honda. Deshalb sind wir bei Honda geblieben. Man weiß nie, was ein anderer Hersteller in der nächsten Zeit mal anbieten wird. Aber momentan muss ich sagen, dass Honda uns immer noch das beste Angebot vom finanziellen Aspekt und vom Material anbietet. Solange sie diese Schiene anbieten, sollten wir mit Honda weiterfahren."

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