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Marini über Honda im Wandel: Es gab veraltete Herangehensweisen

Luca Marini zieht eine Zwischenbilanz seiner Zeit bei Honda und erklärt, warum der japanische Hersteller trotz Fortschritten noch nicht zurück an der MotoGP-Spitze ist

Marini über Honda im Wandel: Es gab veraltete Herangehensweisen

Luca Marini bestreitet 2026 seine dritte Saison im Honda-Werksteam

Foto: Anadolu Anadolu

Luca Marini blickt auf zweieinhalb Jahre Honda zurück+ und zieht trotz aller Schwierigkeiten ein positives Fazit. Der Italiener, der seit 2024 für das Werksteam von Honda fährt, sieht deutliche Fortschritte beim japanischen Hersteller, benennt im Gespräch mit Moto.it. aber auch weiterhin bestehende Schwächen.

"Eigentlich sehr positiv, würde ich sagen", beschreibt Marini seine Zeit bei Honda. Die Aufgabe sei von Beginn an enorm gewesen, doch gerade diese schwierige Phase habe ihn als Fahrer weitergebracht. "Ich habe mich sehr verbessert, weil es eine sehr komplizierte Herausforderung war. Das erste Jahr war extrem schwierig."

Honda befand sich bei Marinis Ankunft 2024 in einer tiefen sportlichen Krise. Die RC213V hatte gegenüber den europäischen Herstellern deutlich an Boden verloren. Der Italiener erinnert sich an eine Phase, in der die Probleme nicht nur technischer Natur waren, sondern auch mit der Arbeitsweise zusammenhingen.

"Honda war noch ein bisschen bei der alten Methode"

Für Marini lag eine der größten Herausforderungen in der Entwicklungskultur des Projekts. Während Hersteller wie Ducati in den vergangenen Jahren mit einem stark datengetriebenen und kontinuierlichen Entwicklungsansatz große Fortschritte gemacht hätten, habe Honda teilweise anders gearbeitet.

"Ich denke, dass der sehr technische Ansatz von Ducati im letzten Jahrzehnt zu einem schnellen und kontinuierlichen Wachstum von Jahr zu Jahr geführt hat", erklärt Marini.

"Als ich angekommen bin, war Honda noch ein bisschen bei der alten Methode: Man hat jedes Jahr ein neues Motorrad gebaut und fast alles vom vorherigen Modell verworfen, anstatt kontinuierlich weiterzuarbeiten und die Hinweise der Fahrer und Ingenieure Schritt für Schritt umzusetzen", erinnert sich der Italiener.

Er beschreibt seine erste Erfahrung mit der RC213V deshalb als eine Konfrontation mit einer "alten Denkweise", nicht nur beim Motorrad selbst, sondern auch bei den grundsätzlichen Entwicklungsprozessen innerhalb der Marke.

Gleichzeitig betont Marini, dass sich seither viel verändert habe. Strukturen wurden ausgebaut und deutlich mehr Ingenieure hinzugezogen. "Als ich angekommen bin, waren wir nur sehr wenige Leute im Team. Jetzt ist die Anzahl der Ingenieure im MotoGP-Projekt stark gestiegen. Das ist wichtig, weil man während eines Rennwochenendes unglaublich viele Dinge kontrollieren und analysieren muss."

Fortschritte nicht nur bei Honda, deshalb kein Aufholen

Die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre bewertet Marini grundsätzlich positiv. In der vergangenen MotoGP-Saison habe Honda nach seiner Einschätzung einen wichtigen Schritt gemacht. "Ab der Mitte der vergangenen Saison waren die Ergebnisse eigentlich immer in den Top 8", sieht der Italiener einen Formanstieg.

Sein Ziel für 2026 sei gewesen, auf dieser Basis den nächsten Schritt Richtung Top-5-Plätze zu machen. Doch genau dieser Sprung blieb aus. Der Grund: Honda verbesserte sich zwar, Ducati und Aprilia entwickelten ihre Motorräder aber ebenfalls weiter.

"Wir sind wieder etwas weiter hinten gestartet, weil Ducati und Aprilia sich ebenfalls verbessert haben", erklärt Marini. Dadurch sei der Abstand nicht kleiner geworden. "Jetzt haben wir uns etwas stabilisiert. Weiter nach vorne als in die Top 10 zu kommen, ist sehr schwierig, weil alle extrem konkurrenzfähig sind."

Auch in der laufenden Saison zeigte sich, dass Honda zwar näher an die Spitze herangerückt ist, aber weiterhin um Anschluss kämpft. Marini betonte etwa nach dem Grand Prix von Austin, dass es angesichts der extrem engen MotoGP-Weltmeisterschaft schwierig sei, dauerhaft mit den besten acht Motorrädern mitzuhalten.

Marini sieht Aerodynamik als größte Baustelle bei Honda

Bei der Frage nach den größten technischen Defiziten der RC213V nennt Marini vor allem einen Bereich: die Aerodynamik. "Als ich angekommen bin, haben wir bei der Aerodynamik praktisch bei null angefangen. Sie war am Motorrad nur angedeutet", erinnert sich der Honda-Pilot. Der große Schritt sei erst 2025 erfolgt, für 2026 habe man die Lösungen zwar weiter verbessert, aber nicht ausreichend.

"Dort sehe ich den größten Spielraum für technische Verbesserungen, denn bei den anderen Bereichen sind wir bereits auf dem Niveau der Konkurrenz", urteilt Marini.

So etwa bei der Elektronik. Hier verfüge Honda über sehr gute Spezialisten. "Man kann viele Dinge machen, aber nichts davon bringt dir direkt mehr Performance. Man kann eigentlich nur Fehler machen. Wenn die Elektronik funktioniert, holst du einfach das maximale Potenzial aus Motorrad und Motor heraus."

Für ihn gehe es deshalb weniger um grundlegende Probleme als um Details. "Unsere Ingenieure sind sehr gut darin, keine Fehler zu machen", sagt Marini. Der entscheidende nächste Schritt müsse aber weiterhin bei der Aerodynamik kommen. Dies ist aus seiner Sicht "definitiv" der wichtigste Entwicklungspunkt.

Rolle des Fahrers: Prioritäten setzen und Entwicklung lenken

Seinen eigenen Beitrag zu Hondas Wiederaufbau sieht Marini vor allem darin, die Entwicklung klarer zu strukturieren. Entscheidend sei nicht nur, als Fahrer Feedback zu geben, sondern den Ingenieuren konkrete Prioritäten zu vermitteln.

"Man muss sehr präzise sein und ihnen weiterhin zeigen, was Priorität hat. Man muss ihnen klarmachen, dass es noch Verbesserungspotenzial gibt", erklärt der Italiener. "Denn wenn man sagt, der Motor sei in Ordnung, rühren sie ihn nicht mehr an."

Marini beschreibt damit auch einen kulturellen Unterschied zwischen europäischen und japanischen Herstellern. Seine Erfahrung mit Ducati sammelte er allerdings im Satellitenteam VR46, weshalb er den Vergleich mit Vorsicht zieht. "Bei einem europäischen Team sagen dir die Ingenieure selbst, was die Prioritäten sind. Sie wissen genau, wo sie ansetzen müssen und was getan werden muss, um besser zu werden."

Trotz der Kritik sieht Marini Honda nicht auf dem falschen Weg. Der Italiener glaubt, dass die Basis mittlerweile deutlich besser ist als noch vor zwei Jahren. Die größte Herausforderung bestehe darin, den Entwicklungsprozess weiter zu beschleunigen und die letzten großen Lücken zur europäischen Konkurrenz zu schließen.

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