Markenoffensive der MotoGP: So soll die Serie weltweit größer werden
Die MotoGP plant den nächsten großen Schritt: mehr Reichweite, stärkere Marke, langfristiges Wachstum - Was sich mit Liberty Media jetzt verändert
Die MotoGP soll unter Liberty Media noch mehr Fans erreichen
Foto: Gresini Gresini
Die MotoGP richtet sich strategisch neu aus, mit einem klaren Fokus auf langfristiges Wachstum statt kurzfristiger Einnahmen. Sportdirektor Carlos Ezpeleta betont nach dem Einstieg von Liberty Media, dass es nun vor allem darum gehe, die globale Reichweite und Markenstärke der Serie auszubauen.
Sein zentrales Leitmotiv: "Wir haben es eilig, die Grundlagen für das langfristige Wachstum der MotoGP zu legen. Wir haben es nicht eilig, den Sport zu monetarisieren."
Bei der spektakulären Saisonpräsentation 2026 in Kuala Lumpur, direkt vor den Petronas Twin Towers, demonstrierte die Königsklasse des Motorradrennsports vor großem Publikum ihre Ambitionen. Trotz Regens ließen sich die Fans das Event nicht entgehen und bekamen die aktuellen Prototypen aller Hersteller zu sehen.
Für die Verantwortlichen war die Veranstaltung mehr als nur eine Show: Sie war ein Signal für den weltweiten Expansionsanspruch. "Das ist unser ultimatives Ziel. Wir wissen, dass es unmöglich ist, aber wir arbeiten darauf hin", erklärt Ezpeleta mit Blick auf die Vision, MotoGP in jedes Zuhause der Welt zu bringen.
Langfristiges Wachstum statt kurzfristiger Erfolg
Der Wechsel in der Eigentümerstruktur markiert dabei einen entscheidenden Wendepunkt. Während die früheren Mehrheitseigner Bridgepoint und der kanadische Pensionsfonds CPPIB vor allem finanzielle Ziele im Blick hatten, verfolgt Liberty Media - auch Eigentümer der Formel 1 - einen langfristigeren Ansatz.
Ezpeleta beschreibt den Unterschied so: "Der strategische Unterschied ist sehr deutlich zwischen dem, was ein Finanzfonds tut - viel kurzfristiger, mit Fokus auf wirtschaftliche Rendite innerhalb von ein bis drei Jahren - und einem Ansatz, der langfristige Entscheidungen trifft." Genau daraus leite sich die neue Marschrichtung für die MotoGP ab: nachhaltiger Markenaufbau vor schneller Kapitalisierung.
Carlos Ezpeleta gehört bereits zu den prägenden Figuren im Hintergrund der Meisterschaft. Der Maschinenbauingenieur aus Madrid soll perspektivisch die Nachfolge seines Vaters Carmelo antreten, der seit 1988 an der Spitze des Promoters steht.
Auch wenn der 79-Jährige weiterhin in die wichtigsten Entscheidungen eingebunden ist, wächst der Einfluss seines Sohnes innerhalb der Entscheidungsstrukturen spürbar.
Die neuen Eigentümer zeigen sich im Fahrerlager bislang nur punktuell. Die Vorstandsmitglieder waren selten vor Ort. Liberty-CEO Derek Chang besuchte bereits verschiedene Rennen, unter anderem den Titelgewinn von Marc Marquez in Japan.
Zudem führte Chang in den Wintermonaten zahlreiche Gespräche mit Führungskräften in Madrid, um ein genaues Bild der internen Abläufe zu gewinnen. Für Ezpeleta ist die Expertise der neuen Partner ein großer Gewinn, insbesondere mit Blick auf deren Erfahrung im kommerziellen Aufschwung der Formel 1.
Ezpeleta: MotoGP als Marke weiter stärken
Entsprechend optimistisch fällt sein Fazit aus: "Die Wachstumszahlen sind sehr positiv, das haben wir am Ende des letzten Jahres gesehen. Aber dass wir Sean Bratches, Chase Carey und Derek Chang mit all ihrer Erfahrung in den Entscheidungsprozess einbeziehen können, ist sehr wertvoll", betont der Sportdirektor.
Gleichzeitig sieht er bei der Außenwirkung weiterhin Luft nach oben. "Worauf liegt der Fokus im Moment? Auf der Marke, der Marke und der Marke. Sie soll weltweit mehr Anhänger gewinnen und ihre Reichweite vergrößern. Wir setzen dafür einen strategischen Wandel um. Wir machen Dinge anders, wie die Präsentation in Kuala Lumpur, die wir im Vorjahr erstmals in Bangkok durchgeführt haben."
Ein weiterer Baustein dieser Strategie ist "MotoGP Forward". Dabei handelt es sich um ein Branchentreffen an diesem Dienstag in Barcelona, zu dem alle Teams und Sponsoren eingeladen sind. Ziel ist es, die Markenidentität weiter zu schärfen und das Gemeinschaftsgefühl im gesamten MotoGP-Ökosystem zu stärken.
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