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Die MotoGP hat enormes Potenzial, doch viele Unterehmen erkennen es noch nicht - Trackhouse-Besitzer Justin Marks fordert mehr Mut, Investition und globale Vision

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2024 übernahm Justin Marks das RNF-Team und machte daraus Trackhouse

Foto: Getty Getty

Justin Marks, eines der bekanntesten Gesichter der NASCAR, befindet sich als Besitzer des Trackhouse-Teams mittlerweile in seiner dritten MotoGP-Saison. Er ist der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, dass der neue Eigentümer Liberty Media stärker eingreift und der MotoGP hilft, weiter zu wachsen.

Denn noch sieht Marks das Maß an Popularität und wirtschaftlichem Potenzial, das die MotoGP erreichen kann, noch längst nicht ausgeschöpft. Motorsport.com, eine Partnerseite von Motorsport-Total.com, hat den Ex-Rennfahrer zum Interview getroffen.

Frage: "Wie hat sich Ihre Wahrnehmung der MotoGP - sowohl als Spektakel als auch als Geschäft - verändert, seit Sie das Team übernommen haben?"

Justin Marks: "Ich würde nicht sagen, dass sie sich stark verändert hat, hauptsächlich weil ich ohne vorgefasste Meinung angekommen bin. Ich bin mit völlig offenem Geist gekommen, bereit, alles von Grund auf zu lernen."

"Was sich verändert hat, ist mein Verständnis für das globale Potenzial der Meisterschaft, wie sie wachsen kann und was die entscheidenden Wachstumstreiber sind."

"Die MotoGP ist ein unglaubliches Spektakel, etwas wirklich Beeindruckendes, wenn man es live vor Ort erlebt. Der Schlüssel liegt darin, es so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen und neue Fans zu gewinnen."

"In den letzten Jahren habe ich mich darauf konzentriert zu verstehen, wie der Sport strukturiert ist, was die Vision der Dorna [jetzt: MotoGP Sports Entertainment Group] ist und wie Liberty Media hineinpasst. Unser Ziel ist es, uns als strategische Partner für das zukünftige Wachstum der Meisterschaft zu positionieren."

Marks sieht ungenutzte Chancen

Frage: "Trackhouse ist das einzige amerikanische Team in der MotoGP. Was braucht die Serie, um den US-Markt schneller und tiefer zu erschließen?"

Marks: "Ich halte mich für einen aggressiven Menschen, wenn ich Chancen sehe. Ich glaube, man muss sie entschlossen verfolgen, ohne Angst vor dem Scheitern zu haben."

"Viele Rennserien waren oft langsam, wenn es darum ging, große Veränderungen vorzunehmen oder Neues auszuprobieren. Wir versuchen, Risikobereitschaft und Investitionen zu fördern. Wenn man eine Chance erkennt, die MotoGP einem neuen Publikum oder einer neuen Region näherzubringen, muss man sie nutzen."

Justin Marks

Marks sieht die MotoGP in einer entscheidenden Phase für Wachstum

Foto: Trackhouse

Frage: "Erwarten Sie, dass sich dieses Wachstum beschleunigt, jetzt wo Liberty Media beteiligt ist?"

Marks: "Ja, ich denke, die Expansion wird sich beschleunigen. Liberty besteht aus sehr klugen Leuten, und sie haben aus gutem Grund viel Geld in die Meisterschaft investiert."

"Sie haben das letzte Jahr damit verbracht, zu beobachten, zu lernen und eine Drei-, Fünf- und Zehnjahresstrategie zu entwickeln. In den nächsten zwölf bis 16 Monaten werden wir sehen, wie sie stärker eingreifen und diesen Wachstumsplan umsetzen."

Frage: "Teams und Hersteller verhandeln derzeit ein neues kommerzielles Abkommen mit der Dorna und Liberty. Wie ist das im Vergleich zur NASCAR?"

Marks: "Es ist tatsächlich sehr ähnlich zu dem, was wir in der NASCAR erlebt haben, als wir dort neu verhandelt haben. Das Wichtigste ist, dass die Beziehung zwischen Teams und Dachorganisation die Zusammenarbeit fördert, um den Sport wachsen zu lassen."

"Es gibt immer Verhandlungen, weil Teams finanzielle Stabilität und langfristige Perspektiven brauchen. Je stärker sie sind, desto mehr Ressourcen können sie einsetzen, um das Wachstum der Meisterschaft zu unterstützen - Marketing, Fahrerpräsenz, Aktivierungen und so weiter."

"Was wir jetzt in der MotoGP erleben, habe ich bereits in der NASCAR erlebt. Es geht darum, langfristige finanzielle Stabilität und Wert für die Teams zu sichern, was letztlich auch der Meisterschaft zugutekommt."

Was der Einstieg von Liberty verändert

Frage: "Dennoch scheint es eine große Lücke zwischen dem zu geben, was die Dorna anbietet, und dem, was die Teams fordern."

Marks: "Die Beteiligung von Liberty bringt ein neues Element ins Spiel - ein globales Medienunternehmen, das versteht, wie man den Wert einer Sportmarke steigert. Das verändert den Kontext."

Frage: "Sind unabhängige Teams unter den aktuellen Bedingungen nachhaltig?"

Marks: "In diesem Bereich gibt es noch Arbeit zu tun. Eine der Herausforderungen ist, dass zu viele Sponsoren speziell an die Motorradindustrie gebunden sind. Die Meisterschaft muss globale Lifestyle- und Technologiemarken anziehen."

"Meiner Ansicht nach ist die MotoGP eine der größten Chancen im gesamten Motorsport: Sie hat eine riesige Fangemeinde, die Rennen sind spektakulär, und die Kosten sind im Vergleich zu anderen Serien wie der Formel 1 oder der Langstrecken-WM relativ niedrig."

"Man muss den Sport so positionieren, dass mehr Unternehmen sein Potenzial als Marketingplattform erkennen. Das wird letztlich die Teams nachhaltig machen."

Frage: "Mehrere Teams haben keinen Titelsponsor, darunter auch Aprilia. Was ist die größte Einschränkung der MotoGP bei der Gewinnung nicht branchenspezifischer Marken?"

Marks: "Vieles hängt mit Bekanntheit zusammen. Wenn wir mit großen Unternehmen über NASCAR oder die Formel 1 sprechen, wissen sie genau, was das ist."

"Bei der MotoGP sagen sie oft: 'Erklär es mir.' Das Problem ist, dass große Konzerne noch immer nicht vollständig verstehen, wie faszinierend und inspirierend dieser Sport ist."

"Es geht darum, im Unternehmensumfeld mehr Bewusstsein zu schaffen. Wir haben bereits Marken wie Red Bull und Monster, aber es gibt noch viel mehr Potenzial. Der Unterschied zur Formel 1 ist, dass Unternehmen mit der MotoGP einfach noch nicht so vertraut sind."

Neue Sponsoren für das Trackhouse-Team

Frage: "Ziehen Sie in Betracht, einen neuen Partner oder Investor für das Team zu gewinnen?"

Marks: "Wir denken immer darüber nach. Es gibt Investmentgruppen und Sportfonds, die für unser Wachstum sehr strategisch sein können."

"Zum Beispiel kann der Verkauf eines Minderheitsanteils an ein Unternehmen, das gut mit globalen Marken vernetzt ist, viele Türen öffnen - Sponsoring, Marketing, globale Expansion. Wenn dadurch ein Mehrwert entsteht, ist das positiv."

Frage: "Stehen Sie kurz vor einem Abschluss?"

Marks: "Wir führen Gespräche. Seit Liberty die Übernahme angekündigt hat, ist das Interesse deutlich gestiegen."

"Wir haben viele Anrufe von Investoren bekommen, die einsteigen wollen. Ich habe nicht die Absicht, das Team zu verkaufen oder die Kontrolle abzugeben, aber wir führen ernsthafte Gespräche mit Gruppen, die uns beim Wachstum helfen können. Sei es durch Sponsoring, Marketing, Markenpositionierung oder Fanbindung."

Frage: "Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Aprilia beschreiben? Haben Sie darüber nachgedacht, Angebote anderer Hersteller anzuhören?"

Marks: "Wir sind sehr zufrieden mit Aprilia. Von Anfang an wollten wir ein echter Werkspartner sein, mit identischem Material und einem Beitrag zu Daten und Entwicklung. Genau das ist diese Partnerschaft."

"Das Motorrad ist konkurrenzfähig, und die Marke hat eine starke langfristige Strategie. Die MotoGP ist für Aprilia und die Piaggio-Gruppe wichtig. Natürlich spricht im Fahrerlager jeder mit jedem. Das ist normal. Aber wir sind zufrieden, wo wir sind. Wir wollen keine Instabilität hineinbringen, denn Stabilität ist entscheidend für Wachstum."

Frage: "Welche Kriterien werden Sie bei der Auswahl Ihrer Fahrer für 2027 priorisieren?"

Marks: "Wir sind mit unseren aktuellen Fahrern zufrieden. Bei der Auswahl gibt es zwei entscheidende Aspekte. Erstens die Leistung: talentierte, gut vorbereitete, fokussierte und engagierte Fahrer. Zweitens die geschäftliche Seite. Wir suchen Profile mit interessanten Geschichten, die bei den Fans Anklang finden."

"Zum Beispiel gefällt es mir, dass wir einen europäischen und einen asiatischen Fahrer haben. Ai Ogura ist der einzige asiatische Fahrer im Feld und hat einen eher ungewöhnlichen Weg in die MotoGP genommen. Das bringt Mehrwert."

"In der NASCAR machen wir es ähnlich. Wir suchen Geschichten, die Menschen ansprechen. Das hilft bei Fanbindung, Sponsoring und Partnerschaften. Es geht also um großartige Athleten, aber auch um Persönlichkeiten mit einzigartigen Geschichten, die ihre Rolle im größeren geschäftlichen Kontext verstehen."

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