Marquez-Jäger stürzen am Sachsenring: So erklären sich Alex und "Diggia"
Beide Marc-Marquez-Herausforderer stürzen - Alex Marquez und Di Giannantonio erklären, was am Sachsenring schiefging - Trotzdem blicken beide positiv voraus
Alex Marquez schrottete das wunderschöne Sonderdesign von 2003
Foto: Mirco Mirco
Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio waren auf dem Sachsenring die größten Herausforderer von "King of the Ring" Marc Marquez. Im Sprint übten sie Druck auf den MotoGP-Superstar aus. Marc Marquez dachte in einem Moment sogar, dass er sich mit Platz zwei hinter seinem Bruder begnügen könnte. Aber schließlich kam es zu keinen Überholmanövern.
Auch für den Grand Prix bahnte sich ein Ducati-Dreikampf um den Sieg an, doch Di Giannantonio versemmelte den Start, verlor zwei Positionen an das Trackhouse-Aprilia-Duo und kam nur als Fünfter aus der ersten Runde zurück.
"Diggias" Rennen dauerte nicht lange. In der vierten Runde stürzte er in Kurve 10. Es war in der ersten Saisonhälfte sein erster Ausfall in einem Grand Prix. "Erster Fehler des Jahres, schade, dass es passiert ist", seufzt der Italiener.
"Aber statistisch musste es irgendwann passieren." Was genau zu dem Sturz führte, konnte sich der VR46-Fahrer unmittelbar nach dem Rennen nicht erklären, denn die Daten gaben keinen eindeutigen Hinweis.
"Was passiert ist, versuchen wir noch zu verstehen, denn wir haben die Daten gesehen, es ist genau eine Fotokopie der Runde davor. Wirklich alles, die Federung, Geschwindigkeit, Schräglage, Gasgriffbewegung."
"Also es ist etwas seltsam, aber weißt du, das ist auch Teil des Spiels. Manchmal stürzt man und weiß gar nicht wirklich, warum. Es ist eine Mischung aus verschiedenen Dingen."
Interessant: Di Giannantonio wechselte für den Rennsonntag auf das neue Aerodynamik-Paket. Allerdings hatte er bereits im Warm-up einen Sturz in Kurve 8 und blieb dabei glücklicherweise unverletzt.
Warum hat er überhaupt die Aerodynamik gewechselt? "Ich habe gesehen, dass Marc und Alex sie benutzt haben, und ich wollte versuchen zu verstehen, warum. Tatsächlich war es im Warm-up ein bisschen besser."
Deshalb blieb Di Giannantonio für den Grand Prix bei diesem neuen Aerodynamik-Paket. Aber ist es nicht ein Risiko, an einem Rennwochenende für den Sonntag die Aerodynamik zu wechseln, die einen Einfluss auf das Fahrverhalten hat?
"Nun, wir hatten am Samstag ein wirklich großartiges Motorrad. Also dachten wir, dass es vielleicht kein großes Glücksspiel ist, es im Warm-up zu versuchen. Wenn wir gedacht hätten, dass es nicht das Richtige ist, hätten wir zurückgehen können."
"Wir hätten immer noch ein potenzielles Podium-Motorrad gehabt. Also waren wir nicht besonders besorgt", erläutert Di Giannantonio. Durch seinen frühen Sturz war Marc Marquez einen potenziellen Herausforderer los.
Alex Marquez spricht von einem kleinen Fehler
Am Ende der neunten Runde stürzte Verfolger Alex Marquez in der Queckenberg-Zielkurve (Kurve 13). Von da an musste Marc Marquez nur noch seinen Vorsprung auf das Trackhouse-Duo verwalten.
"Ich weiß es nicht", rätselt auch Alex Marquez über seinen Sturz. "Ehrlich gesagt, habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Dieser vierte Sektor war im Rennen recht schnell und ich war an diesem Punkt vielleicht zu entspannt oder zu selbstsicher."
"Und da habe ich diesen kleinen Fehler gemacht. Es stimmt, dass das Grip-Level im Rennen etwas niedriger und alles etwas kniffliger war. Ich weiß nicht, ob der Wind dort einen Effekt hatte, aber es war eher ein Fehler."
Hatte Alex Marquez bis dahin das Gefühl, näher an seinem älteren Bruder dran zu sein als im Sprint und größere Chancen zu haben? "Mehr oder weniger. Wir waren mehr oder weniger an demselben Punkt wie am Samstag."
"Er ist recht entspannt gestartet und hat dann Schritt für Schritt seinen Rhythmus aufgebaut. Ich habe für den Vorderreifen etwas Platz gelassen, damit er nicht überhitzt. Ich habe nur versucht zu warten und den Hinterreifen zu schonen."
"Aber vielleicht habe ich an diesen zwei Punkten zu viel Druck auf das Vorderrad gegeben, um die Zeit aufzuholen, die ich an den anderen Stellen verloren habe. Ein kleiner Fehler, aber ziemlich schmerzhaft."
Beide sehen die gute Seite des Gesamtbildes
Trotzdem ist Alex Marquez insgesamt mit seiner Performance im Laufe des Sachsenring-Wochenendes zufrieden. Denn nach seinem schweren Unfall in Barcelona war das wieder ein wichtiger Schritt zurück ins Spitzenfeld.
"Ich bin super glücklich mit dem ganzen Wochenende. Ich bin zurückgekommen und konnte ein normales Wochenende bestreiten. Das letzte, das ich normal absolviert habe, war Montmelo."
"Also auf normale Weise, alle Sessions durchführen, Risiko eingehen, während des gesamten Trainings Rhythmus aufbauen. Darüber bin ich wirklich glücklich. Wir sind zurück auf diesem Geschwindigkeitsniveau."

Im Sprint standen Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio auf dem Podium
Foto: Getty Images Europe
Die Sommerpause kommt für Alex Marquez nun wie gerufen, um komplett fit zu werden. In der WM-Wertung ist der Vizeweltmeister mit 121 Punkten Rückstand auf dem neunten Platz.
Di Giannantonio fiel durch seinen ersten GP-Ausfall in dieser Saison auf WM-Platz fünf zurück. Sein Rückstand hält sich mit 24 Punkten aber weiterhin in Grenzen. Er zählt weiterhin zu den WM-Kandidaten.
Deshalb ist er mit seiner ersten Saisonhälfte insgesamt mehr als zufrieden: "Auf jeden Fall großartig. Wir fahren eine erstaunliche Saison. Viele Podestplätze und viele gute Ergebnisse. Der Speed ist immer da, das ist das Wichtigste."
"Es ist nicht nur ein Funke, wir performen auf jeder Strecke gut. Wenn man also dieses große Bild betrachtet, denke ich, dass wir eine erstaunliche Saison machen. Außerdem sind wir nur 24 Punkte von der WM-Führung entfernt."
"Also denke ich, diese Saison sieht großartig aus, ich genieße jeden Moment sehr. Und in den letzten Rennen habe ich auch gesagt, wow, was für eine Saison! Wir genießen es sehr in der Box, also sehe ich viele, viele positive Dinge."
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