Marquez nennt seine härtesten Gegner und warnt vor Acosta & Co.
Marc Marquez blickt auf die größten Gegner in seiner Karriere zurück und spricht offen über Valentino Rossi, Jorge Lorenzo und die Jagd nach Rekorden
Marc Marquez bestreitet bereits sein 14. Jahr in der Königsklasse
Foto: Getty Getty
Marc Marquez weiß, dass seine Zeit an der Spitze nicht ewig dauern wird. Während der Ducati-Star weiter an den Rekorden der MotoGP-Legenden arbeitet, richtet er den Blick bereits auf die Fahrer, die ihn eines Tages ablösen könnten.
Im Interview mit der Gazzetta dello Sport spricht der neunmalige Weltmeister über Valentino Rossi und Jorge Lorenzo, den unausweichlichen Generationenwechsel und erklärt, warum ihn ein möglicher Nachfolger nicht beunruhigt.
Rossi oder Lorenzo? Marquez nennt stärkste Gegner
Auf die Frage, wer der stärkste Fahrer gewesen sei, gegen den er jemals angetreten ist, fällt Marquez' Antwort differenziert aus. Für ihn hängt sie stark vom jeweiligen Zeitpunkt ab.
"Auf diese Frage gibt es mehr als eine Antwort. Als ich in die Weltmeisterschaft kam, war Jorge Lorenzo der Stärkste, weil er damals der Beste war", erinnert er sich. Gleichzeitig macht Marquez deutlich, dass die Gesamtbetrachtung anders ausfällt. Denn auch Valentino Rossi gehörte damals noch zur Spitze der MotoGP.
"Auf der Strecke war aber auch Valentino. Und insgesamt - das sagen die Zahlen - war er besser als Lorenzo", konstatiert der Spanier. Damit ordnet Marquez die beiden klar ein: Während Lorenzo aus seiner Sicht beim Einstieg in die Königsklasse den sportlichen Maßstab setzte, spricht die historische Bilanz für Rossi.
Der Italiener gewann neun Weltmeistertitel und feierte 115 Grand-Prix-Siege über alle Klassen hinweg. In der Königsklasse hält er mit 76 Erfolgen weiterhin den Rekord.
Marquez wiederum steht inzwischen bei 73 Siegen in der MotoGP und insgesamt 101 Grand-Prix-Erfolgen. Damit fehlen ihm nur noch wenige Siege auf Rossi und auch, um den legendären Giacomo Agostini (122 Grand-Prix-Siege) einzuholen.
Rekorde haben für Marquez an Bedeutung verloren
Doch die Jagd nach Bestmarken treibt den Ducati-Piloten nach eigener Aussage längst nicht mehr so an wie früher. "Nein. Oder besser gesagt: Hättest du mich das vor fünf Jahren gefragt, hätte ich ganz klar Ja gesagt. Damals hätte ich gesagt, dass ich versuche, sie einzuholen", sagt er über mögliche weitere Rekorde.
Die schweren Jahre nach seiner Oberarmverletzung im Jahr 2020 hätten seine Sichtweise grundlegend verändert. Nach mehreren Operationen, langen Rehabilitationsphasen und Zweifeln an einer Rückkehr an die Spitze sei es für ihn heute bereits ein Geschenk, überhaupt noch auf diesem Niveau Rennen fahren zu können.
"Nach allem, was ich zwischen 2020 und 2023 erlebt habe, ist es für mich ein Geschenk, überhaupt hier zu sein. Deshalb macht es keinen Sinn, über solche Rekorde nachzudenken."
Für ihn sei es eine Ehre, seinen Namen überhaupt in den Rekordlisten neben Agostini und Rossi zu sehen. "Aber ob ich einen Titel mehr oder weniger habe, wird mein Leben nicht mehr verändern", zeigt sich der amtierende Weltmeister entspannt.
Den entscheidenden Wendepunkt sieht er im vergangenen Jahr: "Ich habe in Motegi meinen Frieden mit mir selbst gefunden, als ich mir bewiesen habe, dass ich noch gewinnen kann." Damals machte er seinen neunten Titel vorzeitig komplett.
Sein größter Wunsch sei gewesen, die Karriere nicht mit den Folgen seines übereilten Comebackversuchs nach dem Jerez-Unfall 2020 zu beenden. "Ich habe wieder gewonnen, und jetzt geht es mir gut", betont der Spanier. Daran würden auch ein zehnter Weltmeistertitel oder weitere Rekorde nichts grundlegend ändern.
Acosta als neuer Teamkollege: "Hoffe, dass er mich fordert"
Auf die Aussicht angesprochen, künftig gemeinsam mit Pedro Acosta für Ducati anzutreten, zeigt sich Marquez gelassen. Acosta hatte erklärt, von dem Spanier möglichst viel lernen zu wollen. Marquez erwartet allerdings keine Schonfrist.
"Das hoffe ich. Denn das wäre das Natürlichste überhaupt. Niemand ist unbesiegbar", sagt er. Sollte ihn Acosta tatsächlich schlagen, wäre das ihn kein außergewöhnliches Ereignis.
"Wenn er mich besiegt, ist das nichts anderes als das, was jedem passiert: Irgendwann kommt ein Jüngerer und macht es besser als du. Aber darüber sprechen wir erst im nächsten Winter." Damit unterstreicht Marquez, dass der Generationswechsel im Motorsport unausweichlich ist, und dass er ihn weder fürchtet noch verdrängt.
Nicht nur Acosta: Marquez sieht mehrere Nachfolger
Auf die direkte Nachfrage, ob Pedro Acosta der Fahrer sei, der ihn eines Tages vom Thron stoßen werde, schmeißt Marquez gleich mehrere Namen in den Ring: "Es sind zwei oder drei. Da ist auch Fermin Aldeguer, der im Moment praktisch noch mit nur einem Bein fährt. Dazu kommen David Alonso und Maximo Quiles."
Vor allem Acosta und Aldeguer gelten schon heute als zentrale Figuren der nächsten MotoGP-Generation. David Alonso steht als Moto2-Pilot vor einem Aufstieg, während Maximo Quiles in der Moto3 als eines der größten spanischen Talente gilt.
Marquez macht damit klar, dass die Zukunft der MotoGP nicht an einem einzigen Fahrer hängt, sondern von einer ganzen Welle junger Ausnahmetalente geprägt werden könnte.
Seine Botschaft ist eindeutig: Auch wenn Marquez weiterhin um Siege und Titel kämpft, weiß der neunmalige Weltmeister, dass irgendwann eine neue Fahrergeneration unweigerlich übernehmen wird. Und wenn dieser Moment eintritt, will der Spanier ihn als natürlichen Lauf des Spitzensports akzeptieren.
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