Marquez vor Mugello-Comeback: "Die Schulter braucht noch Zeit"
Marc Marquez kehrt nach seiner OP in Mugello zurück, allerdings noch körperlich eingeschränkt - Dabei spricht er auch über den schweren Sturz seines Bruders Alex
Marc Marquez will nach einem verpassten Rennwochenende wieder zusteigen
Foto: NurPhoto NurPhoto
Nach seiner Fußverletzung im Sprint von Le Mans und anschließender OP meldet sich Marc Marquez zum Grand Prix von Italien in Mugello zurück. Der Weltmeister hatte zuletzt Barcelona ausgelassen. Nun wagt er das Comeback, allerdings mit klaren Einschränkungen und ebenso klarer Selbsteinschätzung.
Schon vor dem ersten Training macht Marquez nämlich deutlich, dass es für ihn an diesem Wochenende vor allem ums Durchkommen geht, nicht um maximale Performance.
Auf die Frage, ob er das komplette Wochenende bestreiten könne, antwortet er selbstbewusst, aber realistisch: "Ja, natürlich. Wenn ich hier bin, dann weil ich glaube, dass ich das ganze Wochenende beenden kann. Aber nicht mit maximaler Intensität."
Marquez: Fuß kein Problem, Schulter braucht Zeit
Der Spanier beschreibt seinen körperlichen Zustand differenziert. Während der Fuß für ihn kaum eine Rolle spielt, liegt der Fokus klar auf seiner rechten Schulter, die bei dem Eingriff ebenfalls operiert wurde, und das zum wiederholten Male.
"Der Fuß ist mir egal. Das ist nur eine Kleinigkeit, nichts, das mich wirklich einschränkt", hält Marquez fest. "Aber die rechte Schulter braucht Zeit. Denn diese Schraube [die bei der Operation erfolgreich entfernt wurde] drückte auf den Nerv, und der Nerv beeinflusst einige Muskeln. Das braucht einfach Zeit."
Die medizinische Entscheidung für das Comeback sei dennoch bewusst gefallen. Gemeinsam mit den Ärzten habe man den Zeitpunkt als sinnvoll bewertet: "Wir haben analysiert, dass jetzt der richtige Moment ist, wieder auf das Motorrad zu steigen und meine Entwicklung fortzusetzen, aber mit der richtigen Einstellung."
Damit meint er seine Herangehensweise für Mugello: "Racing ist Racing. Es kann immer ein Sturz passieren, dieses Risiko ist immer da. Ich werde versuchen, mich Schritt für Schritt an die unterschiedlichen Gefühle auf dem Bike anzupassen."
Operation gestaltete sich schwieriger als erwartet
Zur Operation selbst liefert Marquez detaillierte Einblicke. Die Eingriffe seien umfangreicher gewesen als zunächst geplant. Ursprünglich wollte man nur eine Schraube entfernen, doch während des Eingriffs stellte sich ein größerer Schaden heraus.
"Ich hätte mir eine kleine OP gewünscht", sagt er offen. "Aber sie haben zwei Schrauben und ein Stück Knochen entfernt. Sie mussten die Stelle komplett öffnen." Wichtig sei jedoch gewesen, dass die Muskulatur selbst weitgehend verschont blieb: "Sie haben die Muskeln nicht beschädigt, sie wurden nur gedehnt."
Deshalb sei seine Verfassung "nicht perfekt", doch auch die MotoGP-Ärzte an der Strecke gaben ihm das Go. Allerdings soll er nach dem ersten Training erneut untersucht werden.
Sorge um Alex Marquez nach Barcelona-Crash
Neben der eigenen Verletzung beschäftigt Marquez vor allem ein weiterer Moment aus der jüngsten Vergangenheit: der schwere Sturz seines Bruders Alex Marquez beim Grand Prix von Katalonien. "Die erste Woche von Alex war hart", erzählt er rückblickend.
Er habe seinen Bruder persönlich vom Flughafen abgeholt und nach Hause gebracht. Doch nur zwei Stunden später der Schock: "Seine Freundin rief mich an und sagte: 'Bitte, deinem Bruder geht es super schlecht, wir müssen etwas unternehmen.'" Darauf verbrachte Alex Marquez noch zwei weitere Tage in der Klinik.
Marc Marquez blieb besonders der Moment des Unfalls im Kopf: "Als ich die Bilder zu Hause gesehen habe, war ich wie eingefroren. Ich habe die ganze Situation beobachtet, und wir kennen ja das Risiko. Aber wenn es jemand aus der Familie ist oder ein Fahrer, dem man sehr nahe steht, ist die Auswirkung noch größer."
Der Sonntag des Rennwochenendes in Barcelona sei auch für ihn entsprechend schwer gewesen, vor allem mental. "Ich habe ehrlich gesagt sehr gelitten, weil ich weiß, dass bei solchen Stürzen der Schaden manchmal erst später kommt", so Marquez.
Er erinnert daran, dass nicht nur sein Bruder, sondern auch Johann Zarco an diesem Tag Glück im Unglück hatte. Sein Appell fällt daher unmissverständlich aus: "Das war einer dieser Momente, die uns allen zeigen müssen, dass wir Menschen sind. Wir sind Fahrer, wir kämpfen, aber das Leben steht an erster Stelle."
Kritik am Rennkalender und Terminstress
In dem Zusammenhang äußert sich Marquez auch ganz grundsätzlich zur Belastung im modernen MotoGP-Kalender. Die hohe Dichte an Rennen und Verpflichtungen sieht der Spanier kritisch: "Risiko ist immer da. Aber mit diesen Motorrädern mit 44 Stars im Feld ist es nicht die beste Art, das Risiko zu minimieren."
Zwar verstehe er den Show-Aspekt des Sports. "Aber die Fahrer, die die Show überhaupt erst möglich machen, gehen ein sehr hohes Risiko ein", warnt der Weltmeister.
Besonders die Startphase eines Rennens sieht er als kritischen Moment: "Normalerweise passieren alle gefährlichen Situationen in der ersten Runde, wenn das Feld noch eng beisammen ist." Und bei so vielen Starts im Jahr potenziert sich auch das Risiko.
Daneben spielt die wachsende Belastung abseits der Strecke eine immer größere Rolle. Marquez beschreibt einen zunehmend dichten Alltag aus Medien, Events und Verpflichtungen: "Wir haben 2026. Wir sind mehr gefordert als je zuvor, nicht nur beim Fahren, sondern auch bei Events, Social Media und allem drumherum."
Eine strukturelle Änderung hält er jedoch nur für möglich, wenn die Fahrer geschlossen auftreten: "Das wird sich nicht ändern, wenn wir nicht zusammenstehen. Also mal sehen. Aber ich versuche immer, meinen Zeitplan richtig anzupassen. Denn das ist eines der wichtigsten Dinge, wenn man das Risiko minimieren will."
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