"Meine Kinder fahren keine Rennen": Aleix Espargaro sieht zu hohes Risiko

Aleix Espargaro gefällt die gefährliche Tendenz in Nachwuchsklassen nicht - Der Aprilia-Fahrer hat Ideen und Vorschläge, wie man das Risiko verringern könnte

"Meine Kinder fahren keine Rennen": Aleix Espargaro sieht zu hohes Risiko

Aprilia wird beim Grand Prix der USA nur durch Aleix Espargaro vertreten sein. Maverick Vinales hat sich nach dem tragischen Unfalltod seines Cousins Dean Berta Vinales dazu entschieden, dieses Rennen auszulassen. Aprilia hat auch nicht Lorenzo Savadori als Ersatzfahrer nachnominiert.

In einer Instagram-Story bedankte sich Maverick Vinales für das Verständnis seitens Aprilia: "Ich wollte eigentlich für meinen kleinen Cousin fahren, aber die Emotionen sind sehr stark. Das macht es sehr schwierig, fokussiert zu bleiben. Ich danke euch allen."

Auch im Fahrerlager des Circuit of The Americas waren die Geschehnisse beim Supersport-300-Rennen vergangenes Wochenende in Jerez ein Thema. Die Entscheidung von Maverick Vinales können seine Fahrerkollegen nachvollziehen.

"Wir verstehen und respektieren die Entscheidung von Maverick", sagt Aleix Espargaro über seinen Teamkollegen und Freund. "Ich habe auch vollsten Respekt vor der Entscheidung Aprilias." Espargaro und Vinales standen in den vergangenen Tagen auch in Kontakt.

Spätestens seit dem Unfall von Dean Berta Vinales wird die Diskussion um die Sicherheit im Motorradrennsport und speziell in den Nachwuchsrennserien immer lauter. Das war auch am Donnerstag in Austin das große Gesprächsthema.

Motorradrennen ein riskanter Sport

Espargaro ließ in einem Interview mit der 'AS' mit der Aussage aufhorchen, dass er seine Kinder nicht im Rennsport sehen will. Die Zwillinge Max und Mia kamen 2018 zur Welt. "Ich habe das aber nicht wegen dieser Unfälle in den vergangenen sechs Monaten gesagt", präzisiert der Spanier.

 

"Dieser Sport ist ein Risikosport. Ich musste in meiner Karriere schon viel leiden. Ich habe auch einen Bruder hier und war auch schon wegen ihm oft im Krankenhaus. Ich wurde gefragt, was ich mir für meine Kinder wünsche."

"Und ich habe geantwortet, dass ich nicht möchte, dass sie Rennen fahren und auch keinen anderen Risikosport betreiben. Als Vater will ich sie so gut wie möglich beschützen. Motorradfahren ist ein Sport mit hohem Risiko. Hoffentlich spielen sie Tennis."

In den Nachwuchsserien muss sich etwas ändern

In den vergangenen Tagen hat sich Espargaro viele Gedanken darüber gemacht, was man in den Nachwuchsrennserien verändern könnte, um es sicherer zu machen. Darüber will er mit den Entscheidungsträgern von FIM und Dorna sprechen.

"Es muss sich natürlich etwas ändern. Wir müssen darüber nachdenken. Das große Problem ist die Tendenz, wo sich das alles hin entwickelt. Das bereitet mir Sorgen", spricht Espargaro große Starterfelder und große Gruppenrennen wie in der Moto3 oder Supersport-300-Klasse an.

Pedro Acosta

In der Moto3 können sich kaum Fahrer vom großen Feld absetzen

Foto: Motorsport Images

"Sie haben nicht viel Motorleistung, aber die Motorräder haben viel Stabilität. Mit solchen Motorrädern ist es nicht schwer, schnell zu sein. Das sieht man in der Moto3. Pedro Acosta ist viel talentierter als alle anderen, aber er kann ihnen nie davonfahren. Das ist ein klares Beispiel."

"Das Alter ist natürlich ein Thema. Das Problem ist, dass es nicht sein kann, dass Zwölfjährige mit Maschinen, die fast wie eine Moto3 sind, auf einer großen Strecke wie Barcelona fahren. Wir müssen uns die verschiedenen Serien anschauen."

Espargaro spricht sich für mehr Zeit auf MiniGP-Bikes aus

"Die Schule ist mit Minibikes auf Kartstrecken sehr gut. Vielleicht sollten sie länger dort bleiben, wo der Speed nicht so hoch ist. Wenn zwei Fahrer einen Unfall haben, passiert praktisch nichts. Früher waren Minibikes sehr populär. Jetzt will jeder auf großen Strecken fahren."

"Ich glaube, die Kids lernen mit Minibikes auf Kartstrecken das Gleiche oder sogar mehr", glaubt Espargaro. Das wurde von FIM und Dorna bereits erkannt. 2020 gab es die erste MiniGP World Series, die in verschiedenen Ländern national ausgetragen wird.

In den MiniGP-Serien wird weltweit mit der Ohvale GP-0 160 gefahren.

In den MiniGP-Serien wird weltweit mit der Ohvale GP-0 160 gefahren

Foto: Michael Jurtin-BG

Es gibt standardisierte Regeln, alle fahren mit den gleichen Minibikes und werden von einem professionellen Umfeld betreut. Ab 2022 wird es auch in Österreich eine MiniGP-Serie geben. Die Gefahr besteht dann beim nächsten Schritt auf Moto3-ähnliche Motorräder.

"Man kann im Training etwas tun, um das Feld auseinanderzuziehen", ist Espargaro überzeugt. "Für die Rennen kann man viel mit der Elektronik machen, was wir derzeit nicht tun. Man kann Technologie nutzen, dass Motorräder gestoppt werden, wenn ein Unfall passiert."

Aber der Aprilia-Fahrer nennt noch ein anderes, "simpleres" Beispiel: "Wir benutzen einen Airbag. Das ist in der Moto2-Europameisterschaft und der Moto3-Juniorenweltmeisterschaft nicht der Fall. Das gefällt mir überhaupt nicht. Ich habe eine lange Liste. Hoffentlich kann ich ihnen etwas helfen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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