Mick Doohan verrät, was er an der MotoGP von heute nicht mag
Ducati wirft Fragen auf, Aprilia überrascht: Mick Doohan analysiert die aktuellen Kräfteverhältnisse in der MotoGP und verrät, welche Fahrer ihn beeindrucken
Ducati ist gegenüber Aprilia in den ersten Rennen ins Hintertreffen geraten
Foto: AFP
War Ducati in den vergangenen Jahren die klare Referenz in der MotoGP, zeichnet der Start in dies Saison 2026 ein anderes Bild. Insbesondere scheint dem einstigen Branchenprimus zumindest nach jetzigem Stand den Rang abgelaufen zu haben.
Dabei wirft Entwicklung bei Ducati für viele Fragen auf, darunter auch für Fünfach-Weltmeister Mick Doohan. "Was ich nicht verstehe, ist Ducati. Ich bin mir nicht sicher, ob Aprilia einen großen Schritt gemacht hat oder Ducati zurückgefallen ist. Wenn Ducati zurückgefallen ist - warum?", sagt er im Gespräch mit Marca.
Besonders auffällig sei für ihn die Performance der Satellitenteams. "Es sieht so aus, als würden die Motorräder des VR46-Teams besser funktionieren als die des Werksteams", erklärt Doohan. Daraus ergibt sich für ihn eine zentrale Frage: "Wer hat die Entwicklung angeführt, und sind sie in die richtige Richtung gegangen?"
Moderne MotoGP: Begeisterung trotz Kritik
Antworten darauf wird es erst im Laufe der Saison geben. Diese verfolgt Doohan, der 1999 sein letztes Rennjahr bestritt, genau. "Ich liebe MotoGP immer noch", stellt er klar. Jede Generation bringe Veränderungen mit sich, doch der Kern bleibe gleich: "Am Ende gibt es immer zwei oder drei Fahrer, die gewinnen können."
Kritischer sieht er die technische Entwicklung, vor allem die Aerodynamik."Das ist das Einzige, was ich wirklich hinterfrage - ob wir sie überhaupt brauchen", sagt er. Die Rennen seien dadurch komplizierter geworden, Überholmanöver schwieriger.
Früher hätten Fahrer wie Marc Marquez oder Valentino Rossi auch von weiter hinten im Feld noch gewinnen können. "Heute ist das deutlich schwieriger", so Doohan.
Neue Generation: Welche Fahrer herausstechen
Einen direkten Vergleich mit seiner eigenen Zeit lehnt der Australier ab. "Ich denke nicht darüber nach, ob jemand der neue Mick Doohan ist", sagt er. Jeder Fahrer sei einzigartig. Dennoch zeigt er sich beeindruckt von mehreren aktuellen Piloten.
"Bezzecchi macht einen unglaublichen Job mit der Aprilia", sagt er über Marco Bezzecchi. Auch Jorge Martin lobt er: "Ich mag ihn. Er ist bodenständig und extrem schnell."
Honda-Werkspilot Luca Marini habe ihn überrascht. "Er hat mich wirklich beeindruckt", vor allem nach dem schwierigen Wechsel zu Honda. Und auch Francesco Bagnaia verteidigt er: "Er hat unglaubliches Talent, daran gibt es keinen Zweifel."
Titelkampf: Doohan drückt Martin die Daumen
Für die laufende Saison bleibt Doohan vorsichtig. "Es ist noch zu früh, um über den Titel zu sprechen", meint er. Erst die Europa-Rennen würden ein klares Bild liefern.
Für Jorge Martin sieht er dennoch gute Chancen. "Ich hoffe, dass er um den Titel kämpfen kann." Gleichzeitig fügt er mit einem Lächeln hinzu: "Alles läuft gut für ihn - außer, dass er seine Jubelrunde noch üben muss." Denn nach dem Sprintsieg in Austin verpatzte Martin ausrechnet sein Feier-Wheelie und stürzte.
Auch mit Blick auf den Fahrermarkt für 2027 bleibt Doohan zurückhaltend. Spekulationen über ein mögliches Ducati-Duo mit Pedro Acosta und Marc Marquez kommentiert er vorsichtig, betont aber grundsätzlich: "Will Ducati nicht die besten Fahrer haben?"
"Es wird für beide schwierig werden. Beide sind Spanier und wahnsinnig talentiert. Marc wird nicht mehr jünger, und da ist dieser junge Kerl, der Erfahrung sammelt, schnell ist und den Älteren, also Marc, schlagen will. Genauso will Marc nicht vom Jungen geschlagen werden", analysiert Doohan das potenzielle Gefüge.
Doch am Ende bleibt für ihn eine Konstante des Motorsports bestehen: "Um zu gewinnen, musst du alle schlagen, auch deinen Teamkollegen." Ganz egal, um wen sich dabei handelt.
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