Morbidelli im Werksteam: "Für nächstes Jahr ist das Ziel, alle zu schlagen"

Franco Morbidelli ist zurück, nimmt den Wechsel ins Yamaha-Werksteam als Anlass für einen Scherz, betrachtet ihn aber auch als verdient - Angriff auf WM-Titel 2022

Morbidelli im Werksteam: "Für nächstes Jahr ist das Ziel, alle zu schlagen"

Franco Morbidelli ist zurück im MotoGP-Fahrerlager. Nach fünf verpassten Grands Prix infolge seiner Operation am linken Knie (Kreuzband und Meniskus) gibt der Italiener an diesem Wochenende beim Grand Prix von San Marino in Misano sein Comeback. Aber damit nicht genug.

Das Comeback ist für Morbidelli der Einstand im Yamaha-Werksteam. In diesem wurde er am Donnerstagmittag offiziell als neuer Teamkollege für Fabio Quartararo bestätigt. Gleichzeitig hat Yamaha bestätigt, dass Andrea Dovizioso beginnend mit diesem Wochenende den bisherigen Stammplatz von Morbidelli im Satellitenteam (derzeit noch Petronas) übernimmt.

Während Dovizioso im Yamaha-Satellitenteam einen Vertrag bis Ende 2022 unterzeichnet hat und dort in der neuen Saison ein dann aktuelles Werksmotorrad zur Verfügung haben wird, ist Morbidellis Vertrag im Yamaha-Werksteam gar bis Ende 2023 unterzeichnet worden. (Stimmen der Beteiligten zu beiden Vertragsabschlüssen)

Morbidelli scherzt angesichts der Vinales-Situation

Möglich wurden die Veränderungen im Yamaha-Aufgebot durch die Kontroverse(n) um Maverick Vinales und dessen vorzeitigen Abschied aus dem Werksteam. Dieser Abschied wurde vollzogen, während sich Morbidelli von seiner Knieoperation erholte. Als Morbidelli am Donnerstag in Misano darauf angesprochen wird, antwortet er mit einem Grinsen: "Ich kann euch [im MotoGP-Fahrerlager] nicht mal eine Minute allein lassen, ohne dass ihr gleich alles durcheinander bringt."

"Ich kann euch nicht mal eine Minute allein lassen, ohne dass ihr gleich alles durcheinander bringt." - Franco Morbidelli

In aller Ernsthaftigkeit fügt Morbidelli wenig später hinzu, dass sein Aufstieg ins Werksteam und damit endlich die Gelegenheit, eine aktuelle Yamaha M1 zu fahren, seiner Ansicht nach absolut gerechtfertigt sind: "Ich habe einfach das Gefühl, dass ich das verdient habe. Es ist aber nicht so, dass mir Yamaha etwas schuldig gewesen wäre. Ich denke einfach, ich habe mir das verdient."

Zur Erinnerung: Die MotoGP-Saison 2020 schloss Morbidelli mit einer ein Jahr alten M1 nach drei Siegen als Vizeweltmeister ab. Zu Beginn der Saison 2021, als sein Bike bereits zwei Jahre alt war, schaffte er es in Jerez noch einmal auf das Podium. Eine M1 der aktuellen Spezifikation wurde ihm für die Zukunft auch im Petronas-Team in Aussicht gestellt. Dazu gekommen ist es dort für ihn aber nie (Ausnahme 2019). Ungeachtet dessen geht man im Guten auseinander, denn menschlich hat sich Morbidelli bei Petronas pudelwohl gefühlt.

 

"Ich muss meinem bisherigen Team danken. Ich hatte zweieinhalb wunderbare Jahre in diesem Team und gemeinsam haben wir großartige Dinge erreicht. Es ist das Team, in dem ich mein wahres Potenzial auf der Strecke zeigen konnte. Dafür bin ich allen dankbar", sagt Morbidelli, dessen MotoGP-Karriere in der Saison 2018 bei Marc-VDS-Honda begann. Ein Jahr später wechselte er zu Petronas-Yamaha, wo er bis Ende 2020 Quartararo als Teamkollege hatte.

Mit Quartararo wieder vereint - Trennung von Forcada steht fest

Jetzt also sind Morbidelli und Quartararo wieder Teamkollegen, aber im Werksteam. "Toll, dass wir jetzt wieder zusammenarbeiten. Ich kann es kaum erwarten, mit der Arbeit zu beginnen. In diesen Farben wird das richtig Spaß machen", bemerkt der neue Yamaha-Werkspilot, der mindestens bis zum Ende der aktuellen Saison Silvano Galbusera als Crewchief hat.

Ramon Forcada

Crewchief Ramon Forcada bleibt auch 2022 im Satellitenteam (derzeit noch Petronas)

Foto: Motorsport Images

Im Petronas-Team arbeitete Morbidelli zweieinhalb Jahre lang mit Ramon Forcada. Dass der erfahrene Crewchief dem Fahrer im Winter ins Werksteam folgt, ist inzwischen aber keine Option mehr. Denn wie Andrea Dovizioso am Donnerstag in Misano verraten hat, wird Forcada im Satellitenteam nicht nur fünf Rennen lang, sondern auch in der Saison 2022 mit ihm zusammenarbeiten.

Keine Erwartungen mehr für 2021 - Angriff auf den WM-Titel 2022

Was Morbidelli und seinen Wechsel ins Werksteam betrifft, so sieht er zumindest für die verbleibenden Rennen der laufenden Saison von übergroßen Erwartungen ab. Vielmehr steht für ihn im Vordergrund, nach der langen Auszeit wieder in den Rhythmus des Fahrens zu kommen. "In der WM spiele ich in diesem Jahr ohnehin keinerlei Rolle. Ich komme ja gerade erst zurück. Für nächstes Jahr ist das Ziel natürlich schon, alle zu schlagen, auch Fabio. Aber nächstes Jahr ist nächstes Jahr", sagt Morbidelli.

Fabio Quartararo, Franco Morbidelli

Morbidelli ist Fabio Quartararo ins Werksteam gefolgt - wer setzt sich 2022 durch?

Foto: Motorsport Images

"In diesem Jahr", so der neue Yamaha-Werkspilot weiter, "kann es für mich nur darum gehen, meine Form wiederzufinden und wieder auf Tempo zu kommen. Es ist toll, wieder dabei zu sein. Die Pause kam mir sehr lang vor, aber ich habe alles daran gesetzt, hier in Misano zurückzukehren. Schließlich habe ich großartige Erinnerungen an diese Strecke."

Im September 2020 erzielte Morbidelli eben in Misano seinen ersten MotoGP-Sieg. Jetzt, ein Jahr später, gibt er an gleicher Stelle sein Comeback. Dass er aufgrund seiner Knieoperation insgesamt fünf Grands Prix verpassen würde, hatte Morbidelli so eigentlich nicht eingeplant gehabt, als er sich Ende Juni unter das Messer begab. "Das war mein Fehler. Ich war anfangs einfach ein bisschen zu optimistisch", gesteht mit Blick auf das Timing für seine Rückkehr.

"Die Verletzung an sich war eigentlich keine ungewöhnliche", spricht Morbidelli auf den Meniskus und das Kreuzband an und sagt: "Das Schwierigste war, die Beweglichkeit im Knie wiederzuerlangen. Es fällt mir noch immer schwer, das Knie zu beugen. Wie es beim Fahren sein wird, werden wir sehen. Schmerzmittel habe ich nicht vor, zu mir zu nehmen. Aber wir müssen abwarten. Vielleicht brauche ich ja doch etwas."

Mit Bildmaterial von GP-Fever.de.

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