Moto3-Verhältnisse in der MotoGP: Vinales und Morbidelli bestraft

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Moto3-Verhältnisse in der MotoGP: Vinales und Morbidelli bestraft
Autor: Sebastian Fränzschky
Co-Autor: Jamie Klein
22.09.2018, 17:37

KTM bezeichnet das Verhalten von Maverick Vinales und Franco Morbidelli als "Schweinerei" – Jorge Lorenzo fordert Strafen, wenn Fahrer auf der Strecke bummeln

Franco Morbidelli, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Alvaro Bautista, Angel Nieto Team, Marc Marquez, Repsol Honda Team, Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing, Karel Abraham, Angel Nieto Team
Franco Morbidelli, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Cal Crutchlow, Team LCR Honda, Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Franco Morbidelli, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Franco Morbidelli, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS

Beim MotoGP-Rennwochenende in Aragon kam es sowohl im Q1 als auch im Q2 zu Moto3-ähnlichen Szenen. Fahrer warteten auf ihre Gegner, um sich zu besseren Rundenzeiten ziehen zu lassen. Selbst Valentino Rossi wollte diese Strategie nutzen, um es ins Q2 zu schaffen. Auf der langen Gegengeraden brachte Windschatten große Vorteile. Doch durch die Warterei wurde die Sicherheit der Fahrer aufs Spiel gesetzt.

Im Q1 kam KTM-Pilot Bradley Smith mit hohem Tempo angeflogen, als er auf eine Gruppe bummelnder Fahrer auflief. Der Brite konnte Maverick Vinales und Franco Morbidelli geradeso ausweichen. "Sie haben mein Q1 ruiniert", ärgert sich Smith.

"Ich bin ein bisschen enttäuscht, denn es standen viele erfahrene Fahrer im Weg. Ich fuhr 350 km/h und sie waren nicht schneller als mit 150 km/h unterwegs. Ich wusste nicht, wohin sie fahren. Auf den TV-Bildern sah es nicht so wild aus, doch bei diesen Geschwindigkeiten war es alles andere als entspannt. Ich musste auf den Randstein fahren, um Morbidelli auszuweichen. Danach musste ich innen an Maverick vorbeifahren", schildert Smith und betont: "Ich bin enttäuscht."

Der Brite wurde durch den Zwischenfall um den Einzug ins Q2 gebracht. Vinales und Morbidelli erhielten Strafen. "Sie wären verrückt, wenn es dafür keine Strafen gibt", reagiert Smith. "Bradley leistet momentan sehr gute Arbeit und kratzt an den Spitzenpositionen", kommentiert KTM-Motorsportchef Pit Beirer im Gespräch mit 'Eurosport'. "Und dann kommt er mit 350 km/h angeballert und die anderen Fahrer fahren da einfach spazieren, als hätten sie einen Kaffee dabei. Es ist eigentlich eine Schweinerei. Es ist nicht das, was man in der Liga hier erwartet."

Für Vinales geht es in der Startaufstellung um drei Positionen nach hinten. Morbidelli muss sogar sechs Positionen nach hinten rücken. Vinales' gibt sich wortkarg: "Ich sah, dass ich vermutlich Bradley behinderte. Regeln sind Regeln. Es ist, wie es ist", so der Spanier.

Auch im Q2 warten die Fahrer auf Zugpferde

Nach dem gefährlichen Zwischenfall im Q1 bummelten auch im Q2 einige Fahrer, um sich ihre Zugpferde auszuwählen. "Im Q2 sah man es erneut. Doch im Q2 fuhren die langsamen Fahrer auf die linke Seite. Ich sah nicht viele Fahrer, die in der Bremszone warteten", vergleicht Smith. "Es ist frustrierend, wenn Fahrer auf die linke Seite ziehen, doch es ist Teil des Sports. Die MotoGP ist hart umkämpft, so dass Fahrer ihre Gegner nutzen, um hinter ihnen schnelle Runden zu fahren. In der MotoGP sieht man es nicht so oft, doch es zeigt, wie wichtig es hier in Aragon ist.

Der Sturz von Cal Crutchlow war eine Folge des Durcheinanders. Doch der Brite wollte die anderen Fahrer nicht für den Abflug verantwortlich machen: "Ich nehme die Schuld auf mich. Ich kam über die Kuppe und Vinales war mitten auf der Strecke. Marc (Marquez) gab die gleichen Kommentare von sich. Er musste eine weite Linie wählen, um Vinales auszuweichen. Er sah ihn, bevor ich ihn sah. Dani war nah an mir dran, als ich über die Kuppe kam. Alles was ich sah war ein blaues Motorrad. Ich drückte das Motorrad schnell in die Kurve und wollte so zeitig wie möglich einlenken. Dabei verlor ich das Vorderrad."

"Dovi wollte nicht, dass Marc ihm hinterherfährt. Und Marc wollte nicht, dass sich Dovi hinten dranhängt. Iannone wollte Dovi oder Marc folgen, Petrucci wollte Dovi oder Marc folgen. Lorenzo sah ich nicht. Ich denke, er fuhr seine Zeit alleine. Rins, Petrucci, Bautista – diese Fahrer können ihre Zeiten nicht alleine fahren und müssen jemandem hinterherfahren. Ich fahre meine Rundenzeiten gern für mich alleine. Wenn man einem Fahrer folgt, dann schaut man auf ihn und nicht auf sich selbst", erklärt Crutchlow.

Sollte es härtere Strafen geben?

Für das Bummeln sprach die Rennleitung keine Strafen aus. "Ich glaube nicht, dass es zu gefährlich war", bemerkt Crutchlow. "Niemand machte verrückte Sachen. Ich denke also nicht, dass jemand bestraft wird."

Honda-Markenkollege Marquez hat eine ähnliche Meinung: "Die schnellen Fahrer versuchen, eine freie Runde zu bekommen. Im Verkehr versuchen die langsameren Fahrer, den schnelleren Fahrern zu folgen, weil es dann einfacher ist. Wenn man das vermeiden möchte, muss man sie Strategie des Qualifyings ändern", kommentiert der Spanier. "Das Gute an der MotoGP ist, dass die Reifen auskühlen, wenn man zu sehr bummelt. Und dann kann man keine gute Zeit mehr fahren."
Und auch Ducati-Pilot Andrea Dovizioso möchte nicht, dass es weitere Strafen gibt: "Es ist an der Grenze, was heute passierte, doch man sollte niemanden dafür bestrafen", so der Vizeweltmeister. "Ich hätte gern eine freie Runde gehabt, doch das war nicht möglich, weil jeder Tempo herausnahm."
Ducati-Teamkollege Jorge Lorenzo hat eine andere Sichtweise: "Meiner Meinung nach sollten sie die Fahrer bestrafen, die auf der Strecke warten, weil wir in der MotoGP mit größeren Maschinen fahren und theoretisch die besten Fahrer haben. Sie haben mehr Erfahrung und sind älter."

"Meiner Meinung nach sollten die anderen Fahrer nicht warten, um sich zu besseren Rundenzeiten ziehen zu lassen. Doch heute war es im Qualifying wie in der Moto3 oder bei der Tour de France. Meiner Meinung nach sollte das in der MotoGP nicht so sein. Auch in der Moto3 sollte es nicht so sein, doch erst recht nicht in der MotoGP", betont Lorenzo.

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