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Motocross mit 300 km/h: Streckenzustand in Austin ein "Desaster"

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Motocross mit 300 km/h: Streckenzustand in Austin ein
Autor: Heiko Stritzke
Co-Autor: Oriol Puigdemont
21.04.2018, 08:42

Der Circuit of the Americas hat sich in eine Buckelpiste verwandelt, dazu kam extrem viel Staub - Die Fahrer üben heftigste Kritik an der Rennstrecke in Austin

In nur etwas mehr als fünf Jahren hat sich der Circuit of the Americas in Texas von einem aalglatten Tilkodrom in einen Buckel-Alptraum verwandelt, der einem die Plomben aus den Zähnen haut. Zumindest, wenn man den MotoGP-Fahrern Glauben schenken darf. "So eine Strecke ist mir nicht einmal in einer nationalen Meisterschaft untergekommen!", flucht Danilo Petrucci. "Das war am Vormittag so staubig wie bei mir auf der Ranch", fügt Valentino Rossi hinzu. "Die Sandkörner sind wie Gewehrkugeln", konstatiert Jack Miller. "Inakzeptabel", findet Aleix Espargaro.

Was ist hier passiert? Wie es aussieht, haben die Streckenbesitzer einen fatalen Fehler begangen. Nach den Beschwerden der Fahrer im Vorjahr sollte die Strecke in Teilen geglättet werden, dabei kam eine Technologie namens "Diamond Grinding" zum Einsatz. Dabei wird die oberste Asphaltschicht mittels Diamanten abgeschliffen und anschließend eine neue, glatte Asphaltschicht aufgetragen. Allem Anschein nach ist man aber nicht tief genug gegangen.

Sprungschanzen statt Bodenwellen

"Das ist noch schlimmer als im Vorjahr", lautet die einhellige Meinung im MotoGP-Starterfeld. Mehrfach war das Wort "Motocross-Strecke" zu vernehmen. "Das sind keine Bodenwellen, das sind Sprungschanzen", klagt Maverick Vinales. "Vielleicht haben sie eine andere Strecke geschliffen", ätzt Petrucci. "Stürze aufgrund von Bodenwellen dürften zuletzt in der Zeit von Agostini und Hailwood vorgekommen sein."

 

Scheinbar liegt das Problem nicht nur in der oberen Asphaltschicht. "Sie haben das ganze nur verschlimmbessert, das war wirklich schlechte Arbeit", kritisiert Cal Crutchlow. Vielleicht aber liegt es gar nicht an den Arbeiten selbst, sondern es kam einfach nur die falsche Technik zum Einsatz. "Da tut sich etwas unter der Asphaltdecke", glaubt Marc Marquez. "Es sieht so aus, als würde sich die Strecke bewegen. Das sind jedenfalls keine normalen Bodenwellen mehr, da bewegt sich etwas unter der Erde…"

Maverick Vinales ist ebenfalls überzeugt, dass die falsche Methodik zum Einsatz kam: "Vielleicht gab es voriges Jahr ein paar Bodenwellen mehr, aber die waren nicht so aggressiv." Und Scott Redding sieht ein zusätzliches Problem durch das Diamond Grinding: "Sie haben versucht, die Bodenwellen abzuschleifen, aber sie haben den Asphalt bloß poliert und die Bodenwellen sind immer noch vorhanden. Aber weil sie ihn poliert haben, ist es jetzt auch noch extrem rutschig."

Muss die Strecke komplett renoviert werden?

Es konnten also nur Bodenwellen im Anfangsstadium ausgebügelt werden. Das Problem scheint allerdings wesentlich tiefer zu sitzen. Das wären schlechte Nachrichten für die Streckenbesitzer, denn diese müssten dann die Strecke bereits nach sechs Jahren grundhaft sanieren. Sicher ist: Wenn die MotoGP sich beschwert, wird es auch die Formel 1 tun. Die MotoGP-Piloten haben die Sicherheitskommission jedenfalls schon benachrichtigt. Muss tatsächlich die ganze Strecke neu gemacht werden, könnte der COTA, der der öffentlichen Hand ohnehin schon auf der Tasche liegt, zu einem Fass ohne Boden werden.

 

Wo es am schlimmsten ist? "Überall", lacht Petrucci. Die meisten Fahrer sind sich jedoch einig: Die Gegengerade ist das Problem. Das ist problematisch, weil sich am Ende eine brutal harte Bremszone befindet. Und die Bodenwellen ziehen sich bis in diese hinein. Bei über 300 km/h bewegt sich das Motorrad dadurch in alle Richtungen. Unangenehm für den Fahrer, eine Katastrophe für die Elektronik, die eigentlich auf Babypopo-Strecken ausgelegt ist. Miller: "Vorder- und Hinterrad sind ständig in der Luft. Traktionskontrolle und Anti-Wheelie-Kontrolle drehen durch. Das Motorrad setzt ständig aus. Das geht einem richtig auf den Sack."

Weitere kritische Punkte: Die schnelle Kurve 2 mit einer Bodenwelle mitten im Scheitelpunkt bei über 50 Grad Schräglage. "Auch in Kurve 10 gibt es große Bodenwellen", kommentiert Valentino Rossi den Linksknick vor der Spitzkehre am nördlichen Ende der Strecke. "Die schlimmsten Bodenwellen sind in Kurve 18 vor den letzten beiden Linkskurven. Das ist wie Motocross." Auch hier handelt es sich wieder um eine schnelle Kurve - die Vierfach-Rechts, die an die berühmte Kurve 8 der mittlerweile in einen Parkplatz umgewandelten Strecke aus Istanbul angelehnt ist.

 

Zusätzliche Schwierigkeiten durch Staub

Für dieses Wochenende lässt sich daran nichts mehr ändern. Doch es ist nicht der einzige Kritikpunkt, den die Fahrer hatten. Vor allem im ersten Freien Training mussten die Zuschauer einmal genauer hinsehen, ob es nicht nass war. Doch es war trocken und was aufgewirbelt wurde, waren Unmengen von Sand. "Da liegt ja mehr Sand als in Katar", staunt Scott Redding. Katar ist ein gutes Stichwort: "Wir mussten unseren speziellen Luftfilter von dort wieder einbauen", sagt Jack Miller.

 

Den Australier traf es mit am schlimmsten, weil er allergisch gegen Sand ist: "Ich musste bereits Augentropfen verwenden. Das ist einfach lächerlich, was sich da auf der Gegengeraden abgespielt hat. Ich war deshalb bereits in der Clinica (Mobile). Als ich hinter Dovi fuhr, wurde ich regelrecht gesandstrahlt. Da sind regelrechte Steine durch die Gegend geflogen. Die verwandeln sich bei 300 km/h in Geschosse."

Zumindest wurde dieses Problem im zweiten Training besser. Da zudem für den Samstag Regenschauer angesagt sind, könnte sich das Problem von selbst lösen. Wobei auch dann Vorsicht angebracht wäre, weil Staub sich mit Wasser zu Matsch verbinden würde. Womit man gleich wieder beim Motocross wäre…

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Artikel-Info

Rennserie MotoGP
Event Austin
Subevent Training, Freitag
Ort Circuit of the Americas
Urheber Heiko Stritzke
Artikelsorte Reaktion