MotoGP-Analyse von Valentino Rossi: Aprilia ist nicht besser als Ducati
Aprilia feiert Siege, doch Valentino Rossi widerspricht dem Eindruck einer klaren Dominanz - Ducati sei keineswegs unterlegen - Die Gründe liegen im Detail
Francesco Bagnaia und Marco Bezzecchi duellierten sich in Barcelona
Foto: Mirco Mirco
Die MotoGP-Saison 2026 wird bislang vom Duell Aprilia gegen Ducati bestimmt. Aprilia hat vier der ersten sechs Grands Prix gewonnen, Ducati lediglich zwei. Die Ducati-Alleinherrschaft der vergangenen Jahre ist zu Ende.
Nachdem Aprilia-Fahrer Marco Bezzecchi bei den ersten drei Grands Prix Start-Ziel-Siege holte und dabei jeweils alle Rennrunden anführte, musste er sich in Jerez Alex Marquez auf der Gresini-Ducati geschlagen geben.
Zuletzt gewann Fabio Di Giannantonio mit der VR46-Ducati das turbulente Rennen in Barcelona, das zweimal unterbrochen werden musste. In der Weltmeisterschaft führt Aprilia derzeit alle drei Wertungen an.
Nach Einschätzung von MotoGP-Legende Valentino Rossi ist das Duell Aprilia gegen Ducati eines auf Augenhöhe. Er erkennt keinen klaren Vorteil für die eine oder andere italienische Marke.
"Ich denke nicht", sagt Rossi gegenüber Sky Italien, "dass die Aprilia besser ist als die Ducati. In dem Sinne: Es ist ein etwas anderes Motorrad, manchmal kann es sogar ein kleines bisschen besser funktionieren."
"Aber ich denke auch, dass ihre beiden Fahrer wirklich sehr gut drauf sind, vor allem Bezzecchi, weil er dieses Motorrad im vergangenen Jahr enorm weiterentwickelt hat. Er fühlt, dass es sein Motorrad ist. Er hat es sich auf den Leib geschneidert."
"Dann ist Martin nachgezogen. Insgesamt sind sie ein sehr starkes Duo", so Rossi. Deshalb belegen Bezzecchi und Jorge Martin in der Fahrer-WM die ersten beiden Plätze. Als WM-Dritter folgt Di Giannantonio.
Die Ducati-Fahrer hatten auch Pech
Der dritte Platz von Francesco Bagnaia in Barcelona war der erste Podestplatz für das Ducati-Werksteam in diesem Jahr. Saisonübergreifend musste das rote Team zehn Grands Prix lang auf ein Podium warten.
Rossi glaubt aber, dass das Werksteam unter Wert geblieben ist: "Die Topfahrer von Ducati hatten ein paar Probleme und etwas Pech: Einerseits Marc Marquez mit seinem Arm."
"'Pecco' hat zwar gutes Potenzial gezeigt, konnte es aber fast nie in Ergebnisse umsetzen. Aber ich denke nicht, dass Ducati unterlegen ist. Meiner Meinung nach ist es ein konkurrenzfähiges Motorrad, das gewinnen kann."

Valentino Rossi durfte sich in Barcelona über einen Sieg seines Teams freuen
Foto: Getty Images Europe
"'Pecco' hat etwas sehr Interessantes gesagt, nämlich dass diese Ducati GP26 verstanden werden muss, weil sie anders ist", sagt Rossi. "Das hat 'Diggia' sofort gezeigt, ebenso Alex Marquez in den letzten Rennen."
"Ich denke, 'Pecco' wird auch dorthin kommen. Sie müssen sie nur richtig abstimmen, denn es ist ein sehr konkurrenzfähiges Motorrad, das gewinnen kann." Di Giannantonio und das VR46-Team konnten dieses Potenzial bisher umsetzen.
Es ist jedoch ein schwieriger Kampf gegen Aprilia. Rossi ist der Meinung, dass das Pendel schon im Laufe der vergangenen Saison umgeschlagen ist und Ducati den Vorsprung verloren hat.
"Im vergangenen Jahr waren die Ducatis bis zur Saisonmitte den anderen wirklich überlegen. Dann aber, ab einem gewissen Punkt, vor allem in der zweiten Saisonhälfte, sind die anderen sehr nahe herangekommen."
"Für uns, die wir mit Ducati fahren, war es am Anfang vielleicht schöner, aber für die Meisterschaft ist das eine sehr gute Sache. Denn all diese unterschiedlichen Motorräder im direkten Kampf zu sehen, ist deutlich spannender", freut sich Rossi über den engen Konkurrenzkampf.
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