MotoGP in Großbritannien: Was gegen Donington gesprochen hat

Die MotoGP bleibt in den nächsten Jahren in Silverstone. Was gegen Donington gesprochen hat und warum nicht alle mit der Entscheidung zufrieden sind.

Als der erste Entwurf des MotoGP-Kalenders für die Saison 2018 herausgegeben wurde, gab es neben dem 26. August ein Fragezeichen. Fest stand, dass an diesem Wochenende der Grand Prix von Großbritannien ausgetragen wird. Allerdings war lange offen, ob weiter in Silverstone gefahren wird, oder ob man zurück nach Donington kehrt. Erst beim Finale in Valencia wurde die Entscheidung verkündet, dass Silverstone auch 2018, 2019 und 2020 der Austragungsort sein wird.

Für Silverstone sprach die Kontinuität, denn der Grand Prix wird seit 2010 im "Home of British Motor Racing" gefahren. In der vergangenen Saison pilgerten an den drei Tagen 128.400 Fans (56.008 am Sonntag) nach Silverstone. Auf der permanenten Rennstrecke ist die komplette Infrastruktur vorhanden und auch durch die Formel 1 auf modernstem Stand. Nach dem Debakel rund um den Circuit of Wales, der wohl nie gebaut wird, war Silverstone für MotoGP-Promoter Dorna eine sichere Wahl.

Der Donington Park gehört auf der anderen Seite der MSV-Gruppe und wird von Promotor MotorSport-Vision-Racing (MSVR) betreut. Neben Donington kümmert sich diese Organisation auch um die Kultrennstrecken Brands Hatch, Oulton Park, Snetterton, Cadwell Park und Bedford Autodrome. Außerdem ist MSVR Promoter und Veranstalter der Britischen Superbike-Meisterschaft (BSB).

Donington hätte Strecke neu asphaltieren müssen

Zum letzten Mal gastierte die Motorrad-WM 2009 im Donington Park. Neben der BSB fährt aktuell auf dieser Strecke die Superbike-WM. Und trotz der herausragenden Erfolge der britischen Fahrer Jonathan Rea, Chaz Davies und Tom Sykes ist der Zuschauerzuspruch gering. Lediglich 37.039 Fans pilgerten am letzten Mai-Wochenende an allen drei Tagen zusammengerechnet nach Donington. Um wieder den Grand Prix zu bekommen, hätte MSVR Geld in die Infrastruktur investieren müssen.

Eine der Auflagen wäre ein neuer Asphalt gewesen. "Silverstone hat alle Einrichtungen bereit, wie zum Beispiel permanente Tribünen, die wir so nicht haben", wird Donington-Streckenchef Stuart Higgs von 'Bikesportnews.com' zitiert. "Deshalb respektieren wir die Entscheidung der Dorna. Trotzdem haben wir eine fantastische Strecke. Wir arbeiten an den Einrichtungen für die Zuschauer und am Paddock. Für die zukünftigen Jahre bleibt unser Interesse bestehen." Donington könnte sich für die Jahre nach 2020 wieder ins Gespräch bringen.

Crutchlow wäre lieber nach Donington gewechselt

Dass die Entscheidung für Silverstone gefallen ist, können nicht alle verstehen. "Ich persönlich bin enttäuscht", räumt Cal Crutchlow ein. "Warum gehen wir nicht nach Donington? Ich glaube, die anderen Jungs mögen Donington auch. Ich habe bereits mit Jonathan Palmer und Suart Higgs gesprochen, aber offensichtlich hat es nicht geklappt. Ich habe nichts gegen Silverstone, aber eine Veränderung wäre schön gewesen. Das ist meine persönliche Meinung."

Eine Frage ist, ob Donington für die aktuellen MotoGP-Bikes zu schmal ist? "Ich glaube nicht", hält Crutchlow dagegen. "Als sie das letzte Mal dort waren, waren die Motorräder aggressiver als jetzt. Vielleicht könnten wir jetzt mehr attackieren als damals, aber ich weiß, dass sie darüber gesprochen haben, die Streckenbegrenzung zurückzuversetzen. Ich weiß nicht, warum sie den Deal nicht bekommen haben. Ich glaube nicht, dass die Strecke zu eng ist. Wenn man über Mauern spricht, dann ist es kein Vergleich mit Motegi. Ich bin jahrelang in Donington gefahren. Mir gefällt die Strecke und ich wäre gerne dorthin zurückgekehrt."

Aber es gibt auch andere Meinungen. So ist KTM-Fahrer Bradley Smith zufrieden mit dem Verbleib in Silverstone: "Es ist nur eine halbe Stunde von meiner Heimatstadt entfernt. Die Strecke passt auch sehr gut zu MotoGP-Bikes. Es ist eine der wenigen Strecken, auf der man wirklich die volle Power eines MotoGP-Motorrades testen kann. Die Strecke ist breit, schnell, flüssig. Das macht es für einen Racer aufregend. Außerdem sind die Rennen in allen Klassen immer spannend. Auch aus Sicherheitsaspekten ist es sehr wichtig. Generell bin ich mit dieser Entscheidung sehr zufrieden. Die nächsten drei Rennen werden in Silverstone sehr gut sein."

Smith kennt auch den Donington Park aus seiner Zeit in der 125er-Klasse. Crutchlow fuhr dort in der Britischen Superbike-Meisterschaft. In Silverstone konnte Crutchlow in der Superbike-WM beide Rennen 2010 gewinnen. Ein Höhepunkt in seiner Karriere ist der zweite Platz im MotoGP-Rennen 2016. "Ich fahre in Silverstone richtig gut und werde auch von den Fans gut empfangen. Ich hatte dort schon tolle Ergebnisse. Egal wo wir in Großbritannien fahren, ich werde immer 100 Prozent geben", zeigt sich Crutchlow auch Silverstone gegenüber nicht abgeneigt.

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