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MotoGP Jerez: Warum Wiesen-Fahrt von Marc Marquez straffrei bleibt

Marc Marquez fuhr nach seinem Sturz über die Wiese in die Boxengasse - Das Fahrerlager diskutierte heftig - Das MotoGP-Reglement sieht keinen Verstoß

MotoGP Jerez: Darum blieb Wiesen-Manöver von Marc Marquez straffrei

Marc Marquez stürzte zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle

Foto: AFP

Marc Marquez hat ein turbulentes Flag-to-Flag-Rennen beim Sprint in Jerez gewonnen. Die entscheidende Szene ereignete sich am Ende der siebten Runde. Der Ducati-Fahrer rutschte auf Platz zwei hinter seinem Bruder Alex liegend in der Zielkurve aus.

Daraufhin wartete Marquez, bis die restlichen Fahrer vorbeigefahren waren, und kreuzte anschließend die Strecke, um zur Boxengasse zu gelangen. Dabei fuhr er über die Wiese, die die normale Einfahrt zur Boxengasse von der Strecke trennt.

Es war der genau richtige Zeitpunkt für den Wechsel auf das zweite Motorrad mit Regenreifen, wie sich später herausstellte. Ohne diesen Sturz hätte Marc Marquez den Flag-to-Flag-Wechsel nicht in dieser Runde vorgenommen.

Dass Marquez nach seinem Sturz über die Wiese gefahren war, war anschließend das große Gesprächsthema im MotoGP-Fahrerlager. War dieses Manöver legal? Hat er dadurch einen Vorteil erhalten? Sollte er dafür eine Strafe erhalten?

"Wenn er keine Strafe bekommt", sagt Johann Zarco bei Canal+, "ist das ehrlich gesagt sehr seltsam. Hinterher wird man sagen, dass er das Reglement besser kennt als jeder andere, aber das glaube ich nicht, er hat einfach nur enorm viel Glück."

"Für mich darf er das Rennen also nicht gewinnen, aber wir werden die Entscheidung der Stewards abwarten. Er hat es gewagt, dieses Risiko einzugehen, sonst wäre er auch eine Runde zu spät an die Box gekommen."

"Er wäre dann vielleicht ein bisschen schneller gewesen als die anderen, aber ohne den Sieg zu holen. Denn um zu gewinnen oder sicher auf dem Podium zu landen, musste man eine Runde früher an die Box kommen."

"Ich persönlich denke, dass er dieses Rennen nicht gewinnen darf, weil seine Entscheidung schon feststand: 'Ich fahre vielleicht in der nächsten Runde an die Box'. Er stürzt: 'Sieh mal einer an, ich fahre an die Box.'"

Was Marc Marquez dazu sagt

Marquez wurde nach dem Sprint gefragt, was er den Leuten entgegenhält, die eine Strafe für sein Manöver fordern. "Also, ich weiß es nicht, lest die Regeln, ich weiß es nicht", lautet seine Antwort.

"Ich meine, natürlich sagen die Rennkommissare, dass es nichts zu beanstanden gibt, wenn man keine Zeit gewinnt, keine gefährliche Situation erzeugt und keine Kurve über den Serviceweg abschneidet, zum Beispiel."

"Ich weiß nur, dass man das Motorrad nicht auf der Strecke starten darf und keine gefährliche Situation erzeugen darf, wenn man wieder losfährt. Also habe ich einfach dort gewartet, bin wieder auf die Strecke gefahren und an die Box gefahren."

Was im Reglement steht

Im Reglement heißt es, dass es beim Verlassen der Strecke - zum Beispiel bei Tracklimits oder wenn man eine Schikane abkürzt - nur dann eine Strafe gibt, wenn man dadurch einen Vorteil erhalten hat.

Die Einfahrt in die Boxengasse ist nicht explizit geregelt. In den Anweisungen der Rennleitung für die Jerez-Strecke steht dazu nur, dass man die durchgezogene weiße Linie innen bei der Einfahrt zur Boxengasse nicht überfahren darf.

Der Wiesenstreifen befindet sich rechts davon, also hat diese weiße Linie nichts mit dem Fall Marquez zu tun. Im Reglement gibt es einen Abschnitt, der die Vorschriften bei einem Flag-to-Flag-Wechsel behandelt.

Darin heißt es bezüglich der Einfahrt zur Boxengasse: "Der Fahrer muss mit seinem Motorrad in die Boxengasse einfahren und dabei den festgelegten Zeitmesspunkt an der Boxeneinfahrt überqueren, um den Motorradwechsel durchzuführen."

Diese Linie, ab der auch die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h in der Boxengasse gilt, befindet sich am Anfang der Boxengasse. Die Einfahrt in Jerez, ein Linksbogen auf der Innenseite der Zielkurve, hat damit nichts zu tun.

Marquez ist laut Reglement korrekt in die Boxengasse hineingefahren und hat sich durch die Fahrt über die Wiese keinen Zeitvorteil verschafft. Dass er abgewartet hat, bis alle vorbei waren, war laut Reglement ebenfalls ein korrektes Verhalten.

Deshalb wurde für diese Situation auch keine Untersuchung eingeleitet. Auch im Samstagsreport der Rennkommissare wurde die Situation von Marquez nicht mit einem Wort erwähnt.

Der Tenor der meisten Fahrer war, dass es Aufgabe von Chef-Rennkommissar Simon Crafar sei, die Situation zu bewerten. Crafar traf sich am späten Nachmittag außerdem mit Zarco, um mit dem Franzosen darüber zu sprechen.

Fabio Quartararo meint: "Ich hätte unter diesen Bedingungen das Gleiche getan wie Marc. Es lohnt sich also." Mit dem Sprint-Sieg verbesserte sich Marquez auf WM-Platz vier und hat nur noch 24 Punkte Rückstand auf Marco Bezzecchi.

Der Aprilia-Fahrer sah nach einem Sturz nicht die Zielflagge. Schon der Start lief beim WM-Führenden nicht optimal, denn ein Abreißvisier hatte sich unter den Reifen verfangen, wodurch Bezzecchi keine gute Beschleunigung hatte.

Dass Marquez mit Glück gewonnen hat, will der Italiener nicht gelten lassen: "Am Ende war er besser als wir. So ist das eben. Ich glaube nicht an Glück oder Pech. Er hat einen Fehler gemacht, aber er war clever und hat sich ziemlich gut wieder gefangen. Also kein Glück."

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