MotoGP-Kolumne von Randy Mamola: Ist Rossi schlecht, richtig schlecht?

In seiner neuen Kolumne für Motorsport.com stellt MotoGP-Experte Randy Mamola die Frage, ob Valentino Rossi angesichts der Testfahrten, bei denen er klar hinter Yamaha-Teamkollege Maverick Vinales zurücklag, vor einer Seuchensaison steht.

Stellt sich nach den Wintertestfahrten in Vorbereitung auf die MotoGP-Saison 2017 vor allem die Frage, ob sich im Kampf um den WM-Titel Marc Marquez (Honda) oder Maverick Vinales (Yamaha) durchsetzen wird, so gibt es da auch noch die Frage, wie sich Valentino Rossi nach einem äußerst durchwachsenen Winter schlagen wird.

Um eine erste Antwort auf die Rossi-Frage zu bekommen, müssen wir das Saisonauftaktrennen, den Grand Prix von Katar am kommenden Sonntag, abwarten. Doch analysieren wir bis dahin schon mal ein paar Fakten, die klar auf der Hand liegen.

Zunächst einmal war die Art und Weise, wie Vinales bei Yamaha eingeschlagen hat, ein Schock für Rossi. Die über Jahre hinweg vorhandene Anspannung aufgrund des schwierigen Verhältnisses zu Teamkollege Jorge Lorenzo hatte sich für Rossi gerade gelöst, da Lorenzo du Ducati abgewandert ist.

Wenn Vinales aber so weiterfährt wie er es bei den Wintertestfahrten getan hat, dann wird die Anspannung in der Yamaha-Box mit Sicherheit zurückkehren.

Bildergalerie: Valentno Rossi bei den MotoGP-Wintertests 2017

Rossi ist ein erfahrener Spieler in diesem Geschäft, der in der Vergangenheit schon bewiesen hat, dass er alle Tricks kennt. Daher stellt sich die Frage, ob die von ihm im Winter gezeigte Schwäche echt ist oder ob wir vom Italiener eines besseren belehrt werden, sobald die Saison begonnen hat.

Die Bestätigung steht noch aus, aber wenn für mich eine Sache klar ist, dann die, dass Vinales in dieser Saison eine gewaltige Rolle spielen wird. Das könnte Einfluss haben auf seinen Teamkollegen, und damit den Fahrer, der auf dem Papier sein größter Rivale ist: Rossi.

Im Verlauf der insgesamt 11 Testtage im Winter stürzte Vinales nicht ein einziges Mal. Marquez und Rossi hingegen hatten Stürze zu verzeichnen. Marquez stürzte sogar gleich 7 Mal, allein 5 Mal davon beim abschließenden Katar-Test. Vinales hingegen fuhr bei allen 4 Tests im Winter die Bestzeit.

Daraus könnte man ableiten, dass Vinales Marquez dazu zwingt, ein größeres Risiko einzugehen. Das wiederum könnte den Druck zwischen diesen beiden Fahrern größer werden lassen. Das wiederum könnte der Spannung um den WM-Titel zuträglich sein.

Marquez ist mit seinen 24 Jahren ganze 14 Jahre jünger als Rossi. Der Italiener ist sich seines Alters bewusst und auch der Tatsache, wie weh Stürze tun können. Das könnte ein Vorteil für die jüngeren Fahrer sein.

Im heutigen MotoGP-Kalender gibt es kaum Verschnaufpausen. Das ist ein großer Unterschied zur Zeit, als ich selbst fuhr. Damit steigt der Druck auf die Fahrer. Sie allen müssen körperlich auf der Höhe sein und sie müssen stets aggressiv und am Limit fahren.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf die Saison 2016 von Rossi. Er gewann in Jerez und Barcelona – 2 Rennen, bei denen alle anderen Fahrer schwer mit den Michelin-Reifen zu kämpfen hatten.

Auf einer Strecke mit wenig Grip ist Rossi der Meister, wenn es darum geht, das Gas behutsam aufzudrehen. Aus diesem Grund war er in Jerez und Barcelona so stark. Die Michelin-Reifen wurden für 2017 aber verbessert. Das könnte sich als Nachteil für Rossi herausstellen.

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Rennserien MotoGP
Fahrer Valentino Rossi
Teams Yamaha Factory Racing
Artikelsorte Kolumne
Tags chancen, kolumne, kräfteverhältnis, motogp, potenzial, randy mamola, rossi, yamaha