MotoGP-Champion Marc Marquez: "Die vielen Stürze waren wichtig"

In der MotoGP-Saison 2017 stürzte Marc Marquez auffällig oft, doch gerade das half dem Weltmeister im Rennen häufig dabei, ins Ziel zu kommen.

Mit seinen 27 Stürzen verzeichnete MotoGP-Weltmeister Marc Marquez in der vergangenen Saison für sich einen neuen Negativrekord. Zehnmal häufiger als noch im Vorjahr gingen er und seine Honda zu Boden. Und dennoch gelang dem Spanier der Titelgewinn - nicht nur, weil sich der 24-Jährige bei keinem der Stürze verletzte, sondern auch nur zwei der Crashs im Rennen passiert, nämlich in Argentinien und Frankreich.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Am häufigsten stürzte Marquez am Samstag. 15 Stürze passierten im dritten Freien Training und Qualifying, drei im Warm-up und sieben im ersten und zweiten Freien Training. Dabei kam der Honda-Pilot meist in den letzten Minuten der jeweiligen Session zu Fall. Das war auch gut so, weiß Marquez: "Wenn dir das zu Beginn eines Trainings passiert, verlierst du viel Zeit und dein Plan geht kaputt."

Dieser Plan sah beim Weltmeister meist so aus: "Im ersten Run tastete ich mich an das Limit heran. Im zweiten Run experimentierten wir mit dem Set-up. Im dritten Run ging es dann nur noch darum zu pushen. Manchmal war es eben zu viel." Doch Marquez betont, dass einige dieser Stürze ihm dabei geholfen hätten, im Rennen die Zielflagge zu sehen. "Denn danach wusste ich, dass ich in dieser Kurve vorsichtig sein muss."

Marquez: Stürze sind nicht Teil meines Fahrstils

Seine geringe Sturzquote im Rennen gibt ihm recht. Insofern wurde Marquez womöglich nicht trotz seiner viele Trainingsstürze, sondern gerade deswegen Weltmeister. Denn auch im Verständnis für sein Motorrad seien die Stürze nützlich gewesen - und nicht nur die. "Ich bin 27 Mal gestürzt und war vielleicht 50 Mal kurz davor zu stürzen", blickt Marquez auf seine unglaublichen Saves in dieser MotoGP-Saison zurück.

"Auch das hat mir etwas gebracht. Es ist schwer zu erklären, aber es gibt dir ein gewisses Gefühl für das Motorrad", sagt der Weltmeister. "Mit 27 Stürzen haben wir viele Dinge verstanden. Wo ich es retten kann und wo nicht zum Beispiel. Natürlich will ich das für die Zukunft verbessern und versuchen, auf demselben Niveau etwas sicherer unterwegs zu sein." Denn Stürze seien nicht etwa Teil seines Fahrstils.

Bisher habe er mit seiner Honda aber meist über das Limit gehen müssen, um vorn dabei zu sein. "Das zeigt, dass es kein einfacher Titel war. In jedem Training habe ich vom ersten Tag an alles gegeben. Ich ging mit der Überzeugung auf die Strecke, dass ich schnell sein kann. Letztlich haben wir gewonnen und sind sehr glücklich darüber, aber es gibt einige Punkte, die wir für das kommende Jahr verbessern müssen", weiß Marquez.

Dovizioso: "Marc ist einer der cleversten Piloten"

Im Vergleich zu ihm stürzte WM-Rivale Andrea Dovizioso nur sechs Mal in der kompletten Saison. Auch ihm ist der generelle Anstieg der Sturzquote nicht entgangen: "Einige Fahrer machen sich darüber nicht so viele Sorgen. Das ist für mich sehr seltsam. Denn es kann ja alles Mögliche passieren. Einerseits ist es positiv, denn sie versuchen, mit dem Limit zu spielen. Aber manchmal kann es die Dinge auch schlimmer machen."

Denn Stürze können auch am Selbstvertrauen nagen, dann geht das Gefühl verloren. "Ich denke nicht, dass es der beste Weg ist, um das Limit zu finden und das Motorrad zu verstehen", meint Dovizioso deshalb. "Aber jeder Fahrer ist anders. Marc zum Beispiel ist sehr oft gestürzt und hat den Titel geholt. Er ist einer der cleversten Piloten in dieser Weltmeisterschaft. Denn in den Momenten, wo es zählte, hatte er es unter Kontrolle."

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Rennserien MotoGP
Fahrer Marc Marquez
Teams Repsol Honda Team
Artikelsorte News
Tags andrea dovizioso, motogp, motogp 2017, sturzquote, stürze