"Andere Einstellung": Warum die MotoGP Michelin treu bleibt

Michelin wird die MotoGP bis Ende 2023 mit Reifen ausrüsten. Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta erklärt die Gründe und schießt gegen Bridgestone: "Verhalten war bei Problemen ganz anders."

Im Rahmen des Grand Prix von Australien verkündete MotoGP-Promoter Dorna die weitere Zusammenarbeit mit Michelin. Die französische Reifenmarke, die seit 2016 wieder die Königsklasse ausrüstet, wird bis Ende 2023 das Reifenmonopol stellen. "Für mich ist Stabilität wichtig", betont Weltmeister Marc Marquez. "Beim Wechsel zu Michelin war es am Anfang natürlich für alle Fahrer und Hersteller schwierig. Jetzt entwickeln sich die Motorräder und die Fahrstile für die Michelin-Reifen. Sie fanden auch beim Vorder- und beim Hinterreifen eine gute Stabilität."

Die Umstellung von Bridgestone auf Michelin stellte die Teams und Fahrer im Winter 2015/16 vor Herausforderungen. Die Charakteristik der Reifen unterscheidet sich, Fahrstil und Motorräder mussten angepasst werden. Mittlerweile hört man kaum Kritik an den Reifen. "Ich fühle mich mit Michelin gut", stimmt Valentino Rossi Marquez zu. "Ich mag es, mit ihnen zusammenzuarbeiten und habe auch vor Bridgestone eine lange Erfahrung mit ihnen. Ihre Reifen sind anders als Bridgestone, sie haben Stärken und Schwächen. Sie sind aber immer offen, Probleme zu lösen."

Die Einstellung von Michelin zum Rennsport ist laut Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta auch der springende Punkt, warum eine Vertragsverlängerung mit den Franzosen der logische Schritt war. "Jeder kann Fehler machen", spricht Ezpeleta das Reifendebakel von Bridgestone im Jahr 2014 an. "Wir erinnern uns alle, was hier passiert ist." Der neue Streckenbelag auf Phillip Island überforderte damals die Bridgestone-Reifen. Aus Sicherheitsgründen durften nicht mehr als zehn Runden am Stück gefahren werden.

Was Michelin besser macht als Bridgestone

Deshalb gab es auf trockener Strecke ein Flag-to-Flag-Rennen, um überhaupt den Grand Prix über die Bühne zu bringen. Bridgestone stand damals in der Kritik, weil man sich für den neuen Asphalt nicht richtig vorbereitet hatte. Aber auch Michelin unterlief ein ähnlicher Fauxpas. In der Comeback-Saison 2016 kam es beim zweiten Rennen in Argentinien zu Problemen. Die Renndistanz musste verkürzt werden, eine Reifenmischung wurde vorgeschrieben und ein Flag-to-Flag-Wechsel musste ebenfalls durchgeführt werden.

Obwohl sich die Situationen sehr ähneln, übt Ezpeleta im Rückblick Kritik an Bridgestone: "Das Verhalten des anderen Herstellers war ganz anders, als wenn jetzt Michelin ein Problem hat. Ich möchte mich ausdrücklich dafür bedanken, wie Michelin auf Probleme - viele hatten wir in diesen beiden Jahren nicht - reagiert hat. Für mich ist das ein Grund, mit ihnen weiterzumachen. Als wir über eine Vertragsverlängerung gesprochen haben, hatten wir nie Zweifel, dass Michelin unser bester Partner ist. Wir haben andere Möglichkeiten nicht in Betracht gezogen."

Warum es ein Reifenmonopol gibt

Seit 2009 gibt es in der MotoGP ein Reifenmonopol. 2008 verabschiedete sich Dunlop, 2009 schließlich Michelin. Bridgestone rüstetet die Königsklasse bis Ende 2015 aus. "Als wir als Dorna in diesem Sport angefangen haben, hat Michelin den Sport über viele Jahre dominiert", denkt Ezpeleta an die 1990er-Jahre zurück. "Ich kann mich an Gespräche erinnern, als gesagt wurde, dass man nicht teilnimmt, wenn man keine Michelin-Reifen bekommt. Michelin hat damals sehr hart gearbeitet und ist gegen andere Reifenhersteller angetreten. Ich finde, es ist wichtig, sich an die Historie zu erinnern."

Spätestens nach der Jahrtausendwende explodierte der Reifenkrieg zwischen Michelin und Bridgestone. Finanziell und logistisch wurde alles ausgespielt: "Bei den Europarennen hat Michelin damals nach dem Freitagstraining reagiert, neue Reifen hergestellt und sie den Fahrern geliefert", erinnert Ezpeleta an die Auswüchse zurück. "Die anderen Reifenhersteller stimmten dem nicht zu. Aus Respekt vor den anderen Herstellern stoppte Michelin diesen Vorgang. Dann machten das die anderen Hersteller auch und wir hatten die entgegengesetzte Situation."

Bridgestone ging beim Grand Prix von Japan ähnlich wie zuvor Michelin in Europa vor. Der Reifenvorteil der Japaner beim Heimrennen erklärt zum Teil die Motegi-Siege von Makoto Tamada und Loris Capirossi zwischen 2004 und 2007. Bridgestone gewann im Reifenkrieg auch die Oberhand. 2008 wechselten nach und nach die Hersteller auf die japanischen Reifen, Michelin nahm nicht an der Ausschreibung ab 2009 teil. "Wir haben gesehen, dass der Wettbewerb zwischen den Reifenherstellern einen großen Einfluss auf die Meisterschaft hat", so Ezpeleta. "Das ist unserer Meinung nicht richtig, weil es eine Meisterschaft für Motorräder und Fahrer ist. Deshalb entschieden wir uns für ein Reifenmonopol."

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