MotoGP-Paddock Inside: Acosta dominiert, aber er weiß nicht warum
Pedro Acosta dominiert den Freitag im Balaton Park, doch die Favoritenrolle ist offen - Im Hintergrund wird über die Ungarn-Zukunft am Hungaroring diskutiert
Pedro Acosta war im Balaton Park am Freitag der schnellste Fahrer
Foto: Getty Getty
Liebe MotoGP-Fans,
zum zweiten Mal besuchen wir den Balaton Park in Ungarn und es wird voraussichtlich das letzte Mal sein. Deswegen möchte ich zunächst über die Strecke sprechen, bevor wir uns dem Freitagstraining widmen. An der Anlage und dem Layout hat sich seit der Premiere im Vorjahr praktisch nichts geändert.
Die Strecke und die Boxenanlage sind modern. Daran gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen. Auch der Asphalt, die Randsteine und die prinzipielle Qualität der Kiesbetten sind in Ordnung und auf dem neuesten Stand.
Aber rundherum wirkt alles immer noch sehr provisorisch. Zum Beispiel ist das Medical Center weiterhin in einem Container untergebracht. Wir hoffen natürlich, dass kein Fahrer es besuchen muss.
Im Vorjahr war der Sturz von Enea Bastianini in den Kurven 12/13 brenzlig, als er über die Schikane wieder auf die Strecke und in die Linie der anderen Fahrer schlitterte. Es wurden allerdings nur geringfügige Modifikationen am Kiesbett vorgenommen.
Das Problem ist das Layout der Strecke. Wie ich bereits im Vorjahr geschrieben habe, ist der Kurs für Trackdays sicher sehr gut geeignet. Aber für die MotoGP und die Superbike-WM ist es einfach keine geeignete Strecke.
Francesco Bagnaia brachte das am Donnerstag auf den Punkt: "Wir kommen buchstäblich von oben nach unten. Die Strecke in Mugello ist zusammen mit Malaysia die beste, und diese hier ist mit Abstand die schlechteste."
Im Paddock wird darüber gesprochen, ob im nächsten Jahr auf den Hungaroring gewechselt wird. Das würde natürlich Sinn ergeben. Der Hungaroring ist die modernste Rennstrecke in Ungarn.
Von 2024 auf 2025 gab es umfassende Modernisierungsarbeiten. Die Boxenanlage und die Haupttribüne wurden komplett neu errichtet. Der Formel-1-Vertrag zwischen dem Hungaroring und Liberty Media wurde bis 2031 verlängert.
Wenn auch die MotoGP in Zukunft in der Donaumetropole Budapest gastieren würde, würde das ins Konzept von Liberty Media passen, Rennen in der Nähe von großen Städten zu organisieren.
In diesen Tagen sollen Vertreter der FIM und des Streckendesign-Studios Dromo am Hungaroring gewesen sein, um zu begutachten, welche Änderungen für die MotoGP vorgenommen werden müssen.

Der Hungaroring wurde erst umfassend für die Formel 1 modernisiert
Foto: Motorsport Images
Allerdings wird der Hungaroring voraussichtlich im nächsten Jahr nicht im Kalender stehen. Nachdem HUMDA, der Promoter des Balaton Parks im Premierenjahr, Insolvenz angemeldet hatte, hat die Hungaroring Sport Zrt. übernommen.
Dabei handelt es sich um den Promoter des Hungarorings mit dem Aushängeschild Formel 1. Die Übernahme des MotoGP-Rennens im Balaton Park erfolgte Anfang des Jahres relativ kurzfristig. Deshalb gibt es auch kaum Promotion für das Rennen.
Damit der Hungaroring-Promoter das MotoGP-Rennen auf die Strecke bei Budapest verlegen kann, muss zuerst die Finanzierung organisiert werden. Dazu zählt dann auch die Adaptierung der Strecke für die Sicherheitsanforderungen der FIM.
Wir werden euch die Hintergründe noch detailliert aufarbeiten. Momentan sieht es so aus, dass es noch zwei, drei Jahre dauern könnte, bis die MotoGP am Hungaroring fährt. Da 2027 Buenos Aires in den Kalender rückt, wäre auch kein Platz.
Acosta weiß nicht, warum er hier so schnell ist
Widmen wir uns nun den Eindrücken vom Trainingstag. Pedro Acosta war ganz klar der schnellste Fahrer. Wir dürfen nicht vergessen, dass der KTM-Fahrer auch im Vorjahr im Balaton Park der Herausforderer Nummer 1 von Marc Marquez war.
Aber warum Acosta im Freitagstraining so stark und eigentlich überlegen war, stellt nicht nur mich, sondern auch ihn selbst vor ein Rätsel: "Das Gefühl in Mugello war gar nicht so anders als das Gefühl, das ich jetzt habe."
"Und jetzt bin ich schnell, und am Freitag in Mugello war ich dafür wirklich langsam", rätselt Acosta. "Es ist für uns ziemlich schwer zu verstehen, warum ich in Barcelona konkurrenzfähig war, in Mugello wirklich langsam und hier wieder konkurrenzfähig."

Er kann sich das Ergebnis im Vergleich zu Barcelona und Mugello nicht erklären
Foto: Getty Images Europe
"Das ist nicht normal, und wir müssen irgendetwas verstehen, denn wenn nicht, ist es wirklich schwierig, konstante Wochenenden im Laufe des Jahres hinzulegen, um das eigentliche Ziel zu erreichen." Denn Acosta sucht nach Konstanz.
Mit dem weichen Hinterreifen war er mit seiner Pace zufrieden, aber Marquez war mit dem Medium-Hinterreifen auch sehr stark. Schon im vergangenen Jahr fuhr Marquez Medium und Acosta Soft. Diese Strategie scheint sich zu wiederholen.
Marquez nennt Gründe, warum er nicht der Favorit ist
Marquez beeindruckte mit starken Rundenzeiten, aber er zeichnet ein differenziertes Bild der Lage. Für einige Runden ist er schnell, doch über eine Renndistanz ist es doch noch eine andere Geschichte.
Der Weltmeister spricht von einem "soliden Trainingstag": "Ich bin einfach einzelne schnelle Runden gefahren", sagt Marquez, betont aber auch, dass er sich nicht komplett wohlgefühlt hat und deshalb nicht ans Limit gegangen ist.
"Das ist das Schwierigste. Deshalb sage ich immer wieder dasselbe: Ich muss einfach mit Leidenschaft dabei sein. Aber sobald ich den Helm aufhabe, wird es schwierig."
"Heute Morgen bin ich rausgefahren und habe versucht zu pushen, aber schon nach zwei Runden habe ich gemerkt, dass meine Körperposition nicht stimmt. Also habe ich das Tempo um eine halbe bis eine Sekunde rausgenommen."

Marc Marquez fuhr mit einer neuen Aerodynamik im Heckbereich
Foto: Gold & Goose Photography / Getty Images
"Dabei habe ich versucht, die Kurven zu managen, in denen ich die größten Probleme habe", berichtet Marquez. "Mental ist es extrem schwierig, die richtigen Referenzen zu setzen."
"Denn wenn du angreifen willst, musst du später bremsen, aber du hast nicht die passenden Referenzpunkte, und genau das ist das Schwierigste. Aber das war heute meine Strategie, um morgen besser zu sein."
Deshalb hat er am Freitag damit gerechnet, zwischen Platz fünf und zehn zu liegen. Mit sieben Zehntelsekunden Rückstand auf Acosta und Rang sieben hat Marquez sich selbst richtig eingeschätzt.
Trotzdem nennt ihn die Konkurrenz als Favorit für den Sprint. "Wenn es um fünf Runden geht, ja. Wenn es um 15 Runden geht, mehr oder weniger, dann gibt es keine Chance", sieht Marquez keine Möglichkeit auf den Sieg.
Wo Bezzecchi die Zeit auf Acosta verliert
Und was war bei Aprilia am Freitag los? Marco Bezzecchi und Jorge Martin erfüllten mit den Plätzen sechs und neun das Minimalziel direkter Q2-Einzug. Aber Bezzecchi fehlten in der Qualifying-Runde sechs Zehntelsekunden auf Acosta.
Wir haben in diesem Jahr häufig gesehen, dass Aprilia im Laufe des Wochenendes stärker wird, während KTM und Acosta bei der Freitagsperformance bleiben. Deshalb besteht theoretisch die Chance, dass Aprilia bis Sonntag aufschließt.

Marco Bezzecchi verlor alleine im dritten Sektor vier Zehntel auf Acosta
Foto: NurPhoto
Bezzecchi verlor die Zeit vor allem im dritten Sektor. Alleine in diesem Abschnitt war er rund vier Zehntelsekunden langsamer als Acosta. "Der dritte Sektor ist auf jeden Fall der, in dem ich am meisten Probleme habe", bestätigt der WM-Führende.
"Ich muss mich beim Bremsen noch etwas verbessern, da habe ich noch Luft nach oben. Es gibt auch an anderen Stellen der Strecke harte Bremszonen, und dort fühle ich mich ein bisschen besser, aber im dritten Sektor habe ich mehr Schwierigkeiten."
Martin sprach insgesamt von einem guten Trainingstag, weil sein Vertrauen zum Vorderrad wieder besser war als zuletzt in Mugello. Aber beim Qualifying-Versuch, wenn er ans absolute Limit gehen muss, fehlt ihm noch dieses blinde Vertrauen.
Das ist bemerkenswert, denn in der Vergangenheit zählte Martin mit der Ducati zu den besten Qualifying-Fahrern. "Wenn ich es wüsste, würde ich es nutzen. Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit im Qualifying stark war."
"Ich habe mein Motorrad wirklich gut verstanden, ich kannte das Limit genau. Ich glaube, mit der Aprilia verstehe ich das Limit des Motorrads noch nicht ganz. Und sobald ich pushe, tauchen neue Probleme auf", sagt Martin.
"Ich muss also versuchen, dieses Limit herauszufinden und ganz nah herankommen. Es gibt Sektoren, in denen ich extrem schnell bin, und andere, in denen ich Probleme habe. Ich glaube, es geht vor allem darum, alles zusammenzubringen."
Acosta gilt nach dem Freitag für mich als Favorit, aber wie gesagt, Aprilia und auch Ducati können sich im Laufe des Wochenendes steigern. Und mit Fabio Di Giannantonio und Raul Fernandez waren zwei weitere Fahrer am Freitag überzeugend.
Euer
Gerald Dirnbeck
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