MotoGP-Paddock Inside: Ein mutiger Schritt von Pedro Acosta zu Ducati
Pedro Acosta ist praktisch gezwungen, Marc Marquez im nächsten Jahr zu besiegen - Eine Einordnung der bisher bestätigten MotoGP-Fahrerwechsel für 2027
Marc Marquez und Pedro Acosta: 2027 wartet bei Ducati das Generationenduell
Foto: Getty Getty
Liebe MotoGP-Fans,
am 1. Januar habe ich in dieser Kolumne die Frage gestellt, ob uns die verrückteste "Silly Season" aller Zeiten erwartet. Nach allem, was wir seither gehört und gesehen haben, hat sich das auch bestätigt. Auf dem Fahrermarkt bleibt für 2027 kaum ein Stein auf dem anderen.
Marc Marquez hat sich dazu entschieden, zwei weitere Jahre bei Ducati zu bleiben. Er hat selbst gesagt, dass es möglicherweise sein letzter MotoGP-Vertrag sein könnte. Aber das wird die Zeit zeigen.
In der Kolumne am 1. Januar habe ich auch geschrieben, dass Pedro Acosta die "Cojones" hätte, um für vergleichsweise wenig Geld Teamkollege von Marquez bei Ducati zu werden. Das Gehalt von Marquez wurde natürlich aufgebessert.
Ich halte den Schritt von Acosta für sehr mutig, jedoch auch für riskant. Es zeigt aber auch sein großes Selbstvertrauen. Er ist von sich überzeugt, dass er mit Ducati um den WM-Titel kämpfen kann.
Das ist auch die richtige Einstellung. Wenn man es nicht mit dem besten Fahrer der Gegenwart aufnehmen will, dann kann man auch zu Hause bleiben. Trotzdem kann 2027 für Acosta ein ganz entscheidendes Jahr werden.
Er ist praktisch gezwungen, Marquez zu besiegen. Gelingt ihm das nicht, wäre sein Ruf als nächster Superstar angekratzt. Selbst wenn Acosta in seiner Karriere noch viele WM-Titel gewinnt, würde es immer heißen: Marquez hast du nicht gebogen.
Das Duell Marquez gegen Acosta wird im nächsten Jahr vielleicht das spannendste und interessanteste. Für die Vermarktung der MotoGP könnte dieses Generationenduell kaum ein besseres Szenario sein.
Bagnaia will sich bei Aprilia rehabilitieren
Aber es gibt genug Fahrer, die den beiden Spaniern in die Suppe spucken wollen. Das ist für mich allen voran Francesco Bagnaia. Sein großer Traum war es immer, für Ducati zu fahren, erfolgreich zu sein und für immer bei Ducati zu bleiben.
Bis heute ist Bagnaia der erfolgreichste Ducati-MotoGP-Fahrer, aber im vergangenen Jahr ist das alles zerbrochen. Er hätte für mehr Geld zu Yamaha wechseln können, aber er hat bei Aprilia die sportliche Aussicht auf Erfolge bevorzugt.

Francesco Bagnaia hat einen Vierjahresvertrag bei Aprilia unterschrieben
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Das Wort "Rache" wäre übertrieben, aber es zeigt für mich, dass Bagnaia unbedingt allen seine Klasse beweisen will und dass es nicht an ihm lag, dass 2025 so katastrophal gelaufen ist.
Die Fahrerpaarung Bagnaia und Marco Bezzecchi halte ich für Aprilia für sehr gut. Sie sind beide schnell, verstehen sich gut und ich glaube, nach der teilweise turbulenten Zeit mit Jorge Martin kann das die nötige Ruhe ins Team bringen.
Bringt Martin bei Yamaha die nötige Geduld mit?
Damit spannen wir den Bogen zu Martin. Grundsätzlich ist zu sagen, dass wenn man von einem Hersteller wie Yamaha ein Angebot erhält, man das praktisch kaum ablehnen kann. Aber viele Möglichkeiten hatte Martin ohnehin nicht.
Mit KTM hat er sich schon vor seinem MotoGP-Aufstieg überworfen, als er in der Moto2 für Ajo-KTM fuhr. Sein Vertrag sah vor, dass er mit KTM in die MotoGP wechseln muss. Martin wollte den Vertrag auflösen.
Nach Diskussionen einigte man sich schließlich auf eine Auflösung. Martin wechselte zu Pramac-Ducati. Allerdings verwehrte ihm Ducati mehrmals den Wechsel ins Werksteam und Martin unterschrieb bei Aprilia.
Die vielen Verletzungen im vergangenen Jahr waren Pech, aber Martin hatte das Vertrauen in Aprilia verloren. Er entschied sich schon vor Saisonbeginn 2026, das Yamaha-Angebot anzunehmen, da ihm Honda kein Angebot vorlegte.
Ursprünglich hatte Martin auf Honda spekuliert, denn wäre er aus seinem Aprilia-Vertrag herausgekommen, würde er jetzt für Honda fahren. Also KTM, Ducati, Aprilia und Honda schieden für Martin aus. Yamaha war seine letzte Möglichkeit.
Dass Martin dann nach zehn Rennwochenenden die WM anführen würde, damit hat er wohl selbst nicht gerechnet. Vielleicht ist es in diesem Jahr seine letzte Chance, Weltmeister zu werden.
Denn Yamaha wird Zeit brauchen, um das V4-Projekt zu entwickeln. Auf Martin kommen schwierige Jahre zu. Ich stelle mir die Frage, ob er die Geduld aufbringt und wie er mit Ergebnissen am Ende des Feldes umgehen wird.
Zumindest wird Martins Leidenszeit finanziell sehr gut vergütet sein. Genaue Zahlen kenne ich nicht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass er bei Yamaha deutlich mehr verdienen wird als bei seinen bisherigen Teams.
Für Stirnrunzeln sorgt auch Ai Oguras Wechsel zu Yamaha, aber der Japaner ist in einer anderen Phase seiner Karriere als Martin. Er hat uns allen bewiesen, was er kann. Ein Wechsel ins Aprilia-Werksteam war ihm nicht möglich.
Wie vorhin erwähnt, kann man grundsätzlich ein Angebot von einem Werk wie Yamaha kaum ablehnen. Natürlich stehen auch Ogura sportlich schwierige Zeiten bevor. Aber er ist jung, hat Zeit und kann gemeinsam mit Yamaha etwas aufbauen.
Gresini setzt auf bewährte Strategie
Als erstes Satellitenteam hat in den vergangenen Tagen auch Gresini die beiden neuen Fahrer vorgestellt. Das Team von Nadia Padovani setzt dabei seine Strategie der vergangenen Jahre fort.

Gresini setzt auf eine Mischung aus Erfahrung und einem Rookie
Foto: Gresini
Einerseits setzt man mit Daniel Holgado auf einen Rookie. Das hat mit Fermin Aldeguer schon wunderbar funktioniert. Andererseits ermöglicht man Joan Mir eine neue Chance in seiner Karriere.
Und das hat mit Alex und Marc Marquez ebenfalls wunderbar funktioniert. Ich finde, Holgado und Mir sind eine gute Fahrerpaarung für Gresini. An beide gibt es jetzt keine hohen Erwartungen, aber sie können für Überraschungen sorgen.
Und ich glaube, Mir wird uns Highlights zeigen, denn für ihn ist es womöglich die letzte MotoGP-Chance. Nach Assen habe ich mich in unserer traditionellen Montagskolumne mit seinen vielen Stürzen mit der Honda beschäftigt.
Dabei habe ich auch geschrieben, dass wir im nächsten Jahr, wenn Mir das gleiche Motorrad wie Marquez und Acosta fährt, wirklich beurteilen können, wie gut oder schlecht er tatsächlich ist. Ich finde, diese Chance hat er sich verdient.
Euer
Gerald Dirnbeck
Lust auf mehr Einschätzungen und Hintergründe? Dann folge mir gerne auf Facebook und Bluesky für weitere Einblicke und aktuelle Updates - ich freue mich über dein Like!
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.