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Warum Honda in Le Mans im Training so stark performt - Bei Yamaha überrascht der bald arbeitslose Alex Rins - Und wie es bei Aprilia und KTM gelaufen ist

MotoGP-Paddock Inside: Honda in Le Mans überraschend stark

Johann Zarco sorgte am Freitag für Jubel in Le Mans

Foto: Getty Getty

Liebe MotoGP-Fans,

für die französischen Fans hätte die große Party in Le Mans gar nicht besser beginnen können. Johann Zarco stellte im Freitagstraining die Bestzeit auf! Im Regen oder bei wechselhaften Bedingungen muss man immer mit ihm rechnen - so wie im vergangenen Jahr in Le Mans oder wie vor zwei Wochen am wechselhaften Samstag in Jerez.

Aber dass Zarco im Trockenen Bestzeit fährt, ist schon eine kleine Überraschung. Klar, vor heimischem Publikum ist der Routinier natürlich extra motiviert und er hat dadurch sicherlich diesen minimalen fahrerischen Unterschied gemacht.

Trotzdem hat sich Honda am Trainingsfreitag sehr gut präsentiert. Luca Marini war schon am Vormittag Schnellster. Und Joan Mir war am Nachmittag als Fünfter weniger als zwei Zehntelsekunden langsamer als Zarco.

Warum mischt die RC213V auf dem Bugatti-Circuit plötzlich im Spitzenfeld mit? Vor zwei Wochen hätte ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Honda brachte nämlich keine Entwicklungen zum Montagstest in Jerez.

Aber das scheint genau das richtige Rezept gewesen zu sein! "Wir haben in Jerez nichts Neues ausprobiert. Wir haben aber ein wenig die Richtung verstanden, die wir einschlagen müssen", sagt Mir. "Und genau das setzen wir hier um."

Für Honda kommen zwei Dinge zusammen: Erstens war der Jerez-Test wichtig, um das aktuelle Paket zu verstehen und zu optimieren, und zweitens kommt das Layout des Bugatti-Circuits der RC213V entgegen. (Drittens natürlich der Zarco-Faktor.)

Der Franzose schwärmt vor allem vom Gefühl im Rechtsbogen auf die erste Schikane hin: "Dort fühle ich mich sehr sicher. Es ist toll, dieses Gefühl zu haben. Generell haben wir uns aber beim Bremsen und Beschleunigen gesteigert."

Joan Mir

Auch Joan Mir fuhr am Freitag in die Top 5

Foto: Getty Images Europe

Das bestätigt auch Mir: "Hier in Le Mans ist das Gefühl für den Vorderreifen sehr wichtig. Dafür haben wir ein gutes Gefühl. Das ist der Grund, warum wir schnell sind." Honda versteht seit dem Test auch das Kurvenverhalten besser.

Dieses Verständnis bestätigt Zarco: "Jetzt, mit immer mehr Runden und dem Test, bei dem wir verschiedene Set-ups ausprobiert haben, fangen wir an zu verstehen, wie wir dieses Motorrad in die Kurve bringen müssen, um das Potenzial zu nutzen."

Marini konnte in der entscheidenden Phase des Nachmittags dieses Potenzial nicht nutzen. Im ersten Qualifying-Versuch machte der Italiener einen Fehler, im zweiten hatte er Pech mit gelben Flaggen. Marini muss wie Rookie Diogo Moreira in Q1 ran.

Alex Rins die nächste große Überraschung

Nicht in Q1 ist am Samstag Alex Rins. Der Yamaha-Fahrer war als Achter ebenfalls eine große Überraschung des Tages. Nur 0,288 Sekunden Rückstand sind auf dieser Strecke mit dem neuen V4-Projekt sehr beachtlich.

Die Freude über den ersten direkten Q2-Einzug seit Sepang 2025 war bei Rins natürlich riesengroß, denn es deutet immer mehr darauf hin, dass er im kommenden Jahr nicht mehr in der MotoGP fahren wird.

Alex Rins

Alex Rins konnte endlich wieder lachen und sich freuen

Foto: AFP

"Ja, ich bin so stolz auf das, was ich erreicht habe. Es ist das Ergebnis harter Arbeit an mir selbst", sagt Rins zu seiner tollen Runde. "Wenn ich mich gut mit dem Motorrad, den Reifen und der Strecke fühle, bin ich in der Lage, schnell zu sein."

"Ich habe nicht vergessen, wie man Rennen gewinnt. Es stimmt, seit 2023 habe ich kein Rennen gewonnen, nicht einmal ein Podium geholt, aber ich bin derselbe Alex. Ich bin vollständig erholt, vollständig motiviert."

"Wir kennen das Problem, oder?", spricht er den technischen Rückstand von Yamaha an. "Also ja, sobald ich mich gut fühle, kann ich mein Bestes geben." Die Runde von Rins war insofern stark, weil der zweitbeste Yamaha-Fahrer nur 15. wurde.

Quartararo bleibt bei altem Frontflügel

Das war Jack Miller. Fabio Quartararo konnte im Gegensatz zu seinem Landsmann Zarco kein Wunder auf heimischem Boden vollbringen - zumindest nicht am Trainingsfreitag - und landete auf Platz 17.

An dieser Stelle muss man allerdings auch die engen Zeiten beachten, denn Quartararos Rückstand betrug nur 0,562 Sekunden. Dass die Zeiten so eng beieinanderliegen, verdeutlicht auch die spezielle Streckencharakteristik.

Warum konnte Quartararo keine seiner berühmten Zauberrunden zeigen? "Wir haben Probleme, die normalerweise nicht so gravierend sind, aber wir haben ein schwimmendes Gefühl, besonders wenn man in schnelle Kurven hineinfährt."

Fabio Quartararo

Fabio Quartararo wechselte auf den alten Frontflügel vom Vorjahr

Foto: AFP

Und genau in diesen Kurven, vor allem in Kurve 1, hat Zarco mit der Honda ein sehr gutes Gefühl und konnte mit diesem Vertrauen eben den entscheidenden Unterschied ausmachen, während Quartararo das nicht möglich war.

Quartararo und Toprak Razgatlioglu wechselten für Le Mans zurück auf den Vorderflügel des alten Reihenvierzylinders, während Rins und Miller bei den für die V4-Yamaha entwickelten Winglets blieben.

Wird Quartararo angesichts der Performance von Rins nun zurückwechseln? "Nein, ich möchte jetzt diese Verkleidung behalten. Für mich war sie in Jerez besser. Es macht für mich keinen Sinn, zurückzuwechseln."

"Nur weil Alex heute schneller war, muss ich nicht plötzlich zur anderen Aero zurückwechseln." Nachdem wir uns heute so ausführlich den japanischen Marken gewidmet haben, werfen wir noch einen Blick auf Aprilia und KTM.

Aprilia solide in den Top 10

In der Schlussphase haben sich Jorge Martin und Marco Bezzecchi noch in die Top 10 verbessert und die Pflichtübung gemeistert. Martin hatte Mühe, den weichen Vorderreifen auf Temperatur zu bringen. Er brauchte dafür mehrere Runden.

Marco Bezzecchi

Marco Bezzecchi blieb unauffällig, fuhr aber sicher ins Q2

Foto: Getty Images Europe

Bei Bezzecchi gab es am Vormittag kleinere Probleme, aber am Nachmittag lief es für den WM-Führenden besser. Er möchte wie immer an seinem Fahrstil und an Details arbeiten. Aprilia war abgesehen vom Feuer bei Raul Fernandez eher unauffällig.

Aus den ersten Rennen haben wir gelernt, dass man mit Aprilia immer rechnen muss, spätestens am Sonntag. Davon gehe ich auch in Le Mans aus, wobei regnerisches Wetter natürlich alles ändern könnte.

KTM: Beachtliche Rückkehr von Folger

KTM belegte die Plätze zehn (Pedro Acosta), elf (Enea Bastianini) und zwölf (Brad Binder). Das ist bitter, wenn man drei Fahrer auf einem Level hat und nur einer schafft es ins Q2, während die anderen beiden ihr Glück in Q1 versuchen müssen.

Jonas Folger

Mit Jonas Folger als Ersatzfahrer ist wieder ein Deutscher dabei

Foto: Getty Images Europe

Acosta merkte an, dass er mit dem weichen Vorderreifen kein gutes Gefühl und Vertrauen hatte. Im Vergleich zum Jerez-Test sagt er: "Vielleicht etwas schlechter, weil wir hier nicht so viele schnelle Kurven haben."

"Aber wie auch immer, ich denke, wir müssen zufrieden sein, weil sich die Gefühle gleich anfühlen. Ich denke, das wird uns auf Strecken sehr helfen, auf denen wir - oder ich - normalerweise leide, wie in Barcelona und auch in Mugello."

Abschließend möchte ich noch ein Lob an Jonas Folger aussprechen. Da er für das MotoGP-Projekt von KTM praktisch keine Performance-Tests mehr durchführt, sind zweieinhalb Sekunden Rückstand mehr als beachtlich.

Über Ducati habe ich heute an dieser Stelle nichts geschrieben. Wer lesen möchte, was Marc Marquez zu Platz 13 sagt und warum nur er nicht mit der neuen Seitenverkleidung fährt, findet diesen Artikel hier.

Euer

Gerald Dirnbeck

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