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MotoGP-Reifen: Wer bezahlt sie und wie teuer sind sie wirklich?

Mit Pirelli übernimmt 2027 ein neuer Einheitslieferant die MotoGP -Doch was kostet ein Reifen der Königsklasse überhaupt? Giorgio Barbier gibt seltene Einblicke

MotoGP-Reifen: Wer bezahlt sie und wie teuer sind sie wirklich?

Noch stattet Pirelli nur Moto3 und Moto2 aus - 2027 folgt auch die MotoGP

Foto: Alexander�Trienitz Alexander�Trienitz

Mit Pirelli übernimmt ab 2027 ein neuer Einheitslieferant die MotoGP. Im Zuge des Wechsels stellt sich erneut eine Frage, die Fans seit Jahren beschäftigt: Was kostet ein Reifen der Königsklasse eigentlich und wer bezahlt ihn?

Über finanzielle Details wird in der MotoGP traditionell nur selten gesprochen. Weder Gehälter noch Budgets oder Vertragsinhalte zwischen Herstellern und Rechteinhaber werden öffentlich gemacht. Entsprechend undurchsichtig ist auch das Thema Reifen, obwohl diese zu den größten Kostenfaktoren einer Rennserie gehören.

Dabei hat sich das Modell des Einheitslieferanten längst etabliert. Nachdem Bridgestone zwischen 2009 und 2015 exklusiver Reifenpartner der MotoGP war, übernahm Michelin diese Rolle zur Saison 2016. Nach elf Jahren endet die Zusammenarbeit 2026.

Mit dem neuen technischen Reglement und den künftig eingesetzten 850-ccm-Maschinen steigt Pirelli ein, die bereits Moto2 und Moto3 beliefern. Erstmals stammen damit die Reifen für alle drei Grand-Prix-Klassen von einem einzigen Hersteller.

Reifenhersteller zahlt zunächst an den Promoter

Im Gespräch mit Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com, räumt Giorgio Barbier, Motorsportchef für die Motorradsparte von Pirelli, zunächst mit einem weit verbreiteten Irrtum auf. Grundsätzlich zahle nämlich nicht der Veranstalter den Reifenhersteller, sondern umgekehrt.

"Immer. In jeder Motorradmeisterschaft und auch in der Formel 1, überall bezahlt der Reifenhersteller den Promoter", erklärt Barbier unmissverständlich.

Allerdings greife diese Betrachtung deutlich zu kurz. Die Lizenzgebühr sei lediglich ein Bestandteil des gesamten finanziellen Pakets. Hinzu kämen die Entwicklung der Reifen, deren Produktion, der Transport zu allen Rennveranstaltungen, das Personal an den Strecken sowie die komplette organisatorische Infrastruktur.

"Man kann sagen", veranschaulicht Barbier, "ich bin Einheitslieferant der MotoGP und zahle dafür eine Gebühr. Nehmen wir beispielsweise sechs Millionen Euro. Aber dann muss man hinzufügen: Alle Reifen kosten mich insgesamt 36 Millionen Euro. Und diese 36 Millionen müssen ebenfalls bezahlt werden."

Wer letztlich welchen Anteil dieser Kosten übernimmt, werde individuell ausgehandelt. Nach Angaben des Italieners handelt es sich um komplexe Verhandlungen zwischen Hersteller und Promoter, bei denen neben der Lizenzgebühr auch Serviceleistungen, Personal und sämtliche Begleitkosten berücksichtigt werden.

"Dann kann man den Promoter fragen: Unterstützt ihr uns dabei, einen Teil dieser Kosten zu decken? Oder man legt die Gesamtkosten offen und addiert die Gebühr. Das alles ist Gegenstand von Verhandlungen", so der Pirelli-Verantwortliche.

Zahlen die MotoGP-Teams für ihre Reifen selbst?

Eine weitere häufig gestellte Frage betrifft die Teams selbst. Müssen sie ihre Reifen bezahlen? Hier unterscheidet sich die MotoGP von anderen Rennserien wie etwa der WSBK. "In der Superbike-Weltmeisterschaft tun sie das", bestätigt Barbier.

Für die MotoGP gelte das derzeit jedoch ausdrücklich nicht. "In der MotoGP ist das derzeit nicht vorgesehen. In der Moto3 und Moto2 hingegen schon." Während die Teams der beiden kleineren Klassen ihre Reifen also bezahlen, werden die Pneus in der MotoGP aktuell nicht direkt von den Rennställen finanziert.

Warum MotoGP-Reifen nicht verkauft werden

Anders als die Rennreifen für die Superbike-Weltmeisterschaft dürfen MotoGP-Reifen nicht frei verkauft werden. Das schreibt der Vertrag zwischen Hersteller und Weltmeisterschaft vor. Der Hintergrund dafür ist einfach erklärt.

Die speziell entwickelten MotoGP-Reifen sollen ausschließlich im offiziellen Meisterschaftsbetrieb eingesetzt werden. Wären sie frei erhältlich, könnten Teams sie kaufen und außerhalb der erlaubten Testtermine zusätzliche Entwicklungsarbeit leisten.

Deshalb erhalten die Hersteller abhängig vom jeweiligen Konzessionsstatus lediglich zwischen 170 und 260 Reifen für Testfahrten pro Saison. Auf diese Weise behält die MotoGP die Kontrolle über die Testmöglichkeiten aller Hersteller.

Barbier bleibt vage: Was kostet ein MotoGP-Reifen?

Eine konkrete Summe für einen MotoGP-Reifen nennt Pirelli nicht. Barbier liefert jedoch einen interessanten Hinweis auf die tatsächlichen Produktionskosten.

"Wir dürfen MotoGP-Reifen nicht verkaufen. Aber wir können unseren Kunden garantieren, dass die Sportreifen von Pirelli von denselben Ingenieuren und Technikern entwickelt werden, im selben Werk in Breuberg, in dem auch die Rennreifen gefertigt werden, und mit demselben sportlichen Anspruch, der unsere Marke auszeichnet."

Zum Vergleich: Ein Diablo-Superbike-Hinterreifen ist für rund 300 Euro erhältlich. Die MotoGP-Prototypen entstünden auf denselben Produktionsanlagen. "Ich ändere lediglich die Materialien. Vielleicht passe ich auch einzelne Produktionsschritte an. Aber meine Herstellungskosten werden niemals dramatisch höher sein."

Eine offizielle Preisangabe für einen MotoGP-Reifen bleibt damit zwar weiterhin aus. Barbiers Aussagen lassen jedoch erkennen, dass die eigentlichen Produktionskosten deutlich geringer ausfallen dürften, als vielfach vermutet wird.

Der weitaus größere finanzielle Aufwand entsteht durch Entwicklung, Logistik, Personal und den umfassenden Rennservice, den ein Einheitslieferant in der MotoGP leisten muss.

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