MotoGP-Rennen ohne Zuschauer: Fahrer erkennen Vor- und Nachteile

Natürlich vermissen die MotoGP-Piloten den Jubel und die Unterstützung der Fans vor Ort - Sie geben aber auch zu, dass ein verwaistes Paddock seine Vorteile hat

MotoGP-Rennen ohne Zuschauer: Fahrer erkennen Vor- und Nachteile

Die meisten der bisher zehn MotoGP-Rennen mussten aufgrund der Corona-Pandemie hinter verschlossenen Türen stattfinden. Nur vereinzelt war eine begrenzte Anzahl an Vor-Ort-Zuschauern erlaubt, wie etwa zuletzt in Le Mans.

Welchen Einfluss hat das auf die Fahrer? Johann Zarco gibt zu: "Für meine Lernkurve war das fast besser, denn ohne die ganzen Leute um dich herum fällt es dir leichter, fokussiert zu bleiben. Aber trotzdem war es natürlich toll, in Le Mans ein paar Fans zu haben - gerade weil es sich um heimische Fans handelte."

Dass sie nicht nur dem damaligen WM-Leader Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha) jubelten, sondern auch Zarco, habe ihm gezeigt, "dass sie mich nicht vergessen haben", sagt der Avintia-Ducati-Pilot. "Das war ein sehr schönes Gefühl."

Keine Leinwände an der Strecke zur Orientierung

In der "Wüste von Aragon" mache es für ihn wiederum keinen so großen Unterschied. "Hier war es nie überlaufen, weil alles sehr weitläufig ist, da verteilt es sich ohnehin mehr. In Italien und Spanien gibt es immer viele Zuschauer, aber Aragon ist so groß, dass man da nie besonders viele Leute sieht", erklärt Zarco weiter.

Allerdings hat das Fehlen der Zuschauer einen Effekt, der sich auch in Aragon unmittelbar bemerkbar macht: Es werden keine großen Leinwände aufgestellt, mit Hilfe derer die Fans die Action auf der Strecke im TV-Bild verfolgen können, selbst wenn die Piloten gerade nicht direkt an ihnen vorbeirasen.

Damit fällt auch für die Fahrer eine Orientierungshilfe weg. "Sie während der Trainings zu haben, ist schon praktisch", weiß Zarco. "Man kann am Ende des Trainings sehen, wo man steht, genauso im Qualifying. Jetzt fehlt das, was es ein wenig kompliziert macht."

Binder: "Im Paddock geht es viel entspannter zu"

"Zum Beispiel fuhr ich in Le Mans nach der letzten Runde im Qualifying zu Fabio, um ihm zu gratulieren. Ich fragte ihn, ob er Erster war, aber er wusste es nicht. Das ist schon kurios", erinnert sich der Avintia-Pilot. "Aber im Rennen nutze ich persönlich nie die Bildschirme. Da konzentriert man sich auf andere Dinge."

Brad Binder

Brad Binder weiß: Einmal im Rennmodus bekommt man nicht mehr viel mit

Foto: Motorsport Images

KTM-Pilot Brad Binder sieht den größten Unterschied ohne Vor-Ort-Fans im Paddock. "Da geht es jetzt viel entspannter zu, weil es komplett leer ist. Das ist der größte Unterschied. Aber natürlich ist es auch komisch, niemanden zu sehen, wenn man die Strecke umrundet", vermisst der Südafrikaner die Fanmassen auf den Tribünen.

"Gleichzeitig ist es auch so, dass man derartig konzentriert ist auf sich und das Fahren, dass man die Leute gar nicht so sehr mitbekommt. Eigentlich nur auf den In- und Outlaps. Aber es ist definitiv seltsam, keine Fans vor Ort zu haben. Ich freue mich schon auf den Tag, dass jeder wieder dabei sein kann und wir den Normalzustand erreichen."

Crutchlow spricht von totenstiller Startaufstellung

Da geht es ihm freilich wie vielen MotoGP-Piloten, wobei Cal Crutchlow ähnlich wie Binder auch Vorteile erkennt: "Im Paddock fühlt es sich ehrlich gesagt fantastisch an. Wir können herumlaufen und unseren Job machen, der nun mal sehr riskant ist."

"Wir müssen zu 100 Prozent konzentriert sein, dem Team klares Feedback geben", betont der LCR-Honda-Pilot. "Und wenn man auf dem Weg in die Garage 50 Mal angehalten wird", erschwere das die Sache natürlich. Wobei Crutchlow das nicht falsch verstanden wissen will: "Wir lieben die Fans und ihre Begeisterung für den Sport."

Cal Crutchlow

Cal Crutchlow vermisst die Fans, weiß aber auch die Ruhe im Paddock zu schätzen

Foto: Motorsport Images

Was die Atmosphäre an der Rennstrecke betrifft, hält der Brite fest: "Wir hatten Rennen, wo wirklich gar niemand rein durfte. Da war es in der Startaufstellung totenstill. In Le Mans ist es auf der Start-Ziel-Geraden normalerweise richtig voll und laut. Diesmal waren ein paar Leute da, aber das war für mich fast seltsamer als ganz ohne."

25 Minuten schwitzen oder frieren vor dem Start

Überhaupt merke man jetzt, ohne den ganzen Trubel vor dem Start, wie lange man tatsächlich warten muss, bis es endlich losgeht, findet Crutchlow. Denn nicht nur die Tribünen sind leer, auch in der Startaufstellung geht es weniger umtriebig zu.

"Da sind 25 Minuten sind viel Zeit, um dort zu sitzen und nichts zu tun. Wir haben schon oft darüber gesprochen, das auf 15 Minuten zu kürzen", verrät der LCR-Pilot. Dabei spiele auch das Wetter eine Rolle: "Gerade in Jerez, wo es richtig heiß war, oder in Le Mans, wo wir gefroren haben, zogen sich diese 25 Minuten ewig hin."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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