MotoGP-Rookie Tom Lüthi: "Habe das noch nicht richtig im Griff"

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MotoGP-Rookie Tom Lüthi:
Juliane Ziegengeist
Autor: Juliane Ziegengeist
17.02.2018, 13:43

MotoGP-Neuling Tom Lüthi kann sich am zweiten Testtag in Buriram zwar steigern, hat jedoch deutlichen Rückstand auf die Rookie-Konkurrenz und übt Selbstkritik

Auch am zweiten Testtag der MotoGP in Buriram verliert Tom Lüthi das teaminterne Duell gegen Franco Morbidelli (Marc-VDS-Honda) deutlich. Mit seiner persönlichen Bestzeit von 1:31.994 Minuten konnte der Schweizer nur Hafizh Syahrin (Tech-3-Yamaha) und Xavier Simeon (Avintia-Ducati) hinter sich lassen. Am Ende stand ein 22. Platz zu Buche. Auf die Spitzenzeit von Marc Marquez (Honda) fehlten Lüthi gut zwei Sekunden.

Zwar konnte sich der MotoGP-Aufsteiger im Vergleich zum Vortag um etwas mehr als sieben Zehntelsekunden steigern. Das gelang jedoch auch der Konkurrenz. Lüthis Rückstand auf Teamkollege Morbidelli betrug daher immer noch acht Zehntelsekunden. Dennoch zeigte sich der 31-Jährige zufrieden. "Es spiegelt sich vielleicht nicht in der Rundenzeit wieder, aber insgesamt war es ein positiver Tag", betont er.

Bildergalerie: MotoGP-Test in Buriram

"Das Ziel war, dort anzusetzen, wo wir am Vortag aufgehört haben. Heute habe ich mich etwas mehr auf das Bremsen konzentriert. Gestern lag der Fokus mehr auf dem Kurvenausgang und der Beschleunigung. Es war ein interessanter Tag. Ich hatte Gelegenheit, ein paar Jungs auf der Strecke zu folgen und sie zu beobachten. Das ist hilfreich, denn ich arbeite ja weiterhin daran, meinen Fahrstil von der Moto2 auf die MotoGP anzupassen."

"MotoGP-Motorrad ist viel komplexer zu fahren"

So folgte der Marc-VDS-Pilot unter anderem seinem Honda-Markenkollegen Dani Pedrosa für ein paar Runden. "Wahrscheinlich hat er zu dem Zeitpunkt nicht so sehr gepusht. Das war wirklich gut und interessant für mich", freut sich Lüthi und erklärt: "Wenn man einem anderen Fahrer folgt, geht es nicht so sehr ums Bremsen. Mit diesen Motorrädern muss man sich wirklich auf den Kurvenausgang konzentrieren."

"Man muss versuchen, die Leistung, die man hat, so gut wie möglich zu nutzen. Das habe ich noch immer nicht richtig im Griff", räumt der MotoGP-Rookie ein. "In der Theorie weiß ich genau, was ich falsch mache. Ich muss einfach noch mehr Runden abspulen, um besser zu verstehen, wann ich was auf dem Motorrad anders machen muss." Noch bleiben ihm ein Tag in Buriram und drei Testtage in Katar, um den Knoten platzen zu lassen.

Lüthis Chefingenieur Gilles Bigot weiß, wie schwer die Umstellung von der Moto2 auf die MotoGP fallen kann: "Der Schritt ist größer, als vielen Leuten bewusst ist, und ich denke, dass es für Fahrer wie Tom, der so viele Saisons in der Zwischenklasse verbracht hat, noch schwieriger sein kann. Ein MotoGP-Motorrad zu fahren ist viel komplexer als ein Moto2-Bike zu fahren, weil es bei ihm weniger Variablen zu berücksichtigen gibt."

Morbidelli steigert sich, Nakagami bester Rookie

"Es gibt keine Elektronik, man hat nur zwei Reifen zur Auswahl und die Bikes sind nicht so leistungsstark. Die MotoGP ist auf einem anderen Level, es gibt verschiedene Reifen mit mehr Optionen, komplexe Elektronik und doppelt so viel Leistung, was bedeutet, dass alles, was man mit dem Gas macht, eine viel größere Auswirkung auf das Motorrad als Ganzes hat. Es ist eine steile Lernkurve, die ihre Zeit braucht", erklärt Bigot im Detail.

Franco Morbidelli, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Franco Morbidelli, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS

Foto Gold and Goose / LAT Images

Das gilt auch für Morbidelli, der seine Form auf der Honda RC213V dank etwas mehr Erfahrung jedoch schon deutlich steigern konnte. Auf Rang 18 fehlten dem Italiener 1,216 Sekunden auf die Spitze. "Heute haben wir Fortschritte gemacht", hält er fest. "Wir hatten eine wirklich gute Pace, und das mit gebrauchten Reifen. Auch meine beste Rundenzeit bin ich mit gebrauchten Reifen gefahren." Allerdings gibt es auch einen Haken.

"Als ich eine Zeitattacke mit frischen Reifen starten wollte, war mein Gefühl leider nicht so toll. Ich konnte mich nicht steigern. Das müssen wir untersuchen", sagt Mordidelli. Den Titel des besten Rookies musste er abermals Takaaki Nakagami (LCR-Honda) überlassen. Der Japaner blieb als Fünfzehnter im Tagesklassement nur 0,932 Sekunden hinter der Bestzeit von Weltmeister Marquez zurück. Und das nicht ohne Grund.

Takaaki Nakagami, Team LCR Honda
Takaaki Nakagami, Team LCR Honda

Foto Gold and Goose / LAT Images

"In der Schlussphase konnte ich Marc eine Runde lang folgen. Er hat mich etwas mitgezogen. Es war natürlich schwierig, denn er ist eine 29.9 gefahren und ich eine 30.9. Er war also eine Sekunde schneller als ich. Es ist sehr beeindruckend, ihn mit seinem Fahrstil zu beobachten", schwärmt Nakagami. "Man lernt so viel. Sein stärkster Punkt ist das Bremsen. Auch in der Beschleunigung ist er sehr stark. Da kann man sich viel abschauen."

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