MotoGP-Rückblick 2017: Hondas Weltmeister-Titel dank Ausnahmekönner

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MotoGP-Rückblick 2017: Hondas Weltmeister-Titel dank Ausnahmekönner
Toni Börner
Autor: Toni Börner
30.12.2017, 06:21

Honda steckte auch 2017 weiterhin in technischen Schwierigkeiten. Lediglich Ausnahme-Superstar Marc Marquez war das egal und er wurde wieder Weltmeister.

MotoGP-Weltmeister 2017: Marc Marquez, Repsol Honda Team
Podium: Marc Marquez, Repsol Honda Team
MotoGP-Weltmeister 2017: Marc Marquez, Repsol Honda Team
Start zum MotoGP-Finale 2017 in Valencia: Marc Marquez, Repsol Honda Team, führt
Marc Marquez, Repsol Honda Team, führt
Marc Marquez, Repsol Honda Team, Andrea Dovizioso, Ducati Team
Marc Marquez, Repsol Honda Team
Dani Pedrosa, Repsol Honda Team
Dani Pedrosa, Repsol Honda Team, Marc Marquez, Repsol Honda Team
Cal Crutchlow, Team LCR Honda
Cal Crutchlow, Team LCR Honda
Jack Miller, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Jack Miller, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Tito Rabat, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Tito Rabat, Estrella Galicia 0,0 Marc VDS
Marc Marquez, Repsol Honda Team
1. Marc Marquez, Repsol Honda Team
Marc Marquez, Repsol Honda Team
Dani Pedrosa, Repsol Honda Team
Dani Pedrosa, Repsol Honda Team
2. Dani Pedrosa, Repsol Honda Team
Marc Marquez, Repsol Honda Team, Jorge Lorenzo, Ducati Team, Andrea Dovizioso, Ducati Team
Marc Marquez, Repsol Honda Team, Jorge Lorenzo, Ducati Team
1. Marc Marquez, Repsol Honda Team

Honda Saison 2017 – Fast Facts
Hersteller-Wertung: Weltmeister
Punkte: 357
Team-Wertung:
Repsol Honda Team: Weltmeister
Punkte: 508
Estrella Galicia 0,0 MarcVDS: 7.
Punkte: 117
LCR Honda: 8.
Punkte: 112

Kurz-Fazit: Honda hat 2017 zwar alles gewonnen, was es zu gewinnen gab – Fahrer-, Hersteller- und Team-Weltmeister – doch ganz so rosig sieht es beim größten Motorradhersteller der Welt dann doch nicht aus. Mit Marc Marquez und Dani Pedrosa konnten wieder nur die beiden Werks-Piloten gewinnen. Cal Crutchlow, der unter LCR-Satelliten-Fahnen ebenfalls ein Werksmotorrad fährt, blieb sieglos. Allerdings holte der Brite allein nur fünf Punkte weniger, als die beiden MarcVDS-Piloten Jack Miller und Tito Rabat zusammen. Die Honda blieb schwierig zu fahren, wie auch die 27 Stürze und unzähligen "Saves" von Marquez beweisen.

Fahrer: Marc Marquez (Repsol Honda Team)
WM-Rang: Weltmeister
Punkte: 298
Bestes Qualifying: 1. (8x, Argentinien, Texas, Sachsenring, Brünn, Red Bull Ring, Silverstone, Australien, Valencia)
Bestes Rennen: 1. (6x, Texas, Sachsenring, Brünn, Misano, Aragon, Australien)

Kurz-Fazit: Ausnahmekönner und Superstar. Marc Marquez lehrte 2017 einmal mehr Albert Einstein, Isaac Newton und Co das Fürchten. Sprich: Marquez hebelte nicht nur ein Mal die Gesetze der Physik aus. Sein Weltmeister-Titel von 2017 wird wohl dafür in Erinnerung bleiben, dass er beim großen Showdown in Valencia wieder einmal einen Sturz abfing, bei dem jeder – aber wirklich jeder – andere Fahrer auf der Nase gelegen hätte. Marquez hatte 2017 trotzdem noch fast 30 Stürze wegzustecken – blieb aber unverletzt. Drei Nuller gab es für ihn zu verbuchen, dabei aber einen unverschuldeten: Als ihm in Silverstone der Motor explodierte.

Fahrer: Dani Pedrosa (Repsol Honda Team)
WM-Rang: 4
Punkte: 210 (-88)
Bestes Qualifying: 1. (3x, Jerez, Catalunya, Malaysia)
Bestes Rennen: 1. (2x, Jerez, Valencia)

Kurz-Fazit: Dani Pedrosa darf man einfach nie abschreiben. Zwar hatte er sicherlich auch ein paar Ausreißer nach unten drin – wie die Ränge 13 in Assen, 14 in Misano oder 12 auf Phillip Island, doch sammelte er auch insgesamt neun Podeste, darunter zwei Siege. Seit 2002, seiner zweiten 125ccm-Saison, hat er damit nun jedes Jahr wenigstens einen Sieg errungen – und klar wieder einen Aufwärtstrend verbucht. Er holte sechs Podeste mehr als im Vorjahr, da waren es nur drei. Pedrosa wurde 2017 zum dritten Mal in den letzten vier Jahren Vierter der MotoGP.

Fahrer: Cal Crutchlow (LCR Honda)
WM-Rang: 9
Punkte: 112 (-186)
Bestes Qualifying: 3. (3x, Argentinien, Jerez, Silverstone)
Bestes Rennen: 3. (1x, Argentinien)

Kurz-Fazit: WM-Rang 9 ist Cal Crutchlows schlechtestes MotoGP-Endergebnis, seit er 2015 zu Honda kam. Vorher war er Achter und Siebter. Auch die vier Podeste aus dem letzten Jahr konnte er nicht mehr erreichen. Es blieb bei einem dritten Platz in Argentinien als Podiums-Highlight. Und trotzdem blieb Crutchlow 2017 eine wertvolle Aktie für Honda, die technisch in Schwierigkeiten steckten: Mit einem Werks-Motorrad im Satelliten-Team gesegnet, musste er oft Teile erproben und die Rennwochenenden als Tests nutzen.

Fahrer: Jack Miller (Estrella Galicia 0,0 MarcVDS)
WM-Rang: 11
Punkte: 82 (-216)
Bestes Qualifying: 5. (1x, Australien)
Bestes Rennen: 6. (2x, Assen, Misano)

Kurz-Fazit: Am höchsten zu loben ist bei Jack Miller, dass er eine Grundkonstanz in seine MotoGP-Karriere gebracht hat – und scheinbar besonnener geworden ist. Nur noch vier Ausfälle hatte er zu verbuchen. Als Gesamt-Elfter kratzte er erstmals an den Top-Ten der Abschlusswertung, 82 Punkte hatte er noch nie auf dem Konto stehen. Seinen Vorjahres-Sieg aus Assen konnte er aber nicht wiederholen. Miller war klar das Aushängeschild im EG 0,0 Marc VDS Honda-Team, sammelte über vier Mal so viele Punkte, wie sein Teamkollege. Trotzdem sagt er Honda Goodbye und wechselt zu Ducati.

Fahrer: Tito Rabat (Estrella Galicia 0,0 MarcVDS)
WM-Rang: 19
Punkte: 35 (-263)
Bestes Qualifying: 10. (1x, Mugello)
Bestes Rennen: 10. (1x, Valencia)

Kurz-Fazit: Esteve "Tito" Rabat ist einer der fleißigsten und emsigsten Motorrad-Rennfahrer der Welt. Jeden Morgen, wenn er aufsteht, geht es direkt auf den Circuito Almeria. Manchmal auch tagsüber auf den Circuito de Andalucia – eine zweite Rennstrecke im gleichen Areal. Dann trainiert er auf seiner RC213-Straßenversion. Doch was in der Moto2 funktionierte – eine alte Honda CBR600, meist mit gebrauchten, verschlissenen Reifen – trug in der MotoGP wenig Früchte. In seiner zweiten Saison holte er nur sechs Punkte mehr als im Vorjahr und verbesserte sich in der Gesamtwertung auch nur von 21 auf 19. Auch Rabat hat sich daher ein neues Team gesucht und braucht einen Tapeten-Wechsel.

Verhaltene Zufriedenheit

Mit 12 von 18 möglichen Podesten ist Marc Marquez 2017 Weltmeister geworden. Der Repsol Honda Werkspilot sammelte aber auch drei Nuller. Seine schlechtesten Zielankünfte blieben ein sechster Platz in Mugello und zwei vierte Plätze in Katar und Malaysia. Am Ende aber musste er trotzdem bangen: Den Titel sicherte er sich erst beim Finale in Valencia. Als dort Widersacher Andrea Dovizioso stürzte, war der Käse gebissen.

Die Saison bei Marquez spiegelt aber auch wieder, wie schwierig es eigentlich für die Honda-Piloten war. Der Spanier stürzte insgesamt 27 Mal – und bestimmte zudem noch die Schlagzeilen mit seinen unzähligen Rettungsaktionen. Mehrfach lagen Marquez und Honda eigentlich schon am Boden, kein "Normalsterblicher" hätte bei diesen Aktionen einen Sturz verhindern können. Marquez aber schaffte das gefühlt noch viel mehr, als er tatsächlich auf der Nase lag. Und so krönte er den Abschluss seiner Saison auch mit einem Fast-Sturz, den er aber abfing. In Führung liegend, musste er volle Lotte durch das Kiesbett von Valencia. Er verlor den Sieg an Teamkollege Dani Pedrosa, wurde aber trotzdem noch Dritter. Ach. Und Weltmeister. Zum insgesamt sechsten Mal – mit gerade einmal 24 Jahren.

Übermäßige Lobeshymnen und Glückgefühle versprühen die kühlen Hondarianer aber nicht. "Wir sind ziemlich zufrieden mit der Saison", sagt Livio Suppo zusammenfassend. "Marc hat sechs Rennen gewonnen, Dani zwei und auch Cal war auf dem Podest. Wir sind Weltmeister. Natürlich, die meisten Punkte hat Marc geholt, aber auch Dani ist mit acht Podesten ein starker Fahrer gewesen."

So weit die analytische Zusammenfassung. Zu den Schwierigkeiten des Jahres hat Suppo nur eine kurze Anspielung parat. "Der Saisonbeginn war natürlich nicht so einfach. Aber ich denke, dass unsere Ingenieure einen guten Job gemacht und ordentlich entwickelt haben. Unsere Saison war daher nicht schlecht."

Fazit: Als "nicht schlecht" kann man das sicher so im Raum stehen lassen, schließlich hat Honda alle Weltmeister-Titel 2017 abgeräumt. Doch für den größten Motorradhersteller der Welt ist klar: Derzeit kann nur Marc Marquez das Limit der RC213V ausloten und in dessen Nähe fahren. Kein anderer kann mit diesem Motorrad kämpfen und angreifen. Vielleicht auch, weil es einem richtigen Chefentwickler fehlt. Daher wurde schon der erfahrene Cal Crutchlow in die Testaufgaben eingebunden, teilweise auch an Rennwochenenden selbst. Im kommenden Jahr wird es ähnlich bleiben. Marquez und Pedrosa besetzen das Werks-Team, Crutchlow bekommt bei LCR in Takaaki Nakagami einen Teamkollegen. Das EG 0,0 Marc VDS Team besetzt komplett um und holt Franco Morbidelli und Tom Lüthi in die MotoGP-Weltmeisterschaft.

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