MotoGP-Rücktritt von Andrea Dovizioso: So reagieren seine Fahrerkollegen

MotoGP-Kollegen äußern sich zum Rücktritt von Andrea Dovizioso und erinnern an seine Erfolge - "Fahrer wie er sollten mehr Würdigung bekommen"

MotoGP-Rücktritt von Andrea Dovizioso: So reagieren seine Fahrerkollegen
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Vergangene Woche bestätigte Andrea Dovizioso, dass er nach dem Grand Prix von San Marino zurücktreten wird. Zuvor war bereits lange über einen vorzeitigen Ausstieg des Italieners spekuliert worden, der bei RNF-Yamaha eine desaströse Saison erlebt. Nur zehn Punkte konnte er in zwölf MotoGP-Rennen sammeln.

Seine Fahrerkollegen zeigen Verständnis für die Entscheidung, erinnern aber vor allem an seine Erfolge. "Ich hatte nicht die Gelegenheit, mich ausführlich mit ihm zu unterhalten, aber er hat ein schwieriges Jahr", weiß Dovizosos Yamaha-Kollege Fabio Quartararo.

"Er war fast ein Jahr draußen, und wir wissen, wie schwierig es ist, wieder zurückzukommen. Man merkt, dass er es nicht wirklich genießen kann. Jetzt hat er diese Entscheidung getroffen, aber er kann auf eine unglaubliche Karriere zurückblicken", betont der Franzose. "Er hat 14 oder 15 MotoGP-Siege gefeiert, er hat also einiges erreicht. Ich wünsche ihm für die Zukunft nur das Beste."

MotoGP-Rookie und RNF-Teamkollege Darryn Binder schwärmt: "Er ist ein super cooler Typ und ich habe die Zeit mit ihm in der Box wirklich genossen. Immer wenn ich ihn nach Rat gefragt habe, war er zur Stelle und hat mir alles gut erklärt. Das weiß ich zu schätzen."

"Ich hoffe, dass er seine Zukunft genießen kann, was auch immer da kommt. Crutchlow in der Box zu haben, wird bestimmt auch cool werden", blickt Binder voraus. Denn die Yamaha von Dovizioso wird für die verbleibenden Saisonrennen Cal Crutchlow übernehmen.

Aleix Espargaro: Schade, dass seine Karriere so endet

Aprilia-Fahrer Aleix Espargaro kämpfte nicht nur mit Dovizioso auf der Strecke. Er setzte sich zeitweise auch dafür ein, dass er sein Teamkollege wird, nachdem der Italiener für Aprilia testete. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen dockte Dovizioso bei Yamaha, als es zum Zerwürfnis mit Maverick Vinales kam.

Während dieser bei Aprilia mittlerweile Erfolge feiert, zieht Dovizioso die Reißleine und tritt zurück. "Es ist schade, dass eine Karriere wie seine so endet", bedauert Espargaro.

"Aber wie Fabio schon sagte, ist es bei dem aktuellen Niveau sehr schwierig, nach einer Pause zurückzukommen und wieder konkurrenzfähig zu sein. Andrea war für mich und für jeden bei Aprilia ein gutes Vorbild. Ich wünsche ihm zwei gute letzte Rennen und dann viel Spaß beim Motocross", so der Spanier.

¿pbfsfs_1078|Fotostrecke: Die Karriere-Highlights von Andrea Dovizioso|http://www.motorsport-total.com/bilder/strecken/2015-karriere-dovizioso/1638373704_mst.jpgpb¿Vinales gesteht derweil, dass ihn Doviziosos Entscheidung "schon überrascht" habe. "Denn ich glaube, Andrea hat immer noch das Potenzial, vorne mitzufahren. Im richtigen Moment mit dem richtigen Bike könnte er immer noch an der Spitze mitmischen."

"Er war über die Jahre sehr konstant. Für mich war er immer einer der Fahrer, die am schwersten zu schlagen waren", hält Vinales fest. Auf die Frage, ob er sich mit Dovizioso über Yamaha ausgetauscht habe, sagt er:" Wir haben nicht so sehr darüber gesprochen, eher über Motocross, aber nicht über die MotoGP."

"Natürlich habe ich versucht, ihm den ein oder anderen Tipp zu geben. Jetzt, wo ich bei Aprilia fahre, spüre ich umso mehr, wie unterschiedlich die Motorräder sind. Es ist ein langwieriger Prozess", weiß der Aprilia-Pilot, der selbst lange gebraucht, sich umzustellen. Zuletzt trug die Arbeit aber Früchte.

Nicht so bei Dovizioso: Nach Jahren auf der Ducati kam er bei RNF-Yamaha auf keinen grünen Zweig - und sah am Ende wohl auch keine Chance auf eine baldige Besserung.

Marini: Fahrer wie Dovizioso verdienen mehr Würdigung

Luca Marini hat den Rücktritt deshalb kommen sehen. "Es lag schon in der Luft", sagt er. "Aber ich dachte, er würde nach Valencia gehen, nicht schon nach Misano. Aber es ist seine Entscheidung, und wenn alle Parteien damit einverstanden sind, ist das okay."

"Ich denke, für einen Fahrer, der gewinnen will oder in der Vergangenheit schon so viel gewonnen hat, ist es nicht einfach, diese Ergebnisse einzufahren. Es ist wahrscheinlich frustrierend. Das war es für mich in meinem ersten Jahr. Wie muss es dann erst für jemanden sein, der um Titel gekämpft hat", grübelt Marini.

"Andrea hat eine fantastische Karriere hinter sich. Vielleicht stand er nicht immer so im Rampenlicht, weil er keine große Show macht. Er ist ein sehr freundlicher, ruhiger Kerl. Das mag ich sehr. Ich finde, Fahrer wie er sollten mehr Würdigung bekommen."

Auch die Ducati-Piloten Francesco Bagnaia und Jack Miller bedauern seinen Rückzug. Sie beerbten ihn und Danilo Petrucci 2021 im Werksteam. "Nur er weiß, warum er sich so entschieden hat. Es muss einen guten Grund dafür geben, dass er in Misano aufhört", sagt Bagnaia. "Ich erinnere mich vor allem an seine tolle Karriere. Er war für Ducati extrem wichtig und immer ein großes Vorbild."

"Ein Jahr Pause, dann der Herstellerwechsel, ein neues Projekt - das ist nie einfach", gibt Miller zu bedenken. "Ich glaube, er hat bis hierher alles gegeben und versucht. Aber letzten Endes ist dieser Sport auch gefährlich und mit Stress verbunden. Wenn man ihn nicht genießen kann, hat es keinen Sinn weiterzumachen."

Und Suzuki-Pilot Alex Rins ergänzt: "Es ist sicherlich eine harte Entscheidung. Aber wenn er sich nicht mehr konkurrenzfähig fühlt, ist es besser aufzuhören. Für mich war Andrea immer eine Referenz. Er hat viele Rennen gewonnen und sich tolle Duelle geliefert."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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