MotoGP statt Superbike: Womit Toprak Razgatlioglu noch immer hadert
Toprak Razgatlioglu macht in der MotoGP sichtbare Fortschritte, doch ein Problem verfolgt ihn weiterhin - Wann ihn sein Superbike-Fahrstil immer noch einholt
Besonders in einer Situation verfällt Toprak Razgatlioglu in seinen Superbike-Stil
Foto: ©2026 ©2026
Der Fortschritt ist sichtbar, die Baustellen aber ebenso. Nach einem schwierigen Grand Prix in Barcelona und einem wetterbedingt verkürzten Montagstest zieht Toprak Razgatlioglu dennoch ein positives Fazit. Vor allem mit dem Medium-Reifen habe Yamaha einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.
"Heute bin ich glücklich, weil wir uns stark verbessert haben, besonders mit dem Medium-Reifen", erklärt der Türke. Vor allem beim Einlenken habe die Pramac-Yamaha gewonnen. "Und die Beschleunigung ist einfacher, weil ich früher ans Gas gehen kann."
Auch die Konstanz stimmte Razgatlioglu optimistisch. Ohne Windschatten fuhr er beim Test laut eigener Aussage mehrfach niedrige 1:40er-Zeiten. "Ich fahre 40:0, 40:1, 40:0 konstant mit dem Medium-Reifen und ohne jemandem zu folgen." Mit einem Vordermann seien sogar hohe 39er-Zeiten möglich gewesen.
Mit Soft-Reifen zurück im Superbike-Stil
Doch genau dort beginnt weiterhin sein größtes Problem: der Soft-Reifen. Denn obwohl der weichere Michelin nominell mehr Grip bietet, gelingt es Razgatlioglu bislang nicht, daraus den entscheidenden Vorteil über eine schnelle Runde zu ziehen.
"Als ich den Soft-Reifen montiert habe, bin ich dieselbe Rundenzeit gefahren", sagte er enttäuscht. Der Grund dafür liege weniger am Motorrad als an seiner eigenen Fahrweise.
Der dreifache Superbike-Weltmeister analysiert seine Schwierigkeiten bemerkenswert offen. Beim Vergleich der Daten mit Fabio Quartararo habe er erkannt, wo der Unterschied liegt: Quartararo nehme mit dem Soft deutlich mehr Kurvenspeed mit. "Ich versuche es auch, aber im Moment ist das sehr schwierig", gibt er zu.
Besonders interessant: Der Türke spürt selbst, wie sehr ihn jahrelange Superbike-Gewohnheiten noch beeinflussen. Sobald der Soft-Reifen montiert werde, ändere sich automatisch sein Ansatz auf dem Motorrad. "Mein Kopf verändert sich sofort. Ich fahre dann wieder ein bisschen im Superbike-Stil", erklärt er.
Statt hohe Kurvengeschwindigkeit mitzunehmen, konzentriere sich der 29-Jährige instinktiv auf Grip am Kurvenausgang und harte Beschleunigung. Genau das funktioniere mit den Michelin-Reifen in der MotoGP jedoch nur eingeschränkt.
"Mit diesen Michelin-Reifen musst du mehr Kurvengeschwindigkeit halten und den Gasgriff sanfter öffnen", erklärt Razgatlioglu. Sein natürlicher Stil sei das Gegenteil: Motorrad aufrichten, früh ans Gas und maximal beschleunigen. Deshalb arbeitet er intensiv daran, seine Fahrweise speziell für Quali-Runden anzupassen.
Quartararo als wichtige Yamaha-Referenz
Dass dieser Punkt entscheidend ist, habe ihm auch das Barcelona-Wochenende gezeigt: "Wenn du vorne startest, bleibst du normalerweise in der Spitzengruppe. Wenn du weiter hinten startest, ist es sehr schwierig, nach vorne zu kommen." Genau deshalb misst er dem Management des Soft-Reifens große Bedeutung bei.
Abgesehen davon sieht Razgatlioglu bereits klare Fortschritte. Vor allem das Niveau im Vergleich zu den anderen Yamaha-Piloten stimmt den Türken optimistisch. "Wir sind inzwischen sehr nah an den anderen Yamahas dran", sagt er zufrieden.
Besonders Quartararo dient dabei als Referenz. Der Franzose zeige nicht nur über ein oder zwei schnelle Runden seine Stärke, sondern halte das Tempo auch im Rennen konstant hoch - vor allem, weil er regelmäßig aus den ersten Reihen startet.
Auch Pramac-Teammanager Gino Borsoi erkennt die Entwicklung Razgatlioglus klar. Der Italiener betont allerdings, wie wichtig jede einzelne Testminute für den MotoGP-Rookie sei.
Wegen der Unterbrechungen in Barcelona sei wertvolle Zeit verloren gegangen. "Zeit auf der Strecke kann man nicht kaufen", weiß Borsoi. "Einen halben Testtag zu verlieren, ist keine gute Nachricht für Toprak." Denn gerade für ihn sei Fahrpraxis aktuell entscheidend, um einen Fahrstil weiter anzupassen.
Yamaha versuche, ihn dabei bestmöglich zu unterstützen und ihm die notwendigen Veränderungen zu vermitteln. Borsoi lobt seinen Fahrer dabei ausdrücklich: "Er ist ein sehr offener Typ mit einer offenen Denkweise. Er versucht wirklich, sich zu verändern."
Die Daten würden bereits zeigen, dass Razgatlioglu in einigen Streckenabschnitten inzwischen ähnlich unterwegs sei wie Quartararo. In anderen Bereichen bestehe dagegen weiterhin Lernbedarf. Besonders erleichtert ist Borsoi darüber, dass der Ex-Superbike-Pilot die Situation inzwischen vollständig akzeptiert habe.
"Vor zwei Rennen hat er verstanden, dass er sich an den anderen Fahrern orientieren muss, besonders an Fabio Quartararo", erklärt er. Seitdem konzentriere sich Razgatlioglu deutlich stärker darauf, die Hinweise der Ingenieure konsequent umzusetzen.
Dass die Umstellung enorm ist, überrascht im MotoGP-Paddock ohnehin kaum. Nach Jahren in der Superbike-WM gilt vor allem die Anpassung an die Michelin-Reifen, die Carbonbremsen und die fahrerischen Ansprüche eines Prototypenmotorrads als einer der größten Unterschiede beim Wechsel in die Königsklasse.
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