MotoGP-Test Barcelona: Regen stoppt Testarbeit, Martin erneut gestürzt
Eine weitere Schrecksekunde um Jorge Martin und ein vorzeitiges Ende durch Regen prägen den MotoGP-Test in Barcelona - Pedro Acosta markiert die Tagesbestzeit
Jorge Martin erlitt am Montag seinen sechsten Sturz in Folge in Barcelona
Foto: Getty Getty
Nur einen Tag nach dem turbulenten Grand Prix von Katalonien war die MotoGP am Montag erneut auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya im Einsatz. Beim offiziellen In-Season-Test sammelten die Hersteller letztmals während der laufenden Saison wichtige Daten für die Weiterentwicklung ihrer 2026er-Bikes.
Die Strecke war von 10 bis 18 Uhr freigegeben, gefahren wurde aber nur am Vormittag. Wegen einsetzenden Regens erklärten die Teams am Nachmittag vorzeitig als beendet.
Bei dem Montagstest handelte es sich um den letzten offiziellen Entwicklungstag in der laufenden Saison. Weitere geplante Tests in Brünn und am Red Bull Ring werden sich bereits primär auf die neuen technischen Regularien für 2027 konzentrieren.
Wer beim Barcelona-Test fehlte
Nach den zahlreichen Zwischenfällen des Rennwochenendes war das Teilnehmerfeld für den Test in Barcelona deutlich reduziert. Insgesamt waren nur 19 Fahrer im Einsatz.
Es fehlten Alex Marquez und Johann Zarco, die sich bei den Vorfällen im Grand Prix verletzt hatten und die Nacht im Krankenhaus verbringen mussten. Marquez erlitt einen Bruch des rechten Schlüsselbeins, der bereits operiert wurde. Zusätzlich diagnostizierten die Ärzte eine kleine Wirbelfraktur, die keine OP erfordert.
Auch Zarco musste nach einem Zwischenfall beim erneuten Re-Start pausieren. Dabei war sein Bein in Francesco Bagnaias Ducati eingeklemmt worden. Untersuchungen ergaben Knieverletzungen sowie einen kleinen Riss im Bereich des Knöchels.
Überraschend sagte zudem Fabio Di Giannantonio seine Teilnahme ab. Der Sieger des Katalonien-Grand-Prix entschied gemeinsam mit dem VR46-Team, sich auf die Regeneration bis zum Mugello-Wochenende vom 29. bis 30. Mai zu konzentrieren.
Di Giannantonio war am Sonntag ebenfalls in die Kollision zwischen Alex Marquez und Pedro Acosta verwickelt worden. Ein herumfliegendes Rad der Gresini-Ducati traf seine Maschine in Kurve 10, woraufhin er stürzte. Trotz der Beschädigungen kehrte der Italiener an die Box zurück, nahm den Re-Start auf und sicherte sich später mit einem späten Überholmanöver gegen Acosta seinen zweiten MotoGP-Sieg.
Ebenfalls nicht vor Ort war Marc Marquez. Der Ducati-Werksfahrer erholt sich weiterhin von seinen Verletzungen nach dem Frankreich-Grand-Prix. Nach Operationen an Fuß und Schulter bleibt offen, ob er in Mugello wieder einsatzfähig sein wird.
Ducati nur mit drei Stammfahrern
Die Ausfälle trafen insbesondere Ducati hart. Der Hersteller war am Montag in Barcelona nur mit Francesco Bagnaia, Franco Morbidelli und Rookie Fermin Aldeguer vertreten - also nur mit halber Stärke. Honda musste auf die Erfahrung von Zarco verzichten und setzte auf Luca Marini, Joan Mir sowie LCR-Rookie Diogo Moreira.
KTM war nach der Rückkehr von Maverick Vinales wieder komplett. Aprilia schickte ebenfalls alle vier Stammfahrer auf die Strecke. Yamaha war der einzige Hersteller, der zusätzlich einen Testfahrer einsetzte. Augusto Fernandez sammelte nach seinem Wildcard-Einsatz am Wochenende weitere Daten für das Werksteam.
Wer die Testbestzeit in Barcelona fuhr

Pedro Acosta führte das MotoGP-Feld beim verkürzten Test in Barcelona an
Foto: Rob Gray (Polarity Photo)
In der Vormittagssession setzte sich Acosta mit einer Bestzeit von 1:38.767 Minuten an die Spitze der Zeitenliste hier im Überblick. Dahinter folgten Quartararo mit nur 0,064 Sekunden Rückstand sowie Bastianini auf Rang drei. Dessen Tech3-KTM-Teamkollege Vinales belegte Rang vier. Raul Fernandez komplettierte die Top 5.
Die erste Ducati befand sich mit Aldeguer auf dem siebten Platz. Für Honda reihte sich Moreira an neunter Stelle ein. Die Top 10 trennten am Ende nur 0,552 Sekunden. Am Klassement ändert sich mangels gefahrener Runden am Nachmittag nichts mehr.
Was in Barcelona getestet wurde
Im Fokus standen vor allem Aerodynamik-Updates, Chassis-Vergleiche sowie Anpassungen im Elektronikbereich für die zweite Saisonhälfte. Viele Teams nutzten den Montag außerdem, um erste Entwicklungen für das 2027er-Projekt intern abzugleichen, auch wenn die offiziellen 2027-Reifentests erst später im Jahr stattfinden.
Für die Hersteller war der Barcelona-Test deshalb besonders wertvoll: Unter ähnlichen Bedingungen direkt nach einem Rennwochenende lassen sich neue Komponenten realitätsnah evaluieren und mit den Daten des Grands Prix vergleichen.
Allerdings wurde die Testarbeit durch den besagten Regen ab Mittag faktisch gestoppt. Die Bedingungen verschlechterten sich zusätzlich durch auffrischenden Wind, wodurch die Teams ihre Programme frühzeitig unterbrachen. So ging keiner der Hersteller in der Nachmittagssession noch einmal zurück auf die Strecke.
Rote Flagge nach schwerem Martin-Sturz
Für den ersten großen Zwischenfall des Testtags sorgte Jorge Martin. Um 11:27 Uhr wurde die Session unterbrochen, nachdem der Aprilia-Pilot in Kurve 7 schwer gestürzt war.
Fotografen an der Unfallstelle berichteten unmittelbar danach, dass Martin bei Bewusstsein gewesen sei und seine Arme sowie Beine bewegen konnte. Vorsorglich legten die Streckenposten dem Spanier jedoch eine Halskrause an, bevor er mit dem Krankenwagen ins Medical Center an der Strecke gebracht wurde. Um 11:40 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben und der Testbetrieb fortgesetzt.
Laut Informationen aus dem Aprilia-Lager blieb Martin "bei Bewusstsein und ruhig". Bei ersten Untersuchungen seien keine sichtbaren Frakturen festgestellt worden. Der härteste Einschlag soll den Ellbogen betroffen haben, weshalb weitere Untersuchungen im Krankenhaus angeordnet wurden. Auch dort gab es Entwarnung.
Aprilia-Teammanager Paolo Bonora deutete im Gespräch mit MotoGP.com an, dass der Sturz möglicherweise mit dem Vorderreifen zusammenhängen könnte: Der Reifen habe sich vermutlich noch nicht im optimalen Temperaturfenster befunden, wodurch Martin bereits bei minimalem Schräglagenwinkel gestürzt sei.
Nach seinem schweren Sturz meldete sich Martin später selbst zu Wort, gab über seine sozialen Netzwerke ein kurzes Update und zeigte sich erleichtert über seinen Zustand.
"Ich bin erneut dankbar, dass ich nach einem schweren Unfall unverletzt und sicher bin. Vielen Dank an die Ärzte an der Strecke, ihre Reaktion war beeindruckend", schrieb der Spanier zu einem Foto, dass ihn auf einer Liege mit Halskrause zeigt.
Sechster Sturz eines chaotischen Wochenendes
Der Crash am Montag war bereits Martins sechster Unfall des Wochenendes. Schon im ersten Freien Training am Freitag war der Spanier schwer gestürzt und hatte dabei eine leichte Gehirnerschütterung erlitten. Später folgte ein weiterer Crash im Training.
Am Samstag schaffte Martin zwar den Sprung aus Q1, konnte in Q2 jedoch wegen eines dritten Sturzes in den Kampf um die Pole nicht mehr eingreifen. Im Sprint stürzte er erneut.
Auch im Grand Prix am Sonntag blieb Martin nicht verschont: Nachdem er die beiden turbulenten Startphasen zunächst unbeschadet überstanden hatte, wurde er später von Raul Fernandez getroffen. Der erneute Unfall am Montag setzt damit das bislang schwierigste Saisonwochenende des Aprilia-Piloten fort.
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