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MotoGP wird globaler: Warum Europa künftig Rennen verlieren dürfte

Die MotoGP will globaler werden und dafür den Anteil außereuropäischer Rennen deutlich erhöhen - Dafür müssen traditionelle Europa-Rennen weichen

MotoGP wird globaler: Warum Europa künftig Rennen verlieren dürfte

Die MotoGP will nicht nur ihre Präsenz auf dem US-Markt, sondern weltweit steigern

Foto: Icon Icon

Die MotoGP will unter den neuen Eigentümern von Liberty Media weiter wachsen, aber nicht unbedingt dort, wo sie traditionell am stärksten ist. Während Europa seit Jahrzehnten das Zentrum der Motorrad-WM bildet, soll sich der Kalender in den kommenden Jahren deutlich internationaler aufstellen.

Carlos Ezpeleta, Sportdirektor der MotoGP, erwartet eine Annäherung an ein Verhältnis von 50 Prozent Europa und 50 Prozent Rennen außerhalb Europas. Damit steht der aktuelle Rennkalender vor einem grundlegenden Wandel. Denn bei maximal 22 Veranstaltungen im Jahr bedeutet mehr globale Präsenz zwangsläufig, dass einige etablierte europäische Rennen um ihren Platz kämpfen müssen.

"Wir sind in Spanien und Zentraleuropa überrepräsentiert", sagt Ezpeleta mit Blick auf die aktuelle Struktur des Kalenders. Wenn neue Destinationen hinzukämen, müssten deshalb zwangsläufig einige bestehende Veranstaltungen weichen.

50 Prozent Europa, 50 Prozent gobaler

Der Wandel ist von der MotoGP offenbar bewusst gewollt. Ezpeleta geht davon aus, dass sich das Verhältnis zwischen europäischen und außereuropäischen Veranstaltungen innerhalb weniger Jahre in Richtung 50:50 verschieben wird. Gleichzeitig sollen Märkte wie Großbritannien, die USA und Südostasien stärker entwickelt werden.

Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele neue Rennen in den Kalender zu bringen. Die MotoGP will in diesen Märkten dauerhaft präsent sein und eine Fanbasis aufbauen.

Genau deshalb sei es nicht ausreichend, in einer Region einmal im Jahr ein Rennen auszutragen und anschließend wieder zu verschwinden, erklärt Ezpeleta im Gespräch mit Autosport, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com. Wer einen Markt entwickeln wolle, müsse dort über das gesamte Jahr hinweg sichtbar sein. Der Kalender wird damit zu einem Instrument der globalen Markenstrategie.

22 Rennwochenenden sind oberes Limit

Das Problem: Der MotoGP-Kalender kann nicht unbegrenzt wachsen. Ezpeleta spricht von maximal 22 Veranstaltungen und macht deutlich, dass die unmittelbare Aufgabe darin bestehe, dieses begrenzte Platzangebot neu auszubalancieren.

Das heißt in der Konsequenz: Kommen neue Märkte hinzu, müssen andere Rennen weichen. Für die traditionellen europäischen Grands Prix ist das eine wichtige Entwicklung.

Denn ihre historische Bedeutung allein garantiert keine dauerhafte Zukunft. Die MotoGP will zwar an ihren großen und traditionsreichen Veranstaltungen festhalten und die Fans dieser Rennen nicht vor den Kopf stoßen. Gleichzeitig müsse die Meisterschaft aber dort wachsen, wo sie bislang noch nicht ausreichend präsent sei.

Was ein Grand Prix künftig leisten muss

"Wir wollen nicht davor zurückschrecken, dass wir eine größere globale Präsenz haben wollen", erklärt der Sportdirektor. Damit entsteht ein Konflikt zwischen Tradition und Expansion. In dem Zusammenhang besonders interessant sind die Kriterien, nach denen die MotoGP einen Standort bewertet.

Eine homologierte Rennstrecke bleibt selbstverständlich die Grundvoraussetzung. Darüber hinaus gewinnt aber die Frage an Bedeutung, was ein Grand Prix außerhalb des eigentlichen Rennens leisten kann. Ezpeleta nennt dabei sehr konkrete Kriterien.

Die MotoGP wolle "näher an großen Städten und wichtigen Flughäfen" sein und Wert auf "eine gute Hotel- und Hospitality-Infrastruktur" legen. Das Ziel sei, es den Fans einfacher zu machen. "Wenn sie an der Strecke sind, müssen wir ihnen nicht nur den besten Rennsport der Welt bieten, denn den haben wir bereits, sondern wir müssen ihnen auch das bestmögliche Erlebnis", betont Ezpeleta.

Das zeigt, wie sehr sich die Perspektive auf den Kalender verändert. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob eine Strecke gute MotoGP-Rennen ermöglicht. Sie lautet auch: Kann dieser Standort die MotoGP als Marke in einem neuen Markt voranbringen?

Sportlich bleibt die Qualität dabei nicht verhandelbar. Sicherheitsstandards und die Anforderungen an den Rennsport seien eine absolute Voraussetzung, so Ezpeleta. Erst danach kämen kommerzielle und strategische Überlegungen ins Spiel.

Ezpeleta stellt sich "Mini-Super-Bowls" vor

Doch es sollen nicht nur neue Rennen hinzukommen, auch die bestehenden sollen sich weiterentwickeln. Ezpeleta beschreibt die Vision, die 22 Rennen zu Veranstaltungen mit jeweils eigener Persönlichkeit zu machen. Er nennt es "Mini-Super-Bowls".

Die Fans sollen nicht nur auf der Strecke guten Rennsport erleben, sondern ein möglichst komplettes Event geboten bekommen. Ein Grand Prix wird damit zunehmend zu einem Produkt, das aus mehreren Komponenten besteht: Sport, Unterhaltung, Hospitality, Fan-Erlebnis, Stadt und globale Vermarktung.

Für bestehende Promoter bedeutet das allerdings nicht zwangsläufig das Aus. Die MotoGP will laut Ezpeleta auch in bestehende Veranstaltungen investieren und gemeinsam mit den Promotern daran arbeiten, das Fan-Erlebnis zu verbessern. Neue Rennen und die Weiterentwicklung bestehender Rennen sollen also parallel stattfinden.

Europa verliert, bleibt aber weiter wichtig

Trotz der geplanten geografischen Verschiebung will Ezpeleta die europäischen Traditionsveranstaltungen nicht grundsätzlich opfern. Viele dieser Rennen seien äußerst erfolgreich und hätten über Jahrzehnte dazu beigetragen, die MotoGP aufzubauen.

"Wir wollen unseren historischen Veranstaltungen und den großen Rennen, die so viele Menschen seit Jahrzehnten anziehen, treu bleiben", verspricht der Spanier.

Der Wandel soll eher schrittweise erfolgen und Europa auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil der MotoGP bleiben. Aber seine bisherige Dominanz wird kleiner. Neue Märkte bekommen mehr Gewicht, während innerhalb Europas vor allem Regionen mit besonders hoher Rennkonzentration unter Druck geraten könnten.

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