MotoGP-Zukunft: Liberty Media setzt auf Rennen in Stadtnähe
Mehr Rennen in Metropolnähe, bessere Infrastruktur, neue Märkte - Liberty Media CEO Derek Chang skizziert, wohin die Reise im MotoGP-Kalender gehen soll
Neue MotoGP-Rennen sollen in Stadtnähe entstehen
Foto: AFP
Am ersten Mai-Wochenende gastierte die Formel 1 auf dem Stadtkurs in Miami, der rund um das Hard Rock Stadium der Miami Dolphins führt. Im Zuge dieses Rennens berichtete das Sports Business Journal, dass Liberty Media mit dem Organisator des Rennens Gespräche darüber geführt haben soll, ob auf dieser Strecke auch ein MotoGP-Rennen möglich wäre.
Dass es diesbezügliche Überlegungen gibt, bestätigte auch Derek Chang, der CEO von Liberty Media, in einem Investorencall am 7. Mai. "Wir haben Interesse daran, Rennen in den USA hinzuzufügen", sagt Chang.
"Es wird Zeit brauchen, genau wie bei der Formel 1, aber wir sehen, dass es Nachfrage gibt und dass sich dort ein Markt entwickeln lässt." Im Formel-1-Kalender stehen mittlerweile drei Grands Prix in den USA.
Die MotoGP besucht nur Austin im US-Bundesstaat Texas. "Miami scheint ein naheliegender Ort zu sein, weil dort bereits eine Strecke vorhanden ist", sagt Chang mit Blick auf ein weiteres US-MotoGP-Rennen.
"Es gibt jedoch viele Dinge, die geklärt werden müssen, egal ob Miami oder eine andere Strecke, was die Eignung für die MotoGP betrifft. Das betrifft einerseits die Sicherheitsanforderungen, die sich von denen der Formel 1 unterscheiden."
"Andererseits stellt sich die Frage, welche Märkte aus kommerzieller Sicht sinnvoll sind. Aber das sind Gespräche, die wir mit Miami und auch mit anderen führen werden, um herauszufinden, welche US-Standorte für eine Expansion richtig wären."
2027 wird es zwei neue Rennen im MotoGP-Kalender geben. Einerseits ist die Rückkehr nach Buenos Aires in Argentinien geplant. Andererseits wird der Grand Prix von Australien von Phillip Island nach Adelaide verlegt.
Chang zufolge ist es für Liberty Media das mittelfristige Ziel, künftige Rennen in die Nähe von Metropolen zu verlegen. Im Formel-1-Kalender befinden sich die meisten Strecken in oder in unmittelbarer Nähe großer Städte.

Derek Chang bei seinem Besuch beim Jerez-Rennen
Foto: Getty Images Europe
"Was den MotoGP-Kalender angeht: Ich denke, unser erklärtes Ziel ist es, einige dieser Rennen näher an Städte zu bringen, wo wir die vorhandene Infrastruktur nutzen können."
"Sei es der Flughafen und die Anbindung für Langstreckenreisen, für uns selbst ebenso wie für die Fans, die aus dem Ausland anreisen, oder die Hotels, Restaurants und die allgemeine Erreichbarkeit. Das ist wichtig."
"Man sieht das bereits an den Rennen, die wir für nächstes Jahr angekündigt haben - sowohl in Buenos Aires als auch in Adelaide. Wir machen also bereits Fortschritte in dieser Richtung."
Chang betont Wichtigkeit der Traditionsstrecken
Trotzdem sagt der Liberty-CEO auch: "Allerdings möchte man natürlich auch nicht alle Rennen austauschen. Wir haben hier eine lange Tradition mit Rennen an vielen faszinierenden Orten. Es ergibt sehr viel Sinn, sie beizubehalten."
"Sie sind feste Bestandteile des Rennkalenders und bringen dem Sport und seiner Identität viel. In diesem Jahr war ich bereits in Austin und in Jerez, und später werde ich noch nach Mugello und Assen fahren."

EIn Hügel voller spanischer Fans in Jerez
Foto: Getty Images Europe
"Ich möchte mir wirklich ein gutes Bild davon machen, wie es sich an den verschiedenen Standorten anfühlt. Denn was wir schaffen wollen, ist ein Fan-Erlebnis, das fesselnd, aufregend, unterhaltsam und zugänglich ist."
"Es gibt also auch an Standorten, die wir vielleicht nicht verlagern werden, noch viel zu lernen, nämlich wie man sie verbessern kann. Es ist eine Mischung aus all dem, wenn wir über die Weiterentwicklung unseres Kalenders nachdenken", so Chang.
Verlust im ersten Quartal 2026
Am 7. Mai hat Liberty Media auch den Finanzbericht für das erste Quartal 2026 veröffentlicht. Der Gesamtumsatz der MotoGP stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent auf 94 Millionen US-Dollar.
Das lag vor allem an höheren Rennveranstaltungsgebühren, gestiegenen Sponsoreneinnahmen und neuen Strecken-Werbepartnern. Die drei Grands Prix in Thailand, Brasilien und den USA trugen maßgeblich zu diesem Wachstum bei.
Gleichzeitig stiegen jedoch auch die Betriebskosten deutlich, von 65 auf 78 Millionen US-Dollar. Das führt Liberty Media vor allem auf höhere Frachtkosten durch Kalenderänderungen und gestiegene Treibstoffpreise zurück.
Nach Abschreibungen und Amortisierungen verbuchte die MotoGP damit einen Verlust von 24 Millionen US-Dollar, was dem Ergebnis des ersten Quartals 2025 entspricht.
Trotz des Quartalsminus bleibt die finanzielle Gesamtlage der MotoGP solide: 2025 erzielte die Serie einen Jahresgewinn von 54 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 573 Millionen US-Dollar.
Carmelo Ezpeleta, der CEO der MotoGP Sports Entertainment Group, betonte, der Fokus liege weiterhin auf globalem Wachstum und auf Investitionen in alle kommerziellen Bereiche.
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