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Nach Barcelona-Unfällen: So soll die MotoGP jetzt sicherer werden

Vier Ansätze für mehr Sicherheit liegen nach Barcelona auf dem Tisch - Von der Startaufstellung bis zur Technik werden Änderungen intensiv diskutiert

Nach Barcelona-Unfällen: So soll die MotoGP jetzt sicherer werden

Die MotoGP will auf die Ereignisse in Barcelona reagieren

Foto: AFP

Die schweren Unfälle beim MotoGP-Rennen in Barcelona sind im Paddock weiterhin präsent. Am Donnerstag gab es im Rahmen des Grand Prix von Italien in Mugello Gespräche zwischen der Rennleitung, dem MotoGP-Promoter sowie den elf Teams, um die Ereignisse aufzuarbeiten und Vorschläge zu erörtern, wie der Sport künftig sicherer gemacht werden kann.

Beschlossen wurde noch nichts, jedoch wurden vier Maßnahmen vorgestellt, mit denen sich die Beteiligten nun intensiver befassen werden. Sie könnten bereits in der laufenden Saison umgesetzt werden.

Nach dem Rennen in Barcelona wurde kritisiert, ob der zweite Neustart, also der dritte Rennstart, nach den beiden schweren Unfällen überhaupt notwendig gewesen sei oder ob man den Tag hätte beenden sollen.

Laut Carlos Ezpeleta, dem Sportdirektor der MotoGP Sports Entertainment Group (MotoGP SEG), herrschte bei den Gesprächen in Mugello unter den Teams Einigkeit darüber, dass die Rennleitung in Barcelona regelkonform gehandelt hat.

"Gleichzeitig gibt es Dinge, die wir verbessern können und die wir gemeinsam mit den Teams bereits angefangen haben zu betrachten", sagt Ezpeleta während des ersten Trainings in der TV-Übertragung von MotoGP.com.

Größere Abstände in der Startaufstellung

"Ein Punkt ist die Startaufstellung selbst, ob es eine Möglichkeit gibt oder ob wir in Betracht ziehen sollten, größere Abstände zwischen den Fahrern zu lassen, damit sie beim Anbremsen von Kurve 1 mehr Raum zum Manövrieren haben."

"Es gibt die Tendenz, dies so schnell wie möglich umzusetzen, spätestens aber bis 2027. Eine Änderung der Startaufstellung ist natürlich ein sehr großer Eingriff in den Sport", sagt Ezpeleta.

Denn um die Abstände zwischen den Fahrern und Reihen zu vergrößern, muss jede Strecke geprüft werden, ob es von der letzten Kurve bis zur Startlinie genug Platz gäbe, um die Startaufstellung in die Länge zu ziehen.

Verbot der Holeshot-Systeme beim Start noch 2026?

"Ein weiterer Punkt betrifft die Holeshot-Systeme im Allgemeinen", spricht Ezpeleta den zweiten Aspekt der diskutierten Maßnahmen an. Diese Systeme sind im neuen technischen Reglement ab 2027 verboten.

"Daher geht es hier um die Frage: Können wir schon in diesem Jahr etwas unternehmen?" Bereits im Laufe des Frankreich-Rennwochenendes in Le Mans wurde über die Holeshot-Systeme diskutiert.

Jorge Martin bei Startübung

Werden die Ride-Height-Systeme beim Start verboten?

Foto: Getty Images Europe

Es gab den Vorschlag, das vordere und hintere Ride-Height-System beim Start auf drei Strecken zu verbieten: Le Mans, Silverstone und Phillip Island. Die Teams lehnten diese kurzfristige Änderung in Le Mans ab.

Bei diesen drei Strecken ist der Bremspunkt zur ersten Kurve nicht hart genug, sodass das Holeshot-System bei der Vordergabel nicht zuverlässig deaktiviert wird. Nach den Ereignissen in Barcelona hat offenbar ein Umdenken eingesetzt.

"Der Vorschlag und die Überlegungen beziehen sich grundsätzlich auf alle Strecken", sagt Ezpeleta über ein mögliches generelles Verbot der Systeme beim Start. "Die Überlegung, die jetzt bei den Herstellern liegt, betrifft alle Strecken."

Schutzabdeckung im Bereich der Hinterradschwinge

Beim Startunfall in Barcelona blieb Johann Zarco mit seinem linken Bein in der Ducati von Francesco Bagnaia hängen. Das Bein hatte sich beim Hinterreifen im Bereich der Schwinge verfangen. Zarco wurde mit der Maschine im Kiesbett herumgeworfen.

Deshalb wurde nun mit den Teams darüber diskutiert, ob man in diesem Bereich einen Schutz bei den Motorrädern montieren könnte, damit sich im Falle eines Unfalls keine Gliedmaßen mehr beim Motorrad verfangen können.

"Es gibt zwei Dinge am Motorrad, die wir uns genauer anschauen wollen", erläutert Ezpeleta die aktuellen Überlegungen. "Zum einen eine Art Schutz rund um das Hinterrad beziehungsweise den Bereich der Schwinge nach Johanns Sturz."

Johann Zarco, Luca Marini, Francesco Bagnaia

Johann Zarcos linkes Bein verfing sich in Bagnaias Motorrad

Foto: Getty Images Europe

"Leider ist Zarcos Unfall wahrscheinlich der eindrücklichste, den wir bisher gesehen haben, aber es war nicht das erste Mal, dass so etwas in unserem Sport passiert ist. Deshalb ist es ein Thema, das wir unbedingt genauer betrachten wollen."

"Es liegt jetzt bei den Herstellern, aber nach dem, was wir am Donnerstag gehört haben, scheint es nicht unrealistisch zu sein, eine Lösung zu finden. Die Gespräche waren also positiv."

Warnsignale bei technischem Problem

"Zum anderen geht es darum, bei einem Defekt am Motorrad, wie es bei Pedro [Acosta] der Fall war, eine Warnung für nachfolgende Fahrer auszugeben, die sich diesem Bereich nähern."

"Im Fall von Alex [Marquez] hätte das wahrscheinlich nicht viel geändert, weil er Pedro sehr, sehr nah war", räumt Ezpeleta ein, "aber in anderen Situationen könnte das durchaus einen Unterschied machen."

Carlos Ezpeleta

Carlos Ezpeleta berichtet von vier diskutierten Maßnahmen

Foto: Lucas Pripfl / Red Bull Ring

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob und wann diese Vorschläge umgesetzt werden. Nach der zahlreichen Kritik in Barcelona bekräftigt Ezpeleta dennoch, dass die Sicherheit bei allen Beteiligten oberste Priorität hat.

"Wir haben bereits viel erreicht, wollen aber noch weiter gehen. Für uns ist es so, dass es im nächsten Jahr mit den neuen Regeln einen großen Schritt in diese Richtung geben wird."

"Das betrifft nicht nur die Sicherheit, die oberste Priorität hat, sondern auch den Sport selbst, der dadurch noch besser werden soll. Darauf freuen wir uns alle. Es ist schon viel passiert, aber es gibt immer noch viel zu tun. An einem Wochenende wie diesem ist es besonders wichtig, dass wir genau diese Gespräche führen."

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