Nach Gipfeltreffen: Keine Einigung für "Concorde-Abkommen" der MotoGP
Beim Grand Prix in Austin scheiterte ein Gipfeltreffen zwischen den MotoGP-Herstellern und Liberty Media - Keine Einigung für neuen Rahmenvertrag
Es gibt weiterhin keine Einigung beim kommerziellen Vertrag
Foto: Getty Getty
Am Morgen vor dem Grand Prix der USA in Austin fand ein Gipfeltreffen zwischen der Führungsriege der MotoGP-Weltmeisterschaft und den Herstellern statt, um die kommerzielle Vereinbarung für den Zeitraum von 2027 bis 2031 zu besprechen. Eine Einigung scheiterte in erster Linie an finanziellen Differenzen.
Auf dem Circuit of The Americas (COTA) fallen die wichtigsten Entscheidungen zumeist im Erdgeschoss des Gebäudes, in dem sich die Boxen befinden. Die meisten Büros dort haben Fenster zum Fahrerlager.
Am Sonntag, wenige Stunden bevor Marco Bezzecchi die makellose Siegesserie seit Saisonbeginn fortsetzte, waren alle Fenster geöffnet, bis auf eines. Dort versperrte eine Gardine neugierigen Blicken die Sicht und verbarg, wer sich dahinter befand.
In diesem Raum hofften die höchsten Verantwortlichen, den kommerziellen Rahmen für die nächsten fünf Jahre abzustecken, zumindest durch einen symbolischen Handschlag zwischen den Herstellern (MSMA) und der MotoGP Sports Entertainment Group (MSEG).
Motorsport.com Spanien, eine Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, erfuhr jedoch, dass die Kluft zwischen beiden Seiten zu diesem Zeitpunkt zu groß für eine Einigung war.
Die Angelegenheit bleibt ungeklärt. Die Verhandlungen müssen wiederaufgenommen werden. Sie ziehen sich bereits seit mehr als einem Jahr hin. Der vorliegende Vertrag wird alle Teams der Königsklasse mit Liberty Media, dem Rechteinhaber, für den Zeitraum von 2027 bis 2031 binden.
Er wird die Rechte und Pflichten beider Seiten festlegen, wobei die finanziellen Bedingungen der größte Streitpunkt zwischen den Beteiligten sind. Die Teams fordern die Einführung des Formel-1-Modells, also eine prozentuale Gewinnbeteiligung.

Carmelo Ezpeleta (links) und Derek Chang (rechts) in Austin
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
MSEG möchte hingegen am bisherigen Muster festhalten, das feste Zahlungen vorsieht, unabhängig von den Gesamteinnahmen. Der jüngste Vorschlag belief sich auf rund acht Millionen Euro, die sich auf verschiedene Vergütungskomponenten verteilen.
Das entspricht einem Anstieg von knapp einer Million Euro gegenüber dem aktuellen Vertrag, der Ende des Jahres ausläuft. Die Teams halten diese Erhöhung für unzureichend und haben das bislang sowohl Carmelo Ezpeleta als auch Carlos Ezpeleta unmissverständlich mitgeteilt.
Treffen mit Liberty-CEO Chang führt zu keiner Einigung
Am Sonntag in Austin richteten sie diese Botschaft auch an die höchsten Verantwortlichen von Liberty Media, angeführt von CEO Derek Chang. Dieses Treffen könnte einen Stimmungswandel in dem bisher festgefahrenen Prozess markieren.
Die Situation hat sich deshalb so zugespitzt, weil die Hersteller diesen Moment als einzigartige Gelegenheit erkannt haben, ihre Forderungen durchzusetzen, und zwar nicht nur, weil der laufende Vertrag in acht Monaten ausläuft.
Hinzu kommt die besondere Lage, in der sich die Weltmeisterschaft nach der Übernahme durch Liberty Media befindet. Bislang hat sich die Führungsebene des Entertainment-Konzerns weitgehend aus den operativen Entscheidungen herausgehalten.

Die Vertreter der Hersteller nach dem Treffen mit Derek Chang
Foto: Oriol Puigdemont
Dennoch gibt es im Fahrerlager die verbreitete Ansicht, dass sich das nach der Unterzeichnung des neuen Vertrags ändern könnte. Dieser gilt als das Äquivalent zum "Concorde-Abkommen" der Formel 1.
Im Bewusstsein der Bedeutung des Sonntags-Treffens in Austin trafen sich die MSMA-Mitglieder am Samstag zuvor zu einem gemeinsamen Abendessen. Das Treffen wurde von Ducati initiiert und von Aprilia organisiert. Jede Marke entsandte mehrere Vertreter.
Besonders hervorzuheben sind Michele Colaninno (CEO der Piaggio-Gruppe), Claudio Domenicali (CEO von Ducati) und Gottfried Neumeister (CEO von KTM).
Honda entsandte Yuzuri Ishikawa (Leiter MotoGP) und Alberto Puig (Teammanager), während Paolo Pavesio (Direktor) die Delegation von Yamaha anführte. Bei diesem inoffiziellen Treffen wurde die Strategie für das entscheidende Gespräch am nächsten Morgen festgelegt.
Das Treffen am Sonntag begann um 11 Uhr und dauerte rund eine Stunde. Kurz nach Mittag, etwa zwei Stunden vor dem Start des MotoGP-Rennens, verließen die Herstellerchefs die Büros und bildeten einen Kreis, für alle sichtbar im Fahrerlager, wo sie gut 20 Minuten lang die Lage diskutierten.
Positionen sind weit auseinander
Motorsport.com Spanien geht davon aus, dass die MSMA den aktuellen Vertragsentwurf für inakzeptabel hält, da er eine Reihe von Einschränkungen enthält. Neben den oben genannten finanziellen Bedingungen gibt es auch andere Klauseln zur Eigentümerschaft der Startplätze.
Dazu zählt auch der Handlungsspielraum bei der Vergabe der Startplätze, vor allem beim möglichen Einstieg von Investoren. Der finanzielle Aspekt zieht sich naturgemäß durch alle Bereiche der laufenden Debatte.
Im Bereich der Verpflichtungen fordert MSEG von den Teams, ihre Marketing- und Kommunikationsabteilungen zu stärken, um die Reichweite der Meisterschaft so weit wie möglich auszubauen.
Neben der Forderung, hierfür mehr Personal einzustellen, werden die Teams auch dazu aufgefordert, echte, funktionsfähige MotoGP-Prototypen für Promotion-Veranstaltungen bereitzustellen.
Darüber hinaus werden die Teams auf der kommerziellen Seite dazu aufgefordert, das Niveau ihrer Gästebetreuung zu heben. Das betrifft vor allem jene Teams, die bei Überseerennen Gemeinschaftsrestaurants nutzen.
"Der Vorschlag, der uns derzeit vorliegt, sieht eine Erhöhung von einer Million Euro vor, und alles, was man von uns verlangt, kostet bereits deutlich mehr als das", sagt eine Quelle, die mit den Verhandlungen vertraut ist, gegenüber Motorsport.com Spanien.
Unter diesen Umständen ist es dennoch der Wille des Promoters, der Hersteller und der unabhängigen Teams, eine Einigung zu erzielen, denn alle wollen 2027 an den Start gehen. Zuerst muss die MSMA, die die Motorräder liefert, mit MSEG unterzeichnen.
Danach kommen die übrigen Teams an die Reihe. Es bleibt abzuwarten, ob die Protagonisten dieses Aufeinandertreffens letztlich in der Lage sein werden, einen gemeinsamen Mittelweg zu finden, oder ob jemand von höherer Stelle eingreifen muss, um den Knoten zu lösen.
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