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Nach Kollision mit Mir: Bastianini kritisiert Strafe als zu hart

Enea Bastianini hält seine Strafe nach der Kollision mit Joan Mir für überzogen - Der Honda-Pilot vermutet indes einen Zusammenhang mit seinem späteren Sturz

Nach Kollision mit Mir: Bastianini kritisiert Strafe als zu hart

Enea Bastianini schickte Joan Mir nach seiner Rückkehr auf die Strecke weit

Foto: Gold Gold

Der Grand Prix von Ungarn auf dem Balaton Park Circuit bot auch abseits des Kampfes um den Sieg reichlich Gesprächsstoff. So sorgten neben dem Startunfall auch eine umstrittene Kollision zwischen Enea Bastianini und Joan Mir sowie die daraus resultierenden Strafen für Diskussionen im Fahrerlager.

Bereits in der ersten Kurve hatte ein Massensturz um Jorge Martin mehrere Spitzenfahrer aus dem Rennen gerissen. Unter anderem schieden WM-Leader Marco Bezzecchi, Raul Fernandez und Fermin Aldeguer aus, während Martin später für den Vorfall mit einer Doppel-Long-Lap-Strafe für das nächste Rennen belegt wurde.

Vor diesem Hintergrund witterte Joan Mir eine große Chance auf wichtige Punkte. Der Honda-Werksfahrer befand sich im Rennen aussichtsreich im Mittelfeld, ehe ihn eine Berührung mit Bastianini aus seinem Rhythmus riss.

Bastianini: "Es war ein verrücktes Rennen"

Auch der Tech3-KTM-Pilot befand sich trotz der turbulenten Anfangsphase in einer guten Ausgangsposition. Als er den Unfall in Kurve 1 sah, rechnete er zunächst mit einer Unterbrechung. "Ich dachte an eine rote Flagge, weil ich viele Fahrer am Boden gesehen habe. Aber letztlich sind wir weitergefahren."

Bastianini hatte das Gefühl, um ein starkes Resultat kämpfen zu können, ehe ihm in der Schlusskurve ein Problem mehr oder weniger das Rennen ruinierte. Nach einem heftigen Wackler des Motorrads schoss der Italiener ohne ausreichende Bremswirkung in Richtung Kurve 1 und fuhr geradeaus. Beim Zurückkehren auf die Strecke kam es dann zur folgenschweren Szene mit Honda-Konkurrent Mir.

"Ich sah Joan, aber da war es schon zu spät. Ich habe ihn berührt und dann die Long Lap bekommen", schildert er. Anschließend wurde sein Rennen endgültig kompliziert.

Im Bemühen, verlorene Positionen zurückzuholen, kürzte der Tech3-Pilot eine Schikane ab. Zwar gab er den Platz an Toprak Razgatlioglu wieder zurück, doch nach Ansicht der Rennleitung hatte er den dadurch erzielten Vorteil nicht ausreichend kompensiert. Die Folge: eine weitere Long Lap. "Es war ein verrücktes Rennen."

Kritik an der Bestrafung: "War zu viel"

Vor allem die erste Strafe stößt Bastianini im Nachhinein sauer auf. Aus seiner Sicht hätten die Rennkommissare milder reagieren müssen. "Für mich war die Long-Lap-Strafe zu viel", betont er. "Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, eine Position abzugeben. Für mich wäre das die richtige Strafe gewesen."

Als Argument führt der Tech3-Pilot an, dass Mir durch die Berührung zunächst nicht gestürzt sei. Zudem sei er beim Wiedereinfädeln bereits vor dem Honda-Fahrer gewesen.

"Ich habe sein Motorrad nicht gesehen. Als ich ihn gesehen habe, habe ich versucht, ihn nicht zu berühren", erklärt Bastianini. Zwar räumte er den Kontakt ein, bezeichnet die Sanktion aber als überzogen. "Für mich war das ein Rennzwischenfall."

Dabei verweist Bastianini auf eine insgesamt strengere Linie der MotoGP-Stewards. "Dieses Jahr haben wir viele Strafen gesehen. Das ist der neue Standard", meint der Italiener.

Mir vermutet Zusammenhang mit Sturz

Mir bewertet die Situation naturgemäß anders als sein Kontrahent. Zwar verzichtet der Honda-Pilot auf persönliche Vorwürfe gegen Bastianini, deutet jedoch an, dass die Kollision möglicherweise entscheidend für seinen späteren Ausfall war. Denn ein Sturz in Kurve 11 riss ihn elf Runden vor Schluss aus dem Rennen.

"Das Motorrad war ziemlich beschädigt", sagt der Weltmeister von 2020. Besonders eine Fußraste habe sich nach dem Kontakt gelockert. "Wir müssen uns das anschauen, denn der Sturz war ziemlich seltsam", vermutet der Spanier einen Zusammenhang mit dem Schaden. "Ich glaube, dass ich deshalb gestürzt bin."

Dabei lief das Rennen für Mir bis dahin trotz einiger Probleme durchaus vielversprechend. Zwar sie er wegen eines Reifendruckalarms an der Front nicht in der Lage gewesen, die Fahrer vor ihm ernsthaft anzugreifen. Der zu hohe Vorderreifendruck habe Überholversuche "schwierig oder unmöglich" gemacht. Dennoch sah Mir nach den Ausfällen zahlreicher Spitzenfahrer eine seltene Gelegenheit.

"Es war eine gute Chance, viele Punkte mitzunehmen", sagt er. Durch die Ereignisse in der ersten Runde seien mehrere schnelle Fahrer früh ausgeschieden, wodurch sich das Klassement geöffnet habe. "Doch wir haben diese Chance nicht genutzt."

Kleiner Hoffnungsschimmer bei Honda

Ganz ohne positive Erkenntnisse reist Mir allerdings nicht aus Ungarn ab. Gemeinsam mit seinem Team habe er eine wichtige technische Frage beantworten können.

Honda war zuletzt mit einer veränderten Abstimmung der Frontgabel unterwegs gewesen, die in Barcelona zunächst vielversprechend funktioniert hatte. In Mugello und nun auch in Ungarn erwies sich dieses Set-up jedoch als weniger effektiv. Deshalb kehrte das Team im Rennen zur bisherigen Standardkonfiguration zurück.

Der Unterschied sei deutlich spürbar gewesen, berichtet Mir. Das Motorrad habe ihm wesentlich mehr Vertrauen für die Front vermittelt. "Es war mit Abstand besser", sagt er. "Ich konnte die Vorderradgabel nach Belieben und mit mehr Selbstvertrauen beanspruchen." Das sei aber auch das einzig Positive gewesen.

Trotz des Frusts über den Ausfall plant Mir keine Aussprache mit seinem italienischen Rivalen. Auf die Frage, ob ein Gespräch mit Bastianini nötig sei, antwortet er knapp: "Nein, die Strafe ist okay. Das Gespräch muss mit der Rennleitung geführt werden."

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