Nach Mugello-Triumph: Technikchef erklärt, was Aprilia so stark macht
Laut Fabiano Sterlacchini, dem Technikchef bei Aprilia, ist die große Stärke der RS-GP26 nicht die ultimative Performance, sondern etwas anderes
Totaler Trimph für Aprilia in Mugello: P1 für Marco Bezzecchi, P2 für Jorge Martin
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Die Aprilia RS-GP26 ist bislang klar das dominierende Motorrad in der MotoGP-Saison 2026. Von den insgesamt 14 Rennen (sieben Grands Prix und sieben Sprints) hat die aktuelle Aprilia deren acht gewonnen. WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi siegte in vier Grands Prix, Teamkollege Jorge Martin gewann einen Grand Prix und zwei Sprints. Hinzu kommt ein Sprint-Sieg von Raul Fernandez auf der RS-GP26 des Trackhouse-Teams.
Am vergangenen Wochenende stand für Aprilia das Heimspiel auf dem Programm, der Grand Prix von Italien in Mugello. Dort gab es für den Hersteller aus Noale Siege in beiden Rennen. Im Sprint am Samstag setzte sich Trackhouse-Pilot Fernandez durch, im Grand Prix am Sonntag feierte Bezzecchi den umjubelten ersten Heimsieg für sich selber und auch das Aprilia-Werksteam. Teamkollege Martin machte mit P2 den Triumph komplett.
Wie Aprilia-Technikchef Fabiano Sterlacchini erklärt, war der Grund für die starke Performance am Italien-Wochenende nicht etwa ein spezielle Mugello-Abstimmung oder eine ganz gezielte Herangehensweise im Team, die nur auf Mugello zugeschnitten gewesen wäre. Vielmehr sieht der Technikchef die große Stärke von Aprilia in einem anderen Bereich.
"Ein Tropfen macht noch keinen Ozean, aber ..."
"Ich werde nicht müde zu sagen, dass es extrem wichtig ist, keinen einzelnen Aspekt außer Acht zu lassen", sagt Sterlacchini und erklärt, was er damit meint: "Natürlich versuchen wir, jegliche Schwachstellen des Motorrads auszumerzen. Aber gleichzeitig versuchen wir, die Arbeitsweise an den Rennwochenenden zu verbessern, denn das ist ein ganz wichtiger Punkt."

Fabiano Sterlacchini weiß, wann Details wichtig sind - und wann nicht
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"Manchmal läuft es für uns am Freitag nicht fantastisch. Dann aber sind wir in der Lage, dank unserer Meetings, unserer Analysen, unserer Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Fahrer, dessen Fahrstil und die Einstellungen des Motorrads, wie beispielsweise Elektronik, zu verfeinern."
"Die Philosophie ist am Ende des Tages immer die gleiche", sagt der Aprilia-Technikchef. Nämlich? "Ein Tropfen macht noch keinen Ozean, viele Tropfen aber durchaus. Deshalb versuchen wir, an einem Rennwochenende so viele Tropfen wie möglich zu finden."
Gute Balance wichtiger als "etwas Extremes für eine Strecke"
Speziell auf das Streckenlayout in Mugello hat man die RS-GP26 genau aus diesem Grund eben nicht entwickelt. Denn Sterlacchini, der vor seinem Andocken bei Aprilia der Technikchef bei KTM war, weiß genau, dass "das Wichtigste im Motorradrennsport eine gute Basis ist, von der sich arbeiten lässt".
"Und das heißt eben auch, dass man gewisse Modifikationen auch mal ablehnen muss, nämlich dann, wenn sie nur auf dem Layout oder dem Gripniveau einer bestimmten Strecke basieren. Ein Stop-and-Go-Kurs kann natürlich niemals das Gleiche erfordern wie etwa eine Strecke wie Mugello. Ebenso verlangt das Gripniveau auf einer Strecke wie Barcelona oder beispielsweise Jerez nach ganz eigenen Modifikationen."
Solche Modifikationen werden bei Aprilia zwar nicht gänzlich außer Acht gelassen. Sie fließen aber nur bedingt in die Gesamtentwicklung des Motorrads ein. Denn "eine meiner Missionen, als ich zu Aprilia gekommen bin, war es, ein Motorrad zu haben, das überall konkurrenzfähig ist", sagt Sterlacchini.

Mit der RS-GP26 ist Aprilila derzeit die bestimmende Kraft im MotoGP-Feld
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"Und deshalb versuchen wir gar nicht erst, etwas Extremes zu finden, das uns auf einer Strecke extrem stark abschneiden lässt. Stattdessen arbeiten wir daran, auch Defizite zu akzeptieren, wenn es notwendig ist", so der Aprilia-Technikchef.
"Jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung treffen, treffen wir sie mit der Vision, mit dem Blick auf das große Ganze im Hinterkopf. Es geht um die Saison als Ganzes und darum, ein Motorrad zu haben, das so gut ausbalanciert wie möglich ist", erklärt Sterlacchini.
Was Aprilia-CEO Massimo Rivola am meisten Genugtuung verschafft
Massimo Rivola geht derweil schon einen Schritt weiter. Der CEO von Aprilia stellt nach dem ersten Heimsieg der Marke aus Noale in der Königsklasse zufrieden heraus: "In meinen Augen ist das die Bestätigung dafür, dass wir jetzt auf mehr oder weniger jeder Strecke stark sind. Wir haben zwei hervorragende Fahrer, die jeder sich für sich ihre eigenen Stärken und ihre eigenen Lieblingsstrecken haben. Das lässt mich mit Zuversicht nach vorn blicken."

Marco Bezzecchi (re.) und Jorge Martin (li.) liegen auch in der WM auf P1 und P2
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"Aber", so Rivola weiter, "wir erinnern uns selber immer wieder daran, mit beiden Füßen auf dem Boden zu blieben und die Arbeit Tag für Tag zu erledigen. Nachdem wir hier noch am Freitag nicht mit einen solchen Ergebnis gerechnet hatten, wie wir es dann am Sonntag eingefahren haben, kann ich Fabiano und dem Team nur gratulieren".
"Sie haben, gemeinsam mit den Fahrern, einen großartigen Job gemacht. Oftmals sind wir nicht von Beginn an die Stärksten, aber am Ende zahlt sich harte Arbeit eben doch aus. Das ist es, was mir persönlich am meisten Genugtuung verschafft", so Rivola.
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