Nach Todesfällen: FIM passt Mindestalter und Starterfelder ab 2022 an

Nach dem Unfalltod von drei Nachwuchsfahrern innerhalb kurzer Zeit reagiert die FIM mit einem Maßnahmenkatalog: höhere Mindestalter, kleinere Starterfelder

Nach Todesfällen: FIM passt Mindestalter und Starterfelder ab 2022 an

Nach den jüngsten Todesfällen in Nachwuchsserien hat der Motorrad-Weltverband FIM erste Maßnahmen ergriffen und angekündigt, die Mindestaltersgrenzen für seine Meisterschaften anzuheben sowie die Anzahl der Teilnehmer zu reduzieren.

Damit reagiert der Verband auf zwei der größten Kritikpunkte, die zuletzt in den Vordergrund rückten: das junge Einstiegsalter der Fahrer und die großen Starterfelder.

Jason Dupasquier (Moto3), Hugo Milan (European Talent Cup) und Dean Berta Vinales (Supersport-300-WM) kamen innerhalb von vier Monaten bei Zwischenfällen auf der Rennstrecke ums Leben. Sie stürzten im Pulk und wurden von nachfolgenden Fahrern überrollt, die nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnten.

Mindestaltersgrenzen ab 2022 sukzessive angehoben

Dabei wurden Duspasquier, Milan und Vinales nur 19, 14 und 15 Jahre alt. Das schürte den Ruf nach Änderungen im Juniorenbereich. Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, um mögliche Maßnahmen zu diskutieren. Am Freitag gab das Ständige Büro, das sich aus der Dorna und der FIM zusammensetzt, die Ergebnisse bekannt.

In einem offiziellen Pressestatement heißt es: "Die Anhebung des Mindestalters für jede Kategorie des Motorradrennsports ist eine Entscheidung, die getroffen wurde, um allen Fahrern, die ihre Karriere beginnen oder fortsetzen, einen sichereren Weg zu ebnen."

Das bedeutet konkret: In den Talent-Cup-Serien, die von der Dorna organisiert oder unterstützt werden (European, British, Northern und Asia Talent Cup), sowie der Moto3-Junioren-Weltmeisterschaft und dem Red Bull Rookies Cup wird das Mindestalter für die nächste Saison 2022 um jeweils ein Jahr angehoben:

- Talent Cups: von 12 auf 13

- Red Bull Rookies Cup: von 13 auf 14

- FIM Moto3 Junior: von 14 auf 15

Dieselbe Maßnahme greift in der Supersport-300-WM: Hier steigt das Mindestalter von 15 auf 16 Jahre. All das gilt freilich nur für Neueinsteiger: "Für die Saison 2022 wird eine Ausnahmeregelung für Fahrer gelten, die bereits 2021 in derselben Klasse an den Start gegangen sind, damit sie weiterhin Rennen fahren können."

Ab 2023: WM-Neueinsteiger müssen 18 Jahre alt sein

In der Moto2 und Moto3 bleibt das Eintrittsalter in der nächsten Saison unverändert bei 16 Jahren. In einem zweiten Schritt soll aber nachgebessert werden, sodass das Mindestalter dann auch hier ansteigt, und das sogar um zwei Jahre.

Denn ab 2023 wird das Mindestalter für Teilnehmer in allen Klassen der Motorrad-WM auf 18 Jahre angehoben. Ausnahmen gibt es für die Gewinner der Junioren-WM und des Rookies Cups, die schon mit 17 Jahren Moto3 fahren dürfen.

 

Auch in der Supersport-WM wird die Altersgrenze ab 2023 von 16 auf 18 Jahre korrigiert. Die Supersport-300-WM bleibt hingegen bei 16, während das Mindestalter in den Cups um ein weiteres Jahr erhöht wird. In der Moto3-Junioren-WM (und der Moto2-Europameisterschaft) greift dann ein Einstiegsalter von 16 Jahren.

Was die Größe der Starterfelder betrifft, sind in den Talent Cups ab 2022 maximal 30 Teilnehmer erlaubt. Bei den Moto3-Junioren und in der Supersport-300-WM dürfen maximal 32 Fahrer mitmachen. Zum Vergleich: Am Rennen, in dem Dean Berta Vinales um Leben kam, nahmen mehr als 40 Fahrer teil.

Ausrüstung und Kommunikation sollen besser werden

Auch in Sachen Ausrüstung der Fahrer hat die FIM nachgebessert. So werden ab 2022 Airbags in allen FIM-Meisterschaften Pflicht sein. Bisher waren Airbags nur für die drei WM-Klassen obligatorisch. Eine Pflicht wurde 2018 eingeführt.

Zudem fand nach dem Aragon-Grand-Prix ein Treffen zwischen allen Partnern, darunter auch Leder- und Helmlieferanten, technisches und medizinisches Personal, statt, um über weitere Verbesserungen zu sprechen. Der Fokus lag auf dem Schutz vor einem Aufprall durch einen anderen Fahrer oder ein anderes Motorrad.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Kommunikation mit den Fahrern. Um ihnen so schnell wie möglich mitzuteilen, dass es zu einem Unfall gekommen ist, soll die Technologie weiterentwickelt werden mit dem Ziel, "automatische, nahezu sofortige Warnsysteme für alle nachfolgenden Fahrer/Motorräder einzuführen".

"Die ersten Tests werden bereits zu Beginn der Saison 2022 beginnen, und das System muss und wird für Meisterschaften aller Ebenen, einschließlich Talent Cups, anwendbar sein."

FIM-Präsident Jorge Viegas zeigt sich angesichts der Maßnahmen zufrieden. "Unsere oberste Priorität ist es, die Sicherheit für alle - in diesem Fall junge - Fahrer zu erhöhen", sagt er gegenüber 'MotoGP.com'. Zwar könnten gewisse Unfälle nicht verhindert werden. Ziel sei es aber, die Wahrscheinlichkeit solcher Unfälle zu verringern.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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