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Neue Aprilia-Aero: Technikchef scherzt über "Haltegriffe" an der RS-GP26

Aprilia-Technikchef Fabiano Sterlacchini erklärt, was es mit den "Haltegriffen" auf sich hat - Jorge Martin spricht nach Jerez-Test von deutlichen Fortschritten

Neue Aprilia-Aero: Technikchef scherzt über "Haltegriffe" an der RS-GP26

Aprilia RS-GP26 mit neuer Aero im Bereich der Windschutzscheibe

Foto: Germán Garcia Casanova

Aprilia belegte beim MotoGP-Test am Montag in Jerez die ersten drei Positionen der Zeitenliste. Mehr noch als die Rundenzeiten stach aber die revolutionäre Aerodynamik ins Auge. An den RS-GP26 der Aprilia-Werkspiloten Marco Bezzecchi und Jorge Martin waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Tages ungewöhnliche "Haltegriffe" links und rechts der Windschutzscheibe zu sehen. Was hat es damit auf sich?

Als Aprilia-Technikchef Fabiano Sterlacchini nach dem Jerez-Test genau danach gefragt wurde, antwortet er zunächst mit einem Scherz: "Sinn und Zweck der Teile, die man im oberen Bereich der Verkleidung sieht, ist genau das, nämlich Haltegriffe, um im Falle eines Motorradwechsels das Bike besser anfassen zu können." Im selben Atemzug gibt er zu, dass dies natürlich nicht der wahre Grund für die Neuerung ist.

So spricht Sterlacchini in aller Ernsthaftigkeit von einem "neuen Konzept, das wir in CFD-Simulationen erprobt haben. Hauptziel war es, diese Erkenntnisse nun auf der Strecke zu validieren".

Fabiano Sterlacchini

Technikchef Fabiano Sterlacchini arbeitete vor seinem Wechsel zu Aprilia für KTM

Foto: Gold & Goose / Getty Images

Es ging also, wie so oft bei aerodynamischen Neuerungen, um die Korrelation aus Windkanal beziehungsweise CFD einerseits, und Realität auf der Rennstrecke andererseits. Tatsächlich sollen die ungewöhnlichen Bügel den Luftstrom rund um die Schultern des Fahrers beruhigen.

Trotz WM-Führung und neuer Regeln 2027: RS-GP26 wird weiter verbessert

Eines ist offensichtlich: Wenngleich Aprilia derzeit alle drei WM-Wertungen der MotoGP-Saison 2026 - Fahrer, Teams, Hersteller - anführt, wobei man sowohl in der Fahrerwertung als auch in der Teamwertung sogar die ersten zwei Plätze belegt, lässt man nichts unversucht, die RS-GP26 mit ihrem 1.000er-Motor weiter zu verbessern.

Leidet darunter gegebenenfalls die Entwicklung der Aprilia mit 850er-Motor für das neue MotoGP-Reglement ab 2027? "Um ehrlich zu sein, haben wir zu Beginn einen Plan aufgestellt, wie wir die beiden Projekte umsetzen sollten", sagt Sterlacchini und weiter: "Derzeit halten wir uns an den Plan, obwohl wir zugegebenermaßen aktuell erfolgreicher sind als wir das selber erwartet hatten."

Die ersten drei Grands Prix der Saison (Thailand, Brasilien, USA) hat Marco Bezzecchi nicht nur allesamt gewonnen. Er hat in diesen drei Grands Prix auch jede einzelne Runde angeführt. Am vergangenen Sonntag im Grand Prix von Spanien in Jerez riss die Serie zwar. Bezzecchi schaffte weder eine Führungsrunde noch den Sieg. Mit P2 aber hat er seinen Vorsprung auf Teamkollege Jorge Martin an der Spitze der Fahrerwertung trotzdem ausgebaut.

Jorge Martin erklärt die Aprilia-Philosophie

"Bis auf Weiteres wollen wir an unserem Plan festhalten", sagt Sterlacchini über die Weiterentwicklung der RS-GP26. Wann der Fokus auf 2027 verlagert wird, vermag der Technikchef zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen: "Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass wir mit dem 2026er-Motorrad gerade einen richtig guten Lauf haben. Diese Gelegenheit müssen wir nutzen, um das Bike weiter zu verbessern."

Jorge Martin

Die "Haltegriffe" (hier am Bike von Jorge Martin) in der Praxis abseits ihrer Aero-Funktion

Foto: German Garcia Casanova

Denn wie Jorge Martin betont, "musst du immer versuchen, noch besser zu werden. Genau darauf konzentrieren wir uns. Ich glaube nämlich, dass es in diesem Sport keinen Gipfel gibt. Du kannst immer noch besser werden. Das ist genau das, was Aprilia macht".

"Ja, wir haben ein Motorrad, das gut funktioniert. Jetzt geht es darum, herauszufinden, wo wir es noch besser machen können. Denn wir wissen natürlich, dass sich unsere Gegner ebenfalls verbessern", so Martin und weiter: "Ich glaube, dass sowohl Marco als auch ich selbst bei diesem Test ein paar Schritte vorangekommen sind. Das Ergebnis davon werden wir bei den nächsten Rennen sehen."

Warum der Jerez-Test für Martin so wichtig war

Nachgefragt, welche Teile er am Montag in Jerez getestet hat, antwortet Martin: "Neue Teile. Ich bin gerade dabei, die im Februar verlorene Zeit wieder aufzuholen."

Damit spricht der Spanier auf die Tatsache an, dass er die erste Woche der Wintertestfahrten (Sepang) auslassen musste, um sich von den zwei nachgeschobenen Operationen seiner Verletzungen aus der Saison 2025 zu erholen. Beim zweiten Wintertest (Buriram) war er dabei, aber noch nicht wieder vollständig fit.

"Es gibt also Teile, die an sich nicht neu sind, die für mich aber sehr wohl neu sind", erklärt Martin. "Ich konnte sie in den ersten Rennen nicht nutzen, während die anderen [Aprilia-]Fahrer sie genutzt haben. Es war unmöglich, diese Teile an den Rennwochenenden auszuprobieren. Deshalb war dieser Montag hier ein ganz wichtiger Tag für mich."

Jorge Martin

Jorge Martin ist nach dem Montagstest in Jerez ausgesprochen happy

Foto: Mirco Lazzari GP / Getty Images

Und nachdem Martin am Montag in Jerez 64 Runden zurückgelegt hat, wobei er die Top 10 der Zeitenliste knapp verpasst hat, hält er zufrieden fest: "Jedes Mal, wenn ich aus der Box auf die Strecke gegangen bin, sind mir große Verbesserungen gelungen."

"Außerdem", so Martin weiter, "ist mir klar geworden, dass ich am Sonntag ein Problem mit dem Hinterreifen hatte. Beim Test hatte ich von Beginn an wieder das normale Gefühl und jedes Mal, wenn wir etwas verändert haben, haben wir damit das Paket für mich verbessert".

"Aus diesem Grund bin ich sehr zufrieden. Die Verbesserungen auf meiner Seite der Box sind offensichtlich. Jetzt müssen wir einfach so weitermachen", sagt Martin und stellt heraus, dass ihm die größten Fortschritte "beim Bremsen, beim Einlenken und beim Beschleunigen" gelungen sind. Das Testfazit des MotoGP-Weltmeisters von 2024 lautet: "Ich fühle mich gut und das Motorrad fühlt sich besser an."

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