Neue Strecke, alte Stärke? Marc Marquez zweifelt an seinem größten Vorteil
Marc Marquez erwartet nicht, dass die Rückkehr der MotoGP nach Brasilien ihm in die Karten spielt - Trotz seiner bisherigen Erfolgsbilanz auf neuen Strecken
Marc Marquez äußert sich vor dem neuen Rennen in Brasilien zurückhaltend
Foto: Getty Getty
Die Fähigkeit von Marc Marquez, früh ans Limit zu gehen, in Verbindung mit seiner Stärke bei wenig Grip, machte ihn immer dann zu einer gefährlichen Größe, wenn eine neue Strecke in den MotoGP-Kalender aufgenommen wurde.
Zu Beginn seiner Karriere gewann der Spanier die Premierenrennen in Austin (USA), Termas de Rio Hondo (Argentinien) und Buriram (Thailand). Außerdem triumphierte er vergangenes Jahr beim Debüt des Balaton Park (Ungarn) im Rennkalender.
Der Ducati-Werksfahrer glaubt jedoch, dass dieser angeborene Vorteil im Laufe der Zeit geringer geworden ist, und verweist dabei auf ausbleibende Siege in der Königsklasse auf neueren Strecken wie Portimao (Portugal) und Mandalika (Indonesien).
"Früher war ich das schon, ein Spezialist. Auf den neuen Strecken, auf denen wir zuletzt waren, etwa in Portimao und Mandalika, war ich dort nicht wirklich ein Spezialist. Mal sehen, wie wir uns anpassen", sagt er dem spanischen Sender DAZN.
"Goiania ist eine kurze Strecke, das heißt, wir werden viele Runden fahren. Und bis Samstag ist die Strecke eigentlich nicht mehr wirklich neu. Lange Strecken sind deutlich schwieriger, denn dort kann man auch ein bisschen mehr improvisieren."
"Auf kurzen Strecken musst du dich richtig positionieren und auf jedes Detail achten, weil du dieselbe Kurve so oft fährst." Marquez glaubt, dass seine frühen Erfolge auf neuen Strecken vor allem darauf zurückzuführen waren, dass er nach Instinkt gefahren ist.
"Aber es stimmt schon: Mit 20, 25 habe ich mich super schnell angepasst. Jetzt glaube ich immer noch, dass ich mich schnell anpassen kann. Aber es stimmt auch, dass sich ein junger Fahrer normalerweise schneller an eine neue Situation anpassen kann als ein erfahrener Fahrer."
Die Ergebnisse von Marc Marquez auf neuen Strecken
2013: Austin (USA) - Sieger
2014: Termas de Rio Hondo (Argentinien) - Sieger
2016: Spielberg (Österreich) - Fünfter
2018: Buriram (Thailand) - Sieger
2020: Portimao (Portugal) - nicht teilgenommen
2022: Mandalika (Indonesien) - nicht gestartet
2025: Balaton Park (Ungarn) - Sieger
"Denn [als junger Fahrer] hast du diesen Punkt, an dem du einfach nach Instinkt fährst. Aber ich werde versuchen, meinem Instinkt zu folgen und von Anfang an schnell zu sein", nimmt sich Marquez vor. Die Rückkehr nach Brasilien ist an diesem Wochenende für alle Neuland.
Das Autodromo Internacional de Goiania - Ayrton Senna ist nur 3,84 Kilometer lang und damit nach dem Sachsenring die zweitkürzeste Strecke im Kalender. Um die fehlenden Tests auf dieser Strecke auszugleichen, hat die MotoGP beide Trainings am Freitag um je 15 Minuten verlängert.
Marquez glaubt, dass diese Faktoren dafür sorgen werden, dass sich die Goiania-Strecke nicht mehr "neu" anfühlen wird, wenn der entscheidende Teil des Wochenendes beginnt: "Natürlich war [die Anpassung an neue Strecken] eine meiner Stärken in meiner Karriere."
"Weil es eine kürzere Strecke ist und wir längere Trainings haben, FP1 und das Training am Freitag, wird jeder die Strecke sehr gut kennen. Dadurch, dass es eine kurze Strecke ist, werden wir viele Runden fahren. Ich glaube also nicht, dass das ein Faktor sein wird."
Die im Uhrzeigersinn gefahrene Strecke in Goiania hat fünf Linkskurven und neun Rechtskurven, was Marquez nach eigener Aussage nicht besonders liegt: "Ich hätte natürlich gern mehr Linkskurven. Der Kurs sieht gut aus."
"Es stimmt, dass es nicht der beste Streckenverlauf für meinen Fahrstil ist, aber schauen wir mal, ob wir einen guten Speed und gute Linien finden und versuchen können, bei den Schnellsten dabei zu sein."
Wie die Reifen Ducati beeinflussen könnten
Ducatis Serie von 88 Rennen in Folge mit mindestens einem Podiumsplatz riss beim Saisonauftakt in Thailand ab, als Marco Bezzecchi für den italienischen Rivalen Aprilia einen überlegenen Sieg einfuhr.
Für Brasilien bringt Michelin drei Varianten asymmetrischer Hinterreifen mit, von denen zwei eine verstärkte Karkasse haben - identisch mit jener, die auch beim Österreich-GP verwendet wird. Die dritte Mischung, der harte Reifen, entspricht derselben Spezifikation wie in Buriram.
"Wir werden versuchen, Punkte zu holen und uns weiter zu verbessern", sagt Marquez. "Es stimmt, dass sie hier wieder die Reifen aus Thailand und aus Österreich bringen, die für uns normalerweise nicht besonders gut funktionieren."

Die jungen Fahrer machen Druck auf den MotoGP-Superstar
Foto: Anadolu
"Aber wir müssen herausfinden, wie wir uns anpassen. Es ist nicht nur eine Frage des Motorrads, sondern auch des Fahrens. Bezzecchi und [Pedro] Acosta sind auf einem sehr hohen Niveau", lobt er seine beiden Konkurrenten.
Auf die Frage, ob die Hackordnung aus Thailand real war oder durch Faktoren wie die Reifen verzerrt wurde, sagt Marquez, dass er und Ducati viel Arbeit vor sich hätten, um zu ihren Rivalen aufzuschließen.
"Das Niveau von Bezzecchi und Acosta ist real, denn in den letzten sechs Rennen des vergangenen Jahres standen sie fast immer auf dem Podium. Ihr Niveau ist real. Es ist nicht so, dass man sagen könnte: 'Irgendwann kommen wir schon noch dahin und dann werden sie wieder eingeholt'."
"Sie sind zwei brillante Fahrer, die perfekt mit ihren Motorrädern harmonieren. Wir müssen daran arbeiten, ihnen so nah wie möglich zu kommen und versuchen, sie zu schlagen." Nach dem Saisonauftakt ist Marquez WM-Achter, 23 Punkte hinter der Spitze.
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