Neuer Asphalt in Argentinien: MotoGP-Fahrer sind geteilter Meinung

Die teils neu asphaltierte Strecke in Termas de Rio Hondo sorgt für Diskussionen - Während Marquez und Rossi loben, hagelt es von anderen MotoGP-Piloten Kritik

Nach dem MotoGP-Auftakt in Katar stellt die zweite Saisonstation in Argentinien die Königsklasse vor eine neue Herausforderung: Ohne vorherigen Test müssen die Teams und Fahrer ihre aktuellen Bikes auf den 4,8 Kilometer langen Kurs erst neu abstimmen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass etwa die Hälfte der Strecke neu asphaltiert wurde. Das soll die Bedingungen verbessern, bringt für den Anfang aber einige Probleme mit sich.

Fotogalerie: MotoGP in Argentinien

So klagten viele Piloten nach den Trainings am Freitag über mangelnden Grip. "Die Strecke hat generell nicht viel Grip, aber ich spüre, dass der Grip jetzt noch schlechter war. Vor allem in der letzten Kurve und in Kurve 1 rutscht das Motorrad etwas mehr", zieht Scott Redding (Aprilia) einen Vorher-Nachher-Vergleich. "Mit mehr Runden wird es aber etwas besser."

LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow urteilte: "Es war sehr rutschig. Die Strecke ist einfach schmutzig und kann noch besser werden. Es muss heiß sein. Außerdem müssen die Fahrer der Moto2 und Moto3 überall weite Linien nehmen, um die Strecke sauber zu fahren. Wir versuchen momentan noch, auf einer Linie zu bleiben. Im Rennen sind die Bedingungen vielleicht besser, weil die Leute dann extravagante Linien wählen."

Marquez und Rossi loben weniger Bodenwellen

Einer, den die schwierigen Gripverhältnisse wenig zu stören schien, war MotoGP-Weltmeister Marc Marquez. Zwar hatte der Honda-Pilot den ein oder anderen Rutscher, das ist aber erfahrungsgemäß nicht unüblich für ihn. Zudem fuhr er am Nachmittag trotz zwischenzeitlichen Regens mit Abstand die Bestzeit.

Johann Zarco (Tech-3-Yamaha) zeigte sich beeindruckt: "Die Bedingungen haben uns nicht gerade geholfen. Aber als ich sah, was Marc am Ende der Session noch geschafft hat, war klar, dass wir die Strecke gut nutzen können." Marquez selbst stufte den Grip als gut ein und erkannte keine große Unterschiede zwischen alt und neu, räumte jedoch ein: "Man kann es nicht spüren, weil es noch keinen Gummi gibt, es ist nur schmutzig."

Das Problem der Bodenwellen sei mit der Neuasphaltierung aber behoben, lobt der Spanier. "Jetzt ist es flach. Im vergangenen Jahr war es am Limit, schon recht gefährlich mit großen Bodenwellen, aber in diesem Jahr ist es komplett flach." Yamaha-Pilot Valentino Rossi pflichtet dem amtierenden Weltmeister Punkt bei. "Der neue Asphalt ist etwas besser, weil wir weniger Bodenwellen dadurch haben", sagt der Italiener.

Dovizioso: Grip ist mit allen Reifen gleich schlecht

Des Weiteren merkt Rossi an: "Michelin hatte etwas Sorge aufgrund des ungewissen Gripniveaus, daher haben sie mehr Reifen hierher mitgenommen, aber der Grip auf dem neuen Asphalt ähnelt jenem auf dem alten Belag sehr stark. Ich mag die Strecke, sie ist in einem guten Zustand."

Tatsächlich stellt Michelin den Fahrern in Termas de Rio Hondo eine zusätzliche Medium-Reifenmischung zur Verfügung. Da man die Kontingente für alle 18 MotoGP-Rennen bereits vor Saisonbeginn festlegte, wollte man den Piloten so mehr Flexibilität einräumen, um auf die veränderten Streckenverhältnisse reagieren zu können. Vielen von ihnen schien das allerdings nicht zu helfen.

Andrea Dovizioso hatte mit seiner Ducati vor allem am Freitagnachmittag zu kämpfen, wurde im zweiten Freien Training gar Letzter und klagte: "Bei diesem niedrigen Griplevel unterscheiden sich die Reifen kaum. Wir konnten keinen wirklichen Vergleich anstellen und viele Runden drehen, um die Reifen zu verstehen. Mit jedem Reifen fehlt der Grip." Die Hoffnung, dass sich das Session für Session bessert, teilte er nicht.

Espargaro und Smith beim Reifenthema uneins

KTM-Pilot Pol Espargaro äußerte sich ebenfalls kritisch. Der Grip sei auf allen Reifen sehr niedrig, stimmte er Dovizioso zu. "Die Strecke sieht ziemlich schmutzig aus und es ist schwierig zu fahren. Das Bike ist sehr unruhig. Auf keiner Strecke war das Gefühl bislang schlimmer", so der Spanier. "Die Reifen helfen da nicht wirklich, nur der Medium funktioniert halbwegs. Leider haben wir nicht genügend von den guten Reifen, um sie in allen Sessions zu verwenden."

Mit knapp zwei Sekunden Rückstand beendete Espargaro den Trainingsfreitag auf einem enttäuschenden 19. Rang - und damit einen Platz hinter Teamkollege Bradley Smith. Dieser entgegnete Espargaros Kritik: "Ich finde, es gibt wichtigere Dinge, als sich über die Reifen zu beklagen. Es ist kein Problem für die Sicherheit, sondern ein Performance-Problem. Wir müssen das mit unserem Set-up lösen."

Man könne die Probleme nicht allein auf den Asphalt und die Reifen schieben. "Alle haben die gleichen Reifen und die anderen Teams setzen es besser um", räumt Smith ein. Espargaro fürchtet indes, erst in Europa wieder zu alter zurückfinden zu können, denn: "Auch in Katar und Austin gibt es diesen Asphalt mit wenig Grip, erst wenn wir nach Jerez kommen ändert sich das. In Europa verändert sich dann alles."

Mit zusätzlichem Material von Federico Faturos

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung Termas de Rio Hondo
Rennstrecke Autodromo Termas de Rio Hondo
Artikelsorte Reaktion
Tags argentinien gp, asphalt, grip, reifen, strecke, termas de rio hondo, training