Nicolo Bulega dominiert die Superbike-WM: Aber nicht erste Wahl für MotoGP
Nicolo Bulega gewinnt in der Superbike-WM alles - Doch ein Platz in der MotoGP ist ihm trotzdem nicht sicher - "Nicolo ist nicht die erste Wahl", räumt sein Manager ein
Die MotoGP-Chancen von Nicolo Bulega schwinden zusehends
Foto: Diogo Diogo
Nicolo Bulega ist aktuell der schnellste Fahrer der Superbike-WM und gewinnt ein Rennen nach dem anderen. Dabei wäre die Karriere des Italieners beinahe schon zu Ende gewesen. Als Mitglied von Valentino Rossis VR46-Akademie gab Bulega beim Saisonfinale 2015 sein Debüt in der Moto3-Klasse.
Anschließend fuhr er drei Jahre für VR46 in der kleinsten Klasse und danach eines in der Moto2-Klasse. Bulega gelang aber nie der Durchbruch. Mit VR46 eroberte er in vier Jahren nur zwei Podestplätze, und zwar beide in seiner Moto3-Debütsaison 2016.
Schließlich kam es zur Trennung. Der Italiener fuhr noch zwei Moto2-Jahre mit dem Gresini-Team, aber Erfolge blieben weiterhin aus. Daher wechselte Bulega 2022 in die Supersport-WM und erhielt dort eine Chance von Aruba-Ducati.
Der Durchbruch gelang in der zweiten Saison. Bulega dominierte und wurde Supersport-Weltmeister. Ducati beförderte ihn ins Werksteam in der Superbike-WM und der Italiener gewann auf Phillip Island direkt sein Debütrennen in der höchsten seriennahen Klasse.
Bulega wurde auf Anhieb hinter Toprak Razgatlioglu (BMW) Vizeweltmeister und stellte seinen Teamkollegen, Alvaro Bautista, dabei in den Schatten. 2025 war Bulega neben Razgatlioglu wieder der zweite bestimmende Fahrer der Saison, aber es wurde erneut "nur" die Vizeweltmeisterschaft.
Aufgrund seiner Form beschloss Ducati, ihn stärker in das MotoGP-Projekt einzubinden. Einerseits durfte Bulega im Herbst 2025 zwei MotoGP-Rennen als Ersatz für Marc Marquez bestreiten, andererseits wird er künftig das Testteam neben Routinier Michele Pirro verstärken.
Zudem dominierte Bulega den Saisonbeginn der Superbike-WM 2026 und gewann alle Rennen auf Phillip Island und in Portimao. All diese Faktoren ließen darauf schließen, dass ihn Ducati für 2027 in die MotoGP holen und in einem Satellitenteam platzieren könnte.
Derzeit kein MotoGP-Angebot für Bulega
"Verdient er es? Ja, absolut", wird sein Manager Alberto Martinelli von GPOne.com zitiert. "Aufgrund des Weges, den er zurückgelegt hat, würde er eine Chance verdienen und würde niemandem den Platz wegnehmen."

Nicolo Bulega dominiert derzeit die Superbike-WM
Foto: Miguel Lemos/NurPhoto via Getty Images
Trotzdem muss er einräumen: "Im Moment ist die Situation jedoch kompliziert. Es gibt viele Fahrer und wenige Motorräder. Außerdem kommen sehr starke junge Fahrer aus der Moto2 hoch, die mehrere Plätze belegen werden."
Damit meint Martinelli unter anderem Daniel Holgado, der im nächsten Jahr bei Gresini-Ducati fahren wird. David Alonso ist Kandidat bei Honda und soll laut Radio Fahrerlager der Teamkollege von Fabio Quartararo werden.
Bei VR46-Ducati ist Fermin Aldeguer gesetzt. VR46 könnte sich eine Rückkehr von Bulega durchaus vorstellen, aber angesichts der Performance von Fabio Di Giannantonio an den ersten drei Rennwochenenden hat auch er eine klare Empfehlung abgegeben.
Beim Rennwochenende in Austin sagte VR46-Teamchef Alessio "Uccio" Salucci im Gespräch mit Sky Italien: "Wir haben 'Diggia' nie infrage gestellt. Wir haben immer daran gedacht, mit ihm weiterzumachen, und werden ihm bald ein Angebot machen."

Moto3 2016: Nicolo Bulega vor Fabio Di Giannantonio in Misano
Foto: Mirco Lazzari gp/Getty Images
Da sich gleichzeitig eine Rückkehr Enea Bastianinis von Tech3-KTM zu Gresini anbahnt, könnte bei den Ducati-Satellitenteams kein Platz für Bulega sein. "Heute haben wir kein schriftliches Angebot in der Hand", sagt sein Manager Martinelli über die aktuelle Situation.
"Wir arbeiten und sprechen mit allen, aber im Moment ist nichts festgelegt. Im Moment ist alles sehr heikel: KTM, Honda, Gresini. Es gibt noch viele Puzzleteile, die sich zusammenfügen müssen. Alle warten, und niemand schließt wirklich ab."
Bulega nicht erste Wahl: Sein Manager nennt Gründe
Trotz der Dominanz in der Superbike-WM muss Martinelli anerkennen: "Nicolo ist nicht die erste Wahl, sonst wäre es schon geregelt. Wir müssen bereit sein, wenn sich eine Möglichkeit ergibt. Bei Ducati scheinen die Motorräder fast alle vergeben zu sein."
"Vielleicht ist noch eines frei, aber das hängt von vielen Bewegungen ab. Es braucht nicht viel, um alles zu verändern, aber im Moment ist es eine sehr unsichere Situation, und dann gibt es noch einen anderen Aspekt, der eine Rolle spielt."

Nicolo Bulega durfte Ende 2025 zwei MotoGP-Rennen fahren
Foto: Jose Breton/Pics Action/NurPhoto via Getty Images
Und welchen? "Meiner Meinung nach zählen auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Nationalität. Das MotoGP-System berücksichtigt heute eine Balance. Ich bin überzeugt, dass Nicolo vorne dabei wäre, wenn er eine technisch solide Möglichkeit in der MotoGP bekäme."
"Daran habe ich keinen Zweifel. Aber in dieser Situation verstehe ich die Teams: Nach wenigen Rennen ist es schwierig, endgültige Entscheidungen zu treffen. Man bräuchte mehr Zeit, um die Fahrer wirklich beurteilen zu können."
Was, wenn es nicht mit der MotoGP klappt?
Mit 26 Jahren zählt Bulega noch nicht zu den älteren Fahrern und ist praktisch die gleiche Generation wie die derzeitigen MotoGP-Fahrer, von Francesco Bagnaia über Joan Mir bis Jorge Martin. Aber Aldeguer, Acosta, Alonso und Holgado sind jünger und die "neue" Generation.
Sind deshalb in dieser Gemengelage die MotoGP-Türen für Bulega verschlossen? "Solange es Hoffnung gibt, arbeiten wir darauf hin", sagt sein Manager. "Wenn der Sprung in das andere Fahrerlager nicht klappen sollte, werden wir alles in Ruhe neu bewerten."
"Wir alle geben unser Bestes. Wenn das am Ende nicht reichen sollte, wird das bedeuten, dass jemand anderem der Vorzug gegeben wurde. Im Moment hat Nicolo eine Möglichkeit als Testfahrer mit der MotoGP 850 erhalten. Wir sind Ducati für diese großartige Chance dankbar."
"Sein Traum ist jedoch die MotoGP, wie er selbst schon mehrfach gesagt hat, und deshalb sind unsere Bemühungen auf dieses Ziel ausgerichtet." In diesem Jahr könnte Bulega erst der zweite italienische Superbike-Weltmeister nach Max Biaggi werden.
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