"Noch nicht auf seinem Niveau": Marquez-Crewchief gibt Einblicke
Marc Marquez feiert ein starkes Comeback, doch intern bleibt man vorsichtig - Rigamonti beschreibt, warum die körperliche Basis noch nicht vollständig zurück ist
Marc Marquez und sein Crewchief Marco Rigamonti
Foto: Getty Getty
Marc Marquez hat sich im Balaton Park eindrucksvoll zurückgemeldet. Der Ducati-Werksfahrer eroberte im Qualifying die Poleposition und gewann sowohl den Sprint als auch den Grand Prix.
Erstmals seit dem Grand Prix von San Marino im September 2025 gewann er wieder ein Rennen über die volle Distanz. Zugleich war es sein erstes Podium seitdem er sich im vergangenen Herbst in Japan den Weltmeistertitel sicherte.
Klassenübergreifend war es für Marquez der 100. Grand-Prix-Sieg und zugleich für Ducati der 100. MotoGP-Sieg. Dieser Erfolg gelang ihm nur einen Monat nach der siebten Operation an der schwer angeschlagenen rechten Schulter.
Selbst nach der Rückkehr in die Erfolgsspur und dem Beweis, dass er auf Strecken gegen den Uhrzeigersinn schnell sein kann, ist das Gesamtbild für den neunmaligen Weltmeister nicht durchweg positiv.
Marquez fehlt weiterhin Muskelkraft im rechten Arm, was ihn für die kommenden Rennen in Brünn und Assen erheblich einschränken könnte. Sein Crewchief Marco Rigamonti erlebte dies in Mugello und im Balaton Park aus nächster Nähe mit.
"Es hängt mehr mit der Kraft zusammen. Er ist also nicht zu 100 Prozent fit, um über alle Runden hinweg die nötige Kraft aufzubringen", sagt Rigamonti im Gespräch mit Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
"In FT1 und FT2 ist er 20 Runden gefahren, aber er hat nur vier bis sechs Runden wirklich gepusht. Und vielleicht hat er in einer Runde nur in einigen Kurven gepusht, um das Limit des Motorrads zu verstehen."
"Das ist natürlich auch eine Einschränkung für die Performance. Zum Beispiel hat er gesagt, dass man in einigen Kurven im Balaton Park gegen Wheelies ankämpfen muss. Um einen Wheelie zu kontrollieren, muss man Druck auf den Lenker bringen."
"Aber er hat gesagt: 'Ich habe keine Kraft'. Also nutzt er vielleicht mehr die Beine, aber das ist kein guter Weg, um gegen einen Wheelie zu arbeiten." Dennoch schaffte es Marquez, sich im Grand Prix die Kraft einzuteilen.
Deshalb glaubt Rigamonti, dass es nur eine Frage der Zeit ist: "Ich denke, dass er vielleicht schon in zwei oder drei Wochen wieder nahe an sein Niveau aus dem vergangenen Jahr herankommen könnte."
Jerez war ein Wendepunkt
Die vergangenen acht Monate waren für Marquez nicht einfach. Zunächst der Höhepunkt mit dem neunten Weltmeistertitel, aber anschließend gab es in Indonesien beim Unfall mit Marco Bezzecchi den nächsten Rückschlag.
Aufgrund der Schulterverletzung verpasste Marquez die restliche Saison. Er hatte gehofft, zu Beginn der Europarennen 2026 wieder vollständig fit zu sein, aber es gab weiterhin körperliche Einschränkungen.
Nach einem Highsider im Sprint von Le Mans entschied er sich für eine weitere Operation an der rechten Schulter und zudem auch für einen Eingriff bei einem Knochenbruch im rechten Fuß.

Marc Marquez konnte sich in Ungarn gegen Pedro Acosta durchsetzen
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Marquez kehrte in Mugello zurück und zeigte sofort eine Leistungssteigerung, bevor er in Ungarn wieder ganz oben auf dem Podium stand. Bei all diesen Höhen und Tiefen stand ihm Rigamonti stets zur Seite.
Der Italiener gehört zu dem kleinen Kreis von Vertrauten, die in Marquez' Pläne für eine weitere Operation eingeweiht waren. Erst nachdem er sich im Sprint von Le Mans den Fuß gebrochen hatte, wurde die Operation öffentlich bekannt.
"Zu Beginn des Jahres hat er gemerkt, dass er die Kraft nicht konstant halten kann", blickt Rigamonti auf die vergangenen Monate zurück. "Er dachte zunächst, es läge nur am Trainingsrückstand im Winter."
"Als Katar abgesagt wurde, sagte er: 'Okay, ich habe drei Wochen.' In Jerez sagte er: 'Okay, ich bin jetzt ziemlich nah an den 100 Prozent wie im vergangenen Jahr.' In Jerez hat er dann jedoch gemerkt, dass etwas nicht stimmt."
"Denn er war vorbereitet, begann FT1 in guter Verfassung, aber in jeder Session ließ die Kraft nach. Also entschied er sich anschließend für einen Arztbesuch, und dabei wurde das Problem am Arm festgestellt."
Als Marquez nach dem verpassten Katalonien-Wochenende Ende Mai beim Grand Prix von Italien ins Renngeschehen zurückkehrte, war sofort eine Veränderung in seiner Stimmung spürbar.

Ungarn war der erste Saisonsieg am Sonntag für den Weltmeister
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Obwohl Mugello zu den körperlich anspruchsvollsten Strecken im Kalender zählt, zeigte Marquez im Vergleich zum Saisonbeginn eine verbesserte Leistung und schlug damit endlich die richtige Richtung ein.
"Wir haben gesehen, dass er in den Linkskurven wieder auf dem Niveau des vergangenen Jahres war. Dort konnte er den Unterschied machen und auch eine gute Rundenzeit fahren", bestätigt Rigamonti.
"Er war also zufrieden, weil er gemerkt hat, dass er in einer guten Verfassung ist. Er kann gut fahren. Aber er weiß jetzt, dass er noch einige Wochen braucht, um wieder zu 100 Prozent fit zu werden."
Ungewissheit, wo sein neues Leistungslevel liegt
Das erklärt, warum Marquez seinen Sieg in Ungarn noch nicht als vollständiges Comeback bezeichnet. Vor allem im Ducati-Lager gibt es weiterhin Zweifel daran, wo seine neue Leistungsgrenze in der MotoGP liegt.
Schon in seiner WM-Saison 2025 erreichte Marquez nicht ganz das Niveau von vor 2020 und benötigte mehr Training sowie ein sorgfältigeres Management abseits der Strecke.
"Das ist schwer zu sagen, denn er selbst sagt auch, dass man nach jeder Verletzung nicht weiß, wie die neuen 100 Prozent aussehen und wie sie im Vergleich zu den alten 100 Prozent stehen."
"Wir wissen also nicht, ob er nach drei oder vier Monaten vollständigen Trainings und vollständiger Genesung wieder in derselben Verfassung sein wird wie im vergangenen Jahr. Das betrifft die körperliche Seite."
"Gleichzeitig wissen wir, dass sich unsere Konkurrenten verbessern", verweist Rigamonti auf Aprilia. "Deshalb wissen wir nicht, ob er mit derselben körperlichen Verfassung wie im vergangenen Jahr wieder 14 Rennen in Folge gewinnen kann, weil sich die Konkurrenz weiterentwickelt hat."
Mit der maximal möglichen Punkteausbeute von 37 in Ungarn verbesserte sich Marquez auf Platz fünf der WM-Wertung. Sein Rückstand auf Marco Bezzecchi (Aprilia) reduzierte sich auf 72 Punkte.
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