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Nur Platz sieben: Warum Marquez in Silverstone nicht schneller war

Marc Marquez erlebt ein schwieriges Silverstone-Wochenende - Der Ducati-Pilot erklärt, wo es hakt und warum er trotzdem keinen Grund zur Sorge sieht

Nur Platz sieben: Warum Marquez in Silverstone nicht schneller war

In Silverstone war Marc Marquez vom Siegertreppchen weit entfernt

Foto: Getty Getty

Der Grand Prix von Großbritannien in Silverstone hat Marc Marquez an diesem Wochenende einmal mehr vor Augen geführt, dass auch ein Weltmeister nicht auf jeder Strecke seine gewohnte Klasse ausspielen kann.

Nach einem enttäuschenden neunten Platz im Sprint am Samstag, bei dem der Reifenverschleiß den Ducati-Werkspiloten massiv zurückwarf, kam Marquez im Grand-Prix-Rennen am Sonntag nicht über Rang sieben hinaus. Für den Weltmeister war das Ergebnis ernüchternd, aber dennoch kein Grund zur Panik.

"Es war ein gutes, akzeptables Wochenende", bilanziert Marquez nach dem Rennen. Gleichzeitig macht er deutlich, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre. "Wir konnten nicht das beste Rennen fahren, das möglich gewesen wäre. Ich habe in den letzten Runden gekämpft, aber das Motorrad hat gut funktioniert, der Reifen hat gut funktioniert. Ich konnte einfach keinen Weg finden, schneller zu sein."

Es lag also nicht an einem offensichtlichen technischen Problem oder einem dramatischen Einbruch der Reifen. Vielmehr war der Ducati-Pilot schlicht nicht in der Lage, aus dem vorhandenen Paket das Maximum herauszuholen. Silverstone gilt ohnehin nicht als eine seiner stärksten Strecken. Das zeigte sich 2026 erneut.

Auf der Suche nach dem richtigen Ducati-Paket

Bereits am Freitag beschäftigte sich Marquez intensiv mit der Abstimmung seiner Ducati. Besonders auffällig war dabei der Einsatz des sogenannten "Spoon", eines aerodynamischen Bauteils am hinteren Bereich der Maschine, das er nach eigener Aussage seit rund zwei Jahren nicht mehr an der Schwinge eingesetzt hatte.

"Wir versuchen zu verstehen, was wir brauchen", erklärte Marquez dazu. Einige Motorräder und Hersteller würden das Bauteil verwenden, andere nicht. Er selbst testete es zunächst im ersten Freien Training, fuhr im zweiten Training dann wieder ohne.

Das Problem: Mit einem neuen Aerodynamikpaket verändert sich auch die Balance des Motorrads. Genau an diesem Punkt sah Marquez noch offene Fragen. "Normalerweise musst du, wenn du ein Aerodynamikpaket einführst, auch eine andere Balance am Motorrad finden. Genau das versuchen wir noch zu verstehen."

"Es sieht so aus, als würden die Ducatis je Fahrstil in unterschiedliche Richtungen gehen und funktionieren. Wir müssen herausfinden, welche Richtung die beste für uns ist."

Die Schwierigkeiten waren dabei für Marquez keineswegs überraschend. Schon im vergangenen Jahr hatte er in Silverstone an ähnlichen Stellen Probleme. "Aber ich konnte das in den Richtungswechseln oder an anderen Stellen wieder aufholen", so der Spanier. "Dieses Jahr habe ich an denselben Punkten Schwierigkeiten, aber an den Stellen, an denen ich letztes Jahr stark war, bin ich etwas langsamer."

Der Ducati-Pilot wollte sich davon aber zunächst nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Mal sehen, ob wir das Wochenende noch managen und genießen können. Die Position spielt keine Rolle", sagte der amtierende MotoGP-Weltmeister noch am Freitag.

Sprint wird zur Reifenprobe - Rennen besser, aber ...

Im Sprint am Samstag zeigte sich dann allerdings, wie schwierig die Situation tatsächlich war. Marquez startete aus einer aussichtsreichen Position, konnte das Tempo der Spitze aber schon früh nicht mehr mitgehen. Der massive Reifenabbau ließ ihn bis auf Rang neun zurückfallen. Die magere Ausbeute: ein Punkt.

Ducati konnte in Silverstone generell nicht mit der Stärke auftrumpfen, die man von der italienischen Marke gewohnt ist und war der Konkurrenz von Aprilia klar unterlegen.

Im Rückblick erklärt Marquez, dass gerade der Unterschied zwischen Sprint und Grand Prix entscheidend gewesen sei. Denn für gewöhnlich werde im Sprint vom Start bis zum Ziel praktisch auf Qualifying-Niveau attackiert: "Im Sprint pushst du normalerweise von Anfang bis Ende, wie in einer Qualifying-Runde", sagt der Spanier. "Diesmal war das aus irgendeinem Grund aber nicht möglich."

Im Hauptrennen am Sonntag sah die Situation besser aus. Dabei betont Marquez: "Über die lange Renndistanz haben wir das auf normale Art und Weise gemanagt, wie immer." Entscheidend sei gewesen, dass der Reifen für alle besser funktioniert habe.

"Das Gute war, dass wir keinen massiven Einbruch hatten. Ich habe die ersten Runden gut gemanagt, und der Abbau war nicht groß. Der Reifen war okay. Selbst in den letzten Runden konnte man noch sehr schnell fahren", erklärt der aktuelle Weltmeister. Für den Angriff auf die Top 5 reichte es aber trotzdem nicht.

"Das Motorrad hat gut funktioniert, der Reifen hat gut funktioniert. Ich konnte einfach keinen Weg finden, schneller zu sein." Entsprechend offen fällt Antwort auf die Frage aus, warum er an diesem Wochenende hinter mehreren Ducati-Piloten lag: "Ich selbst."

Das eigentliche Problem: Marc Marquez selbst

Bei der Frage, ob das mit seinem körperlichen Zustand zusammenhänge, bleibt Marquez vage: "Das ist das, was ich habe, und damit muss ich umgehen." Er lässt aber durchblicken, woran er arbeiten muss: "Jetzt war es das erste Mal, dass ich im Zeitangriff gut fahren konnte. Aber bei der Ausdauer muss ich mich noch verbessern."

Die Belastung über längere Zeit stellt für den Spanier also immer noch eine andere Herausforderung dar, gerade in Silverstone. Während eine einzelne schnelle Runde wieder möglich war, sei die Fähigkeit, dieses Niveau über eine komplette Renndistanz abzurufen, noch nicht wieder dort, wo Marquez sie haben will.

Marc Marquez

Marc Marquez schiebt wegen der Silverstone-Problem (noch) keine Panik

Foto: Getty Images Europe

Trotz des enttäuschenden Ergebnisses will der Ducati-Fahrer von einer kritischen Situation nichts wissen. Ob ihn seine aktuelle Form beunruhige? "Nein." Dabei betont Marquez, dass seine Sichtweise stark davon abhänge, welches Ziel er sich setzt.

"Mein Ziel ist es, auf dem Motorrad Spaß zu haben". sagt er. Der Kampf um den Titel sei zwar weiterhin ein Ziel, doch davon mache er seine gesamte Zukunft nicht abhängig.

"Ja, ich will Weltmeister werden. Aber wenn ich es nicht werde, wird das mein zukünftiges Leben nicht verändern", bekräftigt er. Seine grundsätzliche Motivation habe sich nicht verändert. "Wie ich immer sage und auch schon am Donnerstag hier gesagt habe: Meine Ambition ist dieselbe. Die Art, wie ich ein Rennwochenende angehe, ist dieselbe. Aber ich bleibe immer realistisch und mache keinen Druck."

"Ich habe in meiner Karriere genug gekämpft"

Der neunfache Weltmeister zeigt sich zwar weiterhin hochmotiviert, will aber nicht um jeden Preis gegen seine eigenen körperlichen Grenzen ankämpfen: "Ich habe in meiner Karriere genug gekämpft. Ich werde kämpfen, wenn ich mich gut fühle."

Das klingt angesichts seines Anspruchs zunächst ungewöhnlich zurückhaltend. Tatsächlich passt es jedoch zu seiner Einschätzung des Silverstone-Wochenendes: Marquez sah keinen Grund, aus einem schwierigen Grand Prix eine größere Krise zu machen.

Schon vor dem Rennen sei ihm bewusst gewesen, dass Silverstone für ihn ein schwieriges Pflaster werden würde. "Ich wusste, dass dies eine der Strecken sein kann, auf denen ich zu kämpfen haben werde", sagt er rückblickend. "Und ja, ich bin immer optimistisch und versuche, das Ganze positiv zu sehen. Am Ende sind wir Siebter geworden. Es ist, wie es ist. Morgen ist Montag und das Leben geht weiter."

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