Oliveira sieht Favoritenrolle gelassen: Was er sich für Portimao vornimmt

Miguel Oliveira gilt nach seinem souveränen Vorjahressieg in Portimao als der große Favorit, stapelt selbst aber erstmal tief - Binder sieht ihn als "gute Referenz"

Oliveira sieht Favoritenrolle gelassen: Was er sich für Portimao vornimmt

Im vergangenen Jahr, als Portimao im November das Saisonfinale der MotoGP markierte, feierte Miguel Oliveira einen überlegenen Start-Ziel-Sieg. Kein Wunder also, dass der Portugiese bei seinem Heim-Grand-Prix auch diesmal als der große Favorit unter seinen Fahrerkollegen und diversen Experten zählt.

"Zu 100 Prozent", hält auch Pol Espargaro ihn für den Sieganwärter. Der Ex-KTM-Pilot sagt: "Die Kombination aus dieser Strecke und Miguel erinnert mich an Nicky Hayden und Laguna Seca. Jedes Mal, wenn wir in Laguna Seca waren, fuhr er in einer eigenen Liga. Dasselbe Gefühl habe ich hier mit Miguel."

Bei den ersten beiden Saisonrennen 2021 fuhr Oliveira auf der KTM noch hinterher. Das war neben der Streckencharakteristik vor allem den Bedingungen gepaart mit der Reifenauswahl geschuldet. "Ich glaube nicht, dass sich KTM in einer schlechten Lage befindet. Katar ist Katar", hält Espargaro deshalb fest.

Oliveira will keine Vorschusslorbeeren

Der Spanier ist sich sicher: "Egal, wie die Situation ist, Miguel wird hier schnell sein, genauso wie vergangenes Jahr. Er wird derjenige sein, den es zu schlagen gilt. Keine Zweifel."

Oliveira ist sich dieser Favoritenrolle sehr wohl bewusst: "Das ist normal. Nach der Performance in der vergangenen Saison ist es verständlich, dass man in mir den Favoriten sieht. Aber Fakt ist: Das Wochenende beginnt erst morgen, jeder steht bei null Punkten für dieses Rennen. Ich hoffe einfach auf ein gutes Wochenende und werde es zu genießen."

Im Rückblick auf den Doubleheader in Katar analysiert er: "Es war schwierig für uns. Das zweite Rennen war etwas besser, aber wir hatten ein kleines technisches Problem mit unserem Dashboard. Ansonsten wäre es sicher besser geworden."

Vorjahresergebnis nicht "ausschlaggebend"

"Hier würden wir natürlich gerne an das Vorjahr anknüpfen. Es gibt eine gewisse Erwartungshaltung, aber wir sollten uns nicht darum sorgen, dieses Resultat zu wiederholen oder zu übertreffen, sondern diesen Grand Prix genießen, denn für mich ist es ein Privileg, hier in meiner Heimat zu fahren", betont der Lokalmatador.

Ob ihm ein ähnlicher Durchmarsch glückt wie vor einem Jahr, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht sagen. "Natürlich hat man das vergangene Jahr als Anhaltspunkt, aber ich denke, dass das ausschlaggebend ist. Alle haben seitdem dazu gelernt und sich verbessert. Wir müssen flexibel bleiben und uns jeder Situation anpassen können. Das wird das Wichtigste sein", glaubt Oliveira.

"2020 waren die Rundenzeiten im Qualifying sehr eng beieinander", erinnert er sich. "Im Rennen waren die Abstände dann doch größer. Es ist eine Strecke mit nur einer Linie, was es schwierig macht, zu überholen und trotzdem Zeit zu gewinnen."

Binder: "Miguel ist eine sehr gute Referenz"

Aus seiner Sicht macht in Portimao mehr der Fahrer als das Motorrad den Unterschied: "In Katar hängt es stärker vom Bike ab. Hier kann man, wenn man sich einmal auf die Strecke eingeschossen und eine gute Linie gefunden hat, sehr viel mehr gewinnen." Wobei der Kurse an der Algarve auch die KTM an sich besser liegt.

"Die KTM war hier im vergangenen Jahr sehr, sehr gut", blickt Oliveiras Teamkollege Brad Binder zurück. "Das Motorrad funktionierte ab der ersten Session wirklich gut. Wir waren alle in der Lage, im Spitzenfeld mitzumischen. Leider hatte ich nicht ganz die Pace von Miguel und Pol. Abgesehen davon war es sehr beeindruckend zu sehen, wie souverän Miguel das Rennen gewonnen hat."

Für ihn sei er deshalb "eine wirklich gute Referenz", betont Binder. "Er hat hier im Vorjahr mit einigem Vorsprung gewonnen, insofern haben wir ein paar gute Daten. Die sind wir durchgegangen und haben Bereiche besprochen, in denen ich mich im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessern kann. Wir wissen also, woran wir arbeiten müssen."

Arbeiten die Reifen für KTM diesmal besser?

Ein Fragezeichen bleiben die Reifen. Denn den harten Vorderreifen, mit dem KTM im Vorjahr das Rennen bestritt, gibt es nicht mehr. "Wir hätten sicherlich alle am liebsten den harten Vorderreifen gehabt, mit dem wir 2020 gefahren sind", gibt Binder zu.

Laut Michelin entsprechen die Vorderreifen denen aus dem vergangenen Jahr, abzüglich einer der harten Mischungen. Der Medium-Hinterreifen von damals ist jetzt der Soft, der Hard (die beliebteste Wahl) ist jetzt der Medium, und der Hard von diesem Jahr ist komplett neu und für heißere Bedingungen ausgelegt.

Brad Binder

Brad Binder will in diesem Jahr in Portimao vor allem eines sehen: die Zielflagge

Foto: Motorsport Images

"Der Hinterreifen ist in diesem Jahr eine Stufe härter, das könnte vielleicht gut für uns sein", glaubt Binder. "Vorne werden wir dieselben Reifen nutzen müssen wie in Katar, was nicht ideal ist. Aber es ist, wie es ist." Und auch Oliveira sagt: "Wir müssen damit arbeiten, genau wie alle anderen, und verstehen, ob wir mit den Vorderrad-Mischungen bei diesen Temperaturen konkurrenzfähig genug sind."

Die Unterstützung der heimischen Fans ist ihm in jedem Fall sicher - auch wenn sie diesmal nicht auf den Tribünen vor Ort Platz nehmen können. Für Oliveira fühlt es sich trotzdem an wie ein Heim-Grand-Prix: "Ich musste mich nicht ins Flugzeug setzen, sondern bin einfach hergefahren. Das allein ist schon ein Bonus."

Marquez kann keinen Favoriten benennen

"Es fühlt sich einfach an wie Zuhause. Gestern hießen mich einige Fans willkommen. Sie warteten am Eingang auf mich und feuerten mich an. Das ist ein tolles Gefühl. Es hat mich ehrlicherweise auch etwas nervös gemacht, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Hoffentlich werden sie Sonntagabend mit mir genauso glücklich sein."

Das führt uns zurück zur Favoritenrolle, in die Oliveira nicht alle stecken. "Ich kann mich da auf niemanden festlegen", sagt etwa Marc Marquez, der an diesem Wochenende in Portimao sein Comeback nach langer Verletzungspause feiert.

"In der MotoGP gibt es mittlerweile zehn Fahrer, die ein Rennen gewinnen können", weiß der Honda-Pilot. "Hier können sicher fünf Fahrer am Sonntag gewinnen. Ich werde also nicht wetten. Es ist sehr offen und unberechenbar." Maverick Vinales, Sieger des Auftaktrennens in Katar, will da freilich ein Wörtchen mitreden.

Er fuhr bereits in der spanischen Meisterschaft gegen Oliveira und schwärmt: "Wir haben uns schon damals nicht geschenkt. Jetzt zusammen auf dem Toplevel der MotoGP zu fahren, ist fantastisch. Ich weiß, dass er hier stark sein wird. Im Vorjahr fuhr er ein perfektes Rennen. Wir werden sehen, ob wir ihn diesmal herausfordern können."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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