Pedro Acosta geht Saison 2026 neu an: "Geringe Erwartungen als Schlüssel"
Pedro Acosta geht mit bewusst gedrosselten Erwartungen in die MotoGP-Saison 2026 und sieht genau darin eine Stärke - Warum er seine Herangehensweise geändert hat
Pedro Acosta will die Saison mit einer neuen Leichtigkeit angehen
Foto: Getty Getty
Pedro Acosta geht mit einer bewusst veränderten Mentalität in die MotoGP-Saison 2026. Nach einem Jahr voller Höhen und Tiefen will der KTM-Werkspilot die Erwartungshaltung erst einmal niedriger ansetzen, denn genau darin sieht er seinen größten Hebel für mehr Konstanz und Erfolg.
Statt großer Kampfansagen setzt der Spanier also auf Ruhe, Geduld und ein neues Vertrauen in die Arbeit des Werks. Nach den ersten Eindrücken der Wintervorbereitung sagt er: "Alles ist eigentlich ganz okay". Dabei zeigt sich Acosta besonders beeindruckt vom Einsatz der KTM-Ingenieure in Mattighofen.
Man könne "wirklich glücklich sein zu sehen, wie hart das Werk in dieser Vorsaison gearbeitet hat", betont er. Die zahlreichen Updates hätten ihn positiv überrascht.
Zu hohe Erwartungen als Stolperfalle
Rückblickend sieht Acosta einen klaren mentalen Fehler in seiner Herangehensweise der vorherigen Saison. Er sei mit zu hohen Erwartungen in das Jahr gestartet und habe die schwierigen Phasen deshalb dann umso schwerer akzeptieren können.
"Vielleicht war meine Erwartung am Anfang des letzten Jahres zu hoch. Es war nicht einfach, die schlechten Momente anzunehmen", erklärt er offen und selbstkritisch.
Strecken wie Thailand, Argentinien, Austin oder Jerez nennt er als Beispiele für schwierige Wochenenden. Doch mit überhöhtem Anspruch werde jedes Problem größer: Wenn man mit sehr hohen Erwartungen komme, "ist es noch schwieriger, Rückschläge während eines Rennwochenendes zu überwinden".
Sein Ansatz für 2026 lautet deshalb: mehr Gelassenheit. Er wolle deutlich ruhiger bleiben und nicht mehr nur aus dem Gefühl heraus handeln. Stattdessen gehe es darum, Probleme sachlich zu analysieren: Man müsse abwarten, "sehen, welche Probleme es gibt, und versuchen, sie zu verstehen", so Acosta.
Ajo sieht Reifeprozess bei Acosta
Langzeitförderer Aki Ajo bestätigt Acostas mentale Entwicklung. Topathleten neigten oft dazu, die Erwartungen an sich selbst zu hoch anzusetzen. Das habe er bei Acosta schon in dessen ersten Moto3- und Moto2-Jahren erlebt, erzählt Ajo. Das sei "normal, aber es braucht Zeit, die richtige Balance zu finden".
Auch 2025 habe Acosta anfangs unter zu großem Erwartungsdruck gestanden. Laut Ajo litt zeitweise die Einstellung darunter: "Sie war vielleicht nicht immer positiv genug, und der Fokus lag vielleicht auf den falschen Punkten", analysiert er.
Technische Fortschritte, bessere Abläufe in der Box und im Werk sowie klarere Kommunikation hätten jedoch geholfen. "Und wenn man sieht, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen, fällt es dem Sportler natürlich leichter, auch mental die Balance zu finden." Genau das sei bei Acosta dann auch passiert.

Kann Acosta an seine starke Schlussform von 2025 anknüpfen?
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Als Wendepunkt nennt Ajo das Rennwochenende in Assen. Dort habe er bemerkt, dass Acosta ruhiger geworden sei und sich stärker auf die tägliche Arbeit konzentriere, statt zu viel darüber nachzudenken, was in der Zukunft passieren wird.
Mit wachsender Erfahrung sei er deutlich professioneller geworden. Als Beleg dafür nennt Ajo Acosta "wirklich unglaubliche" zweite Saisonhälfte mit zahlreichen Podien.
Wie konkurrenzfähig ist KTM für 2026?
Mit Blick auf die eingefrorene Entwicklung der Motoren und die anstehenden Regeländerungen 2027 ist die Lage im Feld für dieses Jahr schwer einzuschätzen. Acosta betont, dass niemand genau wisse, wie stark die Konkurrenz wirklich sei.
Zwar zeigt er sich vom Winterprogramm bei KTM "beeindruckt", aber: "Wir wissen nicht, wie viel die anderen Hersteller gearbeitet haben." Gerade Ducati und Aprilia gelten - auch nach den ersten Testfahrten dieses Jahres in Sepang/Malaysia weiterhin als Referenz. Trotzdem gibt sich Acosta vorsichtig optimistisch.
Nach allem, was er gesehen habe, sei er zuversichtlich, zumal Malaysia traditionell nicht zu den einfachsten KTM-Strecken gehöre. Dennoch zog er ein zufriedenes erstes Testfazit.
Neues Motorrad und neues Gefühl
Ein zentraler Unterschied zum Vorjahr liegt laut Acosta im Material. Während man zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr noch mit Updates des 2024er-Bikes gearbeitet habe, sei das Projekt nun deutlich radikaler angegangen worden. Er sehe "einen größeren Schritt, ein komplett neues Motorrad, von null aufgebaut".
Auch die Stimmung im Werk habe sich verändert. Die Gesamtsituation sei nicht mehr vergleichbar mit 2025. Man sehe es "in den Gesichtern der Leute", alle wirkten ruhiger und zuversichtlicher. Das sorge dafür, dass man als Fahrer "durchatmen kann".
Nach seiner vielversprechenden zweiten Saisonhälfte 2025 mit einigen Topresultaten, besonders in Sprintrennen, gilt Acosta als heißer Kandidat für seinen ersten Grand-Prix-Sieg in der Königsklasse. Doch auch hier bremst er die Erwartungen.
Der wichtigste Punkt sei die Konstanz, die er zum Ende der letzten Saison gefunden habe. Diese Phase habe ihn sportlich und mental wachsen lassen. Damals habe er sich zum Ziel gesetzt, dass "jeder im Feld mit mir rechnen muss". Genau das sei ihm gelungen, mit regelmäßigen Ergebnissen in den Top 5 und Top 4.
Sein Ansatz für 2026: "Wenn wir diese Konstanz auf dem Podium erreichen, kommt der Sieg früher oder später." Entscheidend sei, das Vorjahresergebnis weiter zu verbessern.
Körperlich stärker nach Schulterproblemen
Auch körperlich hat Acosta nachgelegt. Beobachtern fiel auf, dass sein Oberkörper kräftiger wirkt als im Vorjahr. Der Spanier bestätigt ein verändertes Wintertraining. Denn als einer der jüngeren Fahrer im Feld habe er bei den üblichen Fitnesstests, die im Winter durchgeführt werden, oft Nachteile gehabt.
Zudem litt er lange unter den Folgen seines Sturzes auf Phillip Island 2024, bei dem er sich an der linken Schulter verletzte. Besonders bei kühlerem Wetter habe ihm das Schwierigkeiten bereitet, teilweise sogar beim Aufsteigen aufs Motorrad.
Deshalb lag sein Fokus in der Winterpause klar auf Reha und Fitness. Er habe viel Zeit in den Bergen verbracht, um seine Ausdauer zu verbessern, intensiv mit dem Motorrad trainiert und zusätzlich zahlreiche Motocross-Wettkämpfe bestritten. Mit den Fortschritten sei er "ziemlich zufrieden", so der Spanier.
Marc Marquez bleibt die Messlatte
Gefragt nach dem aktuellen Maßstab im Feld macht Acosta keinen Hehl aus seiner Meinung: Marc Marquez sei trotz Verletzungshistorie weiterhin die Referenz.
Es sei beeindruckend, wie der Ducati-Pilot nach fünf sieglosen Jahren direkt wieder um den Titel kämpfte. "Auch mit seiner Verletzung wird er der Mann sein, den alle schlagen müssen." Neben Marquez zählt Acosta auch Marco Bezzecchi, Alex Marquez und Francesco Bagnaia zum engsten Favoritenkreis.
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